"Wir sind stärker als je zuvor": "Fssq"-Vorsitzender Andreas Goerke im FA-Interview

Andreas Goerke, der Vorsitzende des Fuldaer Bündnisses „Fulda stellt sich quer“.
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Andreas Goerke, der Vorsitzende des Fuldaer Bündnisses „Fulda stellt sich quer“.

Andreas Goerke, der Vorsitzende des Fuldaer Bündnisses „Fulda stellt sich quer“, äußert sich zu Auflösungsgerücht und Plänen für die nächste Zeit.

Fulda. In Fulda gibt es derzeit ein Gerücht, dass das Bündnis „Fulda stellt sich quer“ kurz vor der Auflösung stünde. „Wir sind stärker als je zuvor“, so der Vereinsvorsitzende Andreas Goerke auf Nachfrage von „Fulda aktuell“. In der Vereinssatzung sei lediglich nach einer Online-Abstimmung im Mai geändert worden, dass das Vereinsvermögen im Falle einer Auflösung der „Anne-Frank-Stiftung“ mit Sitz in Frankfurt zufallen solle, nicht der „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“ (VVN-BdA), erläutert Goerke.

Auch die Gemeinnützigkeit von „Fulda stellt sich quer“ sei nicht in Gefahr. „Immer wieder stellen Rechtspopulisten wie Anton Josef Rummel oder Kräfte der AfD unsere Gemeinnützigkeit in Frage. Das zeigt uns, dass wir alles richtig machen und den Rechtspopulisten ein Dorn im Auge sind“, sagt der Vorsitzende. Der Verein sei aber so aufgestellt, dass er notfalls ohne Gemeinnützigkeit überleben könne. „Der Verlust der Gemeinnützigkeit bedeutet für jeden Verein enorme Schwierigkeiten. Für politische Vereine ist es wichtig, dass die demokratischen Parteien und demokratischen Politiker sehen, dass Antifaschismus und Antirassismus Grundlage der Demokratie ist und dass dies gemeinnützig ist“, so Goerke.

Der Verein hat am 1. August neue Räumlichkeiten in Fulda bezogen. „Wir haben uns während der letzten Monate neu aufgestellt und die inhaltlichen Schwerpunkte festgelegt. Wir werden dem Landkreis Fulda noch lange erhalten bleiben“, bekräftigt der Vorsitzende.

In den kommenden Monaten stehen laut Goerke mehrere Schwerpunkte in der Vereinsarbeit an. Einer davon sind Verschwörungstheorien, zu denen der Verein den Tübinger Wissenschaftler Michael Butter nach Fulda einlädt. Beim Thema religiöse Verschwörungstheorien wird eine Aussteigerin der „Zeugen Jehovas“ bei „Fulda stellt sich quer“ sprechen.

Eine Projektgruppe wird sich mit Fulda in den Jahren 1933 bis 1945 auf Spurensuche begeben. Auch will der Verein im kommenden Jahr eigene Stadtführungen zu „Orten des Grauens“ anbieten.

Ein weiteres Ziel von „Fulda stellt sich quer“ ist die Aufklärung über rechtsextreme und rechtspopulistische Strukturen im Landkreis Fulda. „Wir wollen in Publikationen darstellen welche Strukturen es im Landkreis Fulda gibt und wer dahinter steckt“, so Goerke. Dabei sollen die Ergebnisse jahrelanger Recherche veröffentlicht werden.

Eine weitere Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit antirassistischen Kinderbüchern. „Wir haben als Verein bereits eine eigene Bibliothek, diese wird ständig erweitert. In Kooperation mit Buchhandlungen und Buchverlagen wird es Lesungen und Beratungen für Kindergärten und Grundschulen geben“, sagt der Vorsitzende. Geleitet wird dieses Projekt von Cornelia Thiessen Westerhoff. Gemeinsam mit der Fuldaer Ortsgruppe „Omas gegen Rechts“ werde dieses Projekt aus Beratung, Expertise und Aktion bestehen.

„Und natürlich haben wir die Kommunalwahl im kommenden Jahr im Auge. „Unter dem Motto „Keine Rassisten und Rechtspopulisten in die Parlamente“ werden wir uns aktiv in den Wahlkampf einmischen. Wir wollen mit einem Themenkatalog und Aufklärung über die Inhalte der AfD oder den ehemaligen Republikanern um Rummel deutlich machen, dass diese Parteien nichts in unseren demokratischen Parlamenten zu suchen haben“, stellt Goerke klar.

Der Verein „Fulda stellt sich quer“ ist von der Hessen-SPD für den „Regine Hildebrand Preis“ vorgeschlagen worden. „Es wäre schön wenn wir diesen Preis nach Fulda holen“, sagt Goerke.

Bis zum fünften Geburtstag des Vereins hofft Goerke auf 200 Mitglieder. „Derzeit liegen wir bei 160 Mitgliedern.“ Außerdem sollen im Landkreis Fulda neue Ortsgruppen von „Fulda stelle sich quer“ gegründet werden. „Die ersten Strukturen sind im südlichen Kreisgebiet bereits geschaffen und in Hünfeld laufen die Vorbereitungen“, sagt der Vorsitzende.

„Unser größtes Ziel ist, dass die Dr. Danzebrink Straße umbenannt wird. Es ist für eine Stadt wie Fulda eine Schande, dass eine Straße nach einem NS-Oberbürgermeister benannt ist. Es ist eine Schande das ein Gemälde von Danzebrink ohne Erklärung in der Oberbürgermeistergalerie hängt, neben den Porträts von Dr. Wolfgang Hamberger und Alt-OB Gerhard Möller. Wir fordern das diese Straße in Pater Thaddäus Brunke Straße umbenannt wird. Brunke war Pater im Kloster Frauenberg und ist von den Nazis inhaftiert worden und im KZ Dachau gestorben“, so Goerke zu den Plänen und Ideen von „Fulda stellt sich quer“.

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