"Wir sind für Sommerlad an der Autobahn"

+

Fulda. Die drei Bürgermeister Schwiddessen, Meinecke und Kolb sprechen sich eindeutig für einen neuen "Sommerlad-Standort" an der A7 aus.

Künzell/Petersberg/Eichenzell. "Wir sind uns einig. Zwischen uns drei passt kein Blatt Papier." Die Meinung der "Interkommunalen Bürgermeister" zum "Sommerlad-Neubauprojekt" ist eindeutig. Dieter Kolb (Eichenzell), Karl-Josef Schwiddessen (Petersberg) und Peter Meinecke (Künzell) sprachen sich im Redaktionsgespräch bei "Fulda aktuell" klar und deutlich für den Möbel-Standort an der A 7 aus, genauer gesagt,  für das Areal an der Autobahn-Ausfahrt Fulda-Mitte auf Künzeller Gemarkungsgebiet. Nun gelte es noch Fuldas OB Gerhard Möller zu überzeugen.

"Wir sind Verfechter dafür, dass das Unternehmen ,Sommerlad’ in der Region bleiben muss und dass es sich am oben genannten neuen Standort erweitern darf", so Schwiddessen, Kolb und Meinecke unisono. Künzells Rathauschef, "unmittelbarer "Hauptbetroffener, weil das "Streitobjekt" innerhalb seiner Gemeindegrenze liegt, sagte, dass Firmenchef Frank Sommerlad von Anfang an, noch bevor er einen "Optionsvertrag" mit dem Grundstückseigentümer unterschrieb,  diesen Wunsch im Lenkungsauschuss des "Interkommunalen Gewerbegebiets" vorgetragen und auch darüber informiert habe, dass es um großflächigen Einzelhandel gehe. "Und das Sortiment  Großmöbel passt nirgendwo besser hin als an die Peripherie, in unmittelbarer Autobahnnähe", ergänzt Kolb. Schwiddessen verweist auf die "Präambel" im "Interkommunalen Vertrag", wonach Möbel nicht innenstadt-relevant seien. "Es geht aber auch um die Rand- oder Nebensortimente, die durch die vielfach entschiedenen peripheren Handelsstandorte ohnehin schon genug gestraft sind. Aus aus diesem Grund hat Fulda sein Vetorecht eingelegt." Das hätte man besser aquch schon beim Emaillierwerk getan.

Die drei Bürgermeister heben hervor, dass man – "natürlich  mit Fulda in einem  Boot sitzend" – in der Außenwirkung und Außendarstellung gemeinsam auftreten und agieren müsse. "Wir erschließen Grundstücke gemeinsam, wir verkaufen Grundstücke gemeinsam, wir profitieren gemeinsam von den in einen Pott einlaufenden Erträgen", so Schwiddessen, der darauf verweist, dass Petersberg und Künzell "Eins-A-Gewerbelagen" und Eichenzell "der Standort für Logistik und High-Tech" seien. Davon profitiere Fulda ungemein, deshalb: "Wir müssen gemeinsam als Stadtregion auftreten – nicht zuletzt deshalb, um der hohen Erwartungshaltung gerecht zu werden."

Und dann kommt die erste große Bewährungsprobe, "der Präzedenzfall ,Sommerlad’ – und schon bröckelt der Zusammenhalt, bröselt die Gemeinsamkeit auseinander", wie es Meinecke ausdrückt.  "Das kann nicht sein, ihr solltet alle an einem Strang ziehen", gibt Künzells Bürgermeister die Stimmen zahlreicher Bürgerin seiner Gemeinde wieder.  Und nicht nur diese, die Bevölkerung der ge-samten Stadtregion, wäre nach Auffassung der drei Rathauschefs aus vorrangig dreierlei  Gründen besonders betroffen, sollte es nicht zu einer Realisierung des Sommerlad-Großprojekts kommen:  1. Ein alteingesessenes Familienunternehmen, seit 28 Jahren vor Ort, würde von der Bildfläche verschwinden.  2. Die gesamte Region würde an Kaufkraft verlieren, die Käufer-Bewegungen/-Ströme  in Richtung  Würzburg, Schweinfurt, Kassel oder Hanau abfließen. 3. Es wären zahlreiche Arbeitsplätze betroffen – die schon bestehenden rund 120 und die neu zu schaffenden bis zu 200.  Möglichen Ängsten, dass sich das Gewerbegebiet an der A7  innenstadt-relevant  und unkontrolliert weiter ausdehnen könnte, erteilen Meinecke, Schwiddessen und Kolb eine eindeutige Absage. "Weitere Neuansiedlungen  lässt schon allein der interkommunale Kooperationsvertrag nicht zu, in den jede Gemeinde maximal 20 Hektar einbringen kann.  Und mit Sommerlad wäre Ende im Gelände."

