Wird aus der Rhön ein Nationalpark?

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Wird aus der Rhön ein Nationalpark?
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Engagiert bei "Unsere Rhön - gemeinsam stark": Werner Hohmann, Erwin Kruczek, Georg Scheuring, Sigrun Hohmann und Sebastian Vey (von links)

Bayern soll 9.000 Hektar beisteuern, Hessen 1.000 Hektar / Entscheidung könnte in Kürze getroffen werden  

Rhön - Soll aus der Rhön ein Nationalpark werden? An dieser Frage scheiden sich seit einiger Zeit die Geister, haben sich Befürworter („Bündnis Nationalpark Rhön“) und Gegner („Unsere Rhön – gemeinsam stark“) in Initiativen zusammengetan. Betroffen von Überlegungen sind mit geplanten 9.000 beziehungsweise 1.000 Hektar sowohl der bayerische als auch hessische Teil der Rhön.

Das Thema bewegt seit etwa einem Jahr die Region Bad Kissingen/Bad Neustadt und hat im Sommer 2017 nach einer Aussage des (noch) amtierenden bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer auch Hessen erfasst. Im Oktober fand eine Anhörung der Naturschutzverbände und -organisationen in Fulda statt. Zuletzt ließen Aussagen des designierten bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder aufhorchen, wonach nicht über die Köpfe der betroffenen Bevölkerung hinweg entschieden werden dürfe. Dennoch ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Gutachten

Anfang Dezember hatte ein Gutachten von Dr. Hubert Röder die Debatte weiter befeuert: Der Professor für Betriebswirtschaft nachwachsender Rohstoffe an der „Fachhochschule Triesdorf-Weihenstephan“ legte dabei seine Skepsis gegen den geplanten „Nationalpark Rhön“ dar. Seine Kernaussage: „Insgesamt erfüllen die ausgewählten Flächen in der Rhön nicht die Voraussetzungen zur Ausweisung oder zur Entwicklung eines Nationalparks. Die aktuellen naturschutzfachlichen Eigenschaften des Zielgebietes werden in der Kernzone eines Nationalparks negativ beeinflusst“.

Mitglieder der Bürgerinitiative „Unsere Rhön – gemeinsam stark“ hatten zudem ein Rechtsgutachten mit dem Titel „Rechtliche Hindernisse für eine Nationalparkausweisung in der Rhön“ vorgelegt. Die Verwaltungsrechtskanzlei „Baumann Rechtsanwälte Partnerschaftsgesellschaft mbB Würzburg/Leipzig“ kommt dabei zu dem Ergebnis, dass einem „Nationalpark Rhön“ im derzeit vorgesehenen Gebiet so viele gravierende rechtliche Hindernisse entgegen stehen, dass ein solcher Nationalpark wohl kaum den naturschutzrechtlichen Vorschriften entsprechend gestaltet werden könnte.

Infoabend am Dienstag

Die Initiative „Unsere Rhön – gemeinsam stark“ führt am Dienstagabend, 20. Februar, um 19.30 Uhr, im Bürgerhaus Wüstensachsen einen Informationsabend durch. Ziel sei die objekte Aufklärung, denn man lehne persönlichen Diffamierungen jeglicher Art, egal von welcher Seite, ab. Im Gegenteil: Man strebe ein konstruktives und friedvolles Zusammenleben in der gemeinsamen Heimat, der Rhön, an.

Erwin Kruczek, Georg Scheuring, Sebastian Vey sowie das Ehepaar Sigrun und Werner Hohmann – allesamt Mitglieder der Initiative – legten am Mittwochabend im Gespräch mit „Fulda aktuell“ ihre Vorstellungen dar. Danach würde die Ausweisung eines Nationalparks in der Rhön kurzfristig 545 und langfristig bis zum Jahr 2050 1117 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte im Cluster Forst und Holz gefährden. Dies wäre kurzfristig mit einem Rückgang der regionalen Umsätze von 28 Millionen Euro pro Jahr verbunden.

Das Ehepaar Hohmann führt am Ritterhof nahe Wüstensachsen einen landwirtschaftlichen Betrieb mit einem forstlichen Lohnunternehmen. „Wenn der Nationalpark kommt, dann ist unsere Existenz bedroht“, befürchten beide, zumal man Verantwortung auch für vier Beschäftigte trägt.

 Allgemein wird die Meinung vertreten, dass die Frage, ob es einen „Nationalpark Rhön“ geben könnte, eine politisch gelenkte Geschichte ist. Kruczek: „Alleine die Bezeichnung ,Nationalpark’ hat etwas Verniedlichendes an sich und gaukelt eine friedliche Idylle vor, so dass hier Menschen Sand in die Augen gestreut wird“. Die Mitglieder von „Unsere Rhön – gemeinsam stark“ betonen auch, dass man „nicht nur dagegen ist, sondern wir uns im Gegenteil auch Gedanken über Alternativen und darüber machen, was in Richtung Regionalentwicklung noch mehr getan werden könnte“.

Allerdings müsse erlaubt sein, dass man seine Bedenken äußere. Gerade vor dem Hintergrund, „als dass ein Nationalpark in der Rhön einfach nicht passt“. Und noch eine Befürchtung plagt die Engagierten: Sollte sich der Landtag in Bayern gegen das Projekt entscheiden, könnte es durchaus sein, dass das Land Hessen dann allein federführend sein und einen Nationalpark umsetzen wolle: 4000 Hektar seien hier schon im Gespräch. Daher müsse man auch weiterhin äußerst wachsam sein, so die Überzeugung.

Klartext zum "Nationalpark"-Thema von Bertram Lenz

Wir leben in einer Zeit, in der sich der Einzelne im Kleinen immer mehr einer Politik im Großen ausgeliefert fühlt, deren Vertreter – gleich welcher Couleur – scheinbar nur noch das machen, was ihnen gerade einfällt oder in den Kram passt. Kaum überraschen kann es daher, dass in immer mehr Gebilden unseres staatlichen Gemeinwesens der Widerstand gegen für unsinnig erachtete Projekte beziehungsweise nachteilige Entwicklungen wächst.

Folgende Beispiele mögen dies belegen: „Unsere Rhön – gemeinsam stark“ nennt sich eine breite hessisch-bayerische Initiative von Landwirten, Forstleuten, Gewerbetreibenden, Jägern, kommunalen Vertretern, Verbänden, Vereinen und Einzelpersonen, die sich gegen den Plan wenden, dass aus der Rhön ein Nationalpark wird. Insbesondere aus dem Grunde, weil die nachhaltige Erzeugung und die Versorgung mit Holz als ökologischem Werkstoff und regenerativem Energieträger aus Rhöner Wäldern erhalten bleiben müsse.

Die Entscheidung, ob ein solches Gebilde (das nur auf den ersten Blick durchaus seinen Reiz besitzt) realisiert wird, steht wohl unmittelbar bevor: Die Bayern sollen eine Fläche von rund 9.000 Hektar Wald einbringen, Hessen 1.000 Hektar. Eigentlich sollte bereits im Herbst darüber Klarheit bestehen, ob nun aus der Rhön ein Nationalpark wird oder aber aus den Donau-Auen. Für die Verzögerung werden – und das völlig zu Recht! – die lange Zeit unsicheren politischen Verhältnisse in München angeführt.

Der künftige bayerische Ministerpräsident Markus Söder aber hatte vor Kurzem den Gegnern des Projekts Hoffnung gemacht, indem er sagte, man könne einen „Nationalpark“ nicht gegen den Willen der Bevölkerung durchsetzen. Denn auch die hessischen Waldbauern haben sich – nicht zuletzt aus Sorge um Arbeitsplätze – inzwischen klar positioniert. Und auch ein aktuelles Gutachten spricht sich dagegen aus: Aus naturschutzfachlicher Sicht seien durch einen Nationalpark keine positiven Entwicklungen zu erwarten. Im Gegenteil, erst durch nachhaltige naturnahe Forstwirtschaft mit integriertem Naturschutz werde es gelingen, eine multifunktionelle Vielfalt zu schaffen.

Fakt ist, dass die Pro- und Contra-Argumente genau abgewogen werden müssen. Dies wiederum erfordert einen langen Prozess und keine Ad-hoc-Entscheidung. Denn gerade auch die Belange des Tourismus müssen in ein solches Votum einfließen, weshalb es höchste Zeit und sehr richtig ist, das Projekt nun endlich auch auf der hessischen Seite des „Biosphärenreservats Rhön“ verstärkt zu debattieren. Eine Hoheit über die Meinungsdeutung sollte nicht nur Bayern überlassen werden, zumal man sich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass das Ganze längst zum Spielball handfester politischer Interessen geworden ist.

Und wie sich die Widerstands-Bilder gleichen, denn ein zweites ermutigendes Zeichen kommt aus dem Vogelsberg: Auch hier wenden sich immer mehr Kommunen, Verbände, Vereine und Einzelpersonen gegen den Ausverkauf ihres Grundwassers und engagieren sich für einen nachhaltigen Umgang. Offenbar wird immer klarer erkannt, dass sowohl der Klimawandel als auch die Forderungen aus dem Rhein-Main-Gebiet nach mehr Grundwasser unweigerlich in einen Raubbau am Naturgut Wasser münden, wenn nicht klar gegengesteuert wird.

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