Wie wird das weitere Procedere aussehen? Nach Auffassung der  drei Gemeindeoberhäupter ist jetzt – mit dem Angebot des Fuldaer OB für die "Kaiserwiesen" – Unternehmer Frank Sommerlad wieder am Zuge. Der werde die Option und neuen Rahmenbedingungen prüfen. Passt es mit dem Zuschnitt des Geländes? Wie sieht die Verkehrsdichte aus? Gibt es weitere Knackpunkte?  "Die ,Kaiserwiesen’ sind maximal die zweitbeste Lösung und das ,Löhertor’ geht überhaupt  nicht. Dann kommt automatisch wieder  unser Gebiet in der Gemarkung Künzell unmittelbar an der Autobahn ins Gespräch", ist Meinecke überzeugt davon, das es "hierfür keine ernsthafte Alternative" gibt. "Zumal das Gelände dort wohlweislich aufgrund seiner optimalen Lage von Anfang an mit Bedacht gewählt wurde."Unterstützung könnte dabei von einer derzeit laufenden Verkehrsuntersuchung kommen. Das "Verkehrsmodell für die Stadtregion Fulda" soll bis Ende des Jahres vorliegen und dürfte nach Ansicht Schwiddessens untermauern, dass die Verkehrsfrequenz auf der B 27 in Höhe der "Kaiserwiesen" wohl ausgereizt sei und ein zusätzliches Verkehrsaufkommen durch "Sommerlad" nicht fassen und bewältigen könnte.

Nicht  zuletzt aufgrund dieses Aspekts und auch der Überprüfung der "Kaiserwiesen-Variante" durch "Sommerlad" ist ein zeitlicher Druck offenbar nicht mehr gegeben. Der ursprünglich für 5. Dezember angedachte finale Termin im Lenkungsausschuss des "Interkommunalen Gewerbegebiets" könne "ergebnisoffen" wahrgenommen werden, wie es Schwiddessen ausdrückt. Meinecke sagt, "wir haben eigentlich noch zwei Jahre Zeit zur endgültigen Realisierung des Projekts." Für das Künzeller Gemeindeoberhaupt ist es "die Bewährungsprobe schlechthin" in seiner langjährigen Amtszeit, "aber ich glaube, dass wir alle noch zu einer einvernehmlichen Lösung kommen können. Mit dem Angebot ,Kaiserwiesen’ ist die Chance für die A7 wieder gestiegen."

Schließlich sehen Kolb, Meinecke und Schwiddessen auch die hiesigen Repräsentanten in der Regionalversammlung in die Pflicht genommen, allen voran Fuldas Landrat Bernd Woide,  Dr.  Walter Arnold, Dr. Norbert Herr und Fuldas Stadtbaurätin Cornelia Zuschke – durch die Bank Interessenvertreter der gesamten Stadtregion, die bei einem möglichen "Abweichungsantrag" pro Sommerlad in der regionalen Planungsversammlung gefordert wären."Das Projekt ,Sommerlad’ an der Autobahn ist noch lange nicht gestorben", sagt Meinecke. "Wir sollten als gesamte Stadtregion zum Wohle von 100.000 Menschen auftreten", fordert Kolb. "Wir dürfen dem OB keinen Vorwurf machen und müssen seine Intention verstehen – er handelt im Sinne Fuldas", wirbt Schwiddessen um Verständnis. Um dann den Wunsch aller Drei zu formulieren: "Wir haben bald Weihnachten. Vielleicht machen wir uns ja alle mit ,Sommerlad’ an der Autobahnausfahrt Petersberg/Fulda Mitte ein schönes und großes Weihnachtsgeschenk. Und wenn es bis dahin nicht klappen sollte, dann bleibt auch danach noch genug Zeit für ein wesentliches und wichtiges Präsent."

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Polizeieinsatz in Großenlüder: 67-jährige Frau leblos in Wohnung gefunden

69-jähriger Ehemann im Krankenhaus / Hintergründe sind noch völlig unklar  
Polizeieinsatz in Großenlüder: 67-jährige Frau leblos in Wohnung gefunden

Hygieneauflagen nicht erfüllt: Zeltlager in einem Feriendorf bei Herbstein unterbunden

Vorschriften des Gesundheitsamtes Vogelsbergkreis vom Veranstalter nicht erfüllt
Hygieneauflagen nicht erfüllt: Zeltlager in einem Feriendorf bei Herbstein unterbunden

Ab 17. August in Hessen: Kostenfreie Corona-Tests für Erzieher und  Tagespflegepersonen

Angebot gilt bis zum 8. Oktober
Ab 17. August in Hessen: Kostenfreie Corona-Tests für Erzieher und  Tagespflegepersonen

Hochrangiger Marineoffizier vor NATO-Posten auf Heimatbesuch in Osthessen

Fregattenkapitän Christian Meister bei Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld
Hochrangiger Marineoffizier vor NATO-Posten auf Heimatbesuch in Osthessen

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.