Was wird aus der Theologischen Fakultät Fulda?

Ungewisse Zukunft: Seit einiger Zeit sorgen öffentlich geführte Debatten für Aufregung.

Fulda - Im Jahr 1805 gegründet, genießt die „Theologische Fakultät Fulda“ mit ihrem weiteren Standort, dem „Katholisch-Theologischen Seminar“ in Marburg, einen exzellenten Ruf, der weit über die Grenzen des Bistums hinausgeht. Von hoher Bedeutung ist auch die Bibliothek des „Bischöflichen Priesterseminars“, die zugleich die Hauptbibliothek der Fakultät ist. Seit einiger Zeit jedoch sorgen öffentlich geführte Debatten für Aufgeregtheit, wonach vor dem Hintergrund von Sparmaßnahmen – besonders wegen der anhaltend sinkenden Zahl an Studierenden – die Zukunft der Fakultät in Frage gestellt sei. Eine Arbeitsgruppe der „Deutschen Bischofskonferenz“, der auch Fuldas Bischof Dr. Michael Gerber angehört, entwickelt seit Längerem Strategien, wie es generell mit der Priesterausbildung weitergehen soll. Gerber hatte in der „Herder Korrespondenz“ folgende Aussage formuliert: In einer Zeit voller Umbrüche und Sprünge müsse die Kirche „selbst bereit sein zu springen“.

Bei der Organisation der Priesterausbildung müsse es darum gehen, dass die Geistlichen wichtige Kompetenzen erwerben – und nicht darum, Standorte zu verteidigen. Eine Möglichkeit könnte sein, dass das Studium bundesweit auf Mainz, Münster und München konzentriert wird. Dies würde das Aus für die Fuldaer Fakultät bedeuten. Bistumssprecher Robert Eberle zufolge ist dem Bischof „die Zukunft der ,Theologischen Fakultät Fulda‘ ein wichtiges Anliegen“. Dazu dienten Gespräche bereits vor seiner Amtseinführung sowie der Besuch mit dem Rektor und dem Prorektor bei der „Vatikanischen Bildungskongregation“ Mitte Mai 2019. Vor dem Hintergrund der in Deutschland insgesamt rückläufigen Zahlen – sowohl von Priesteramtskandidaten als auch von Theologiestudierenden allgemein – führe Gerber derzeit auf unterschiedlichen Ebenen viele Gespräche: Auf der Ebene der Bischofskonferenz und auch vor Ort mit Vertretern der Fakultät und des Priesterseminars. Ziel sei, die komplexe Lage zu sondieren und mögliche Optionen auszuloten, die sich daraus (auch für die Zukunft der Standorte Fulda und Marburg) ergeben könnten. Für diese Gespräche sei Vertraulichkeit vereinbart. „Fulda aktuell“ hat Bischof Gerber verschiedene Fragen zu dem Themenkomplex zukommen lassen, die sein Sprecher Eberle beantwortet hat.

FULDA AKTUELL: Wird beim diesjährigen Treffen der Deutschen Katholischen Bischöfe ab dem kommenden Montag in Fulda eine Entscheidung bezüglich der „Theologischen Fakultät Fulda“ fallen beziehungsweise steht die Thematik auf der Tagesordnung?

BISTUM FULDA: Nein, denn solch konkrete Fragen („Entscheidung bezüglich der Theologischen Fakultät Fulda“) werden aktuell nicht beraten und deshalb auch nicht entschieden.

FA: Wie bewertet Bischof Gerber generell die Zukunft der „Theologischen Fakultät Fulda“?

BISTUM: Die Aufgabe von Bischof Dr. Michael Gerber besteht nicht darin, „generelle Bewertungen“ zu Zukunftsperspektiven von Fakultäten abzugeben. Er engagiert sich (bundesweit) für eine möglichst optimale Ausbildung künftiger Priester, Pastoralreferenten, Religionslehrer etc.: Sie müssen bestmöglich auf die Herausforderungen von Gegenwart und Zukunft vorbereitet werden!

FA: Gibt es aktuelle Zahlen darüber, wie viele Seminaristen derzeit in Fulda ausgebildet werden?

BISTUM: In der Priesterausbildung des Bistums Fulda sind derzeit insgesamt sechs Kandidaten für die eigene Diözese. Zudem gibt es fünf weitere Priesterkandidaten, die aus Bistümern im Ausland stammen und nach dem akademischen Abschluss in ihre Heimat (Kongo, Ukraine und Rumänien) zurückkehren.

FA: Gesetzt den Fall, die „Theologische Fakultät Fulda“ würde geschlossen und das Studium auf München, Münster oder Mainz konzentriert: Was gäbe es a) mit dem Gebäude und b) mit der Bibliothek des „Bischöflichen Priesterseminars“?

BISTUM: Da sich diese Szenarien aktuell so nicht stellen, gibt es derzeit auch keine konkreten Überlegungen oder Pläne für eine weitere Nutzung. Zum Hintergrund: Das „Bischöfliche Priesterseminar“ ist ja auch derzeit schon nicht nur Priesterseminar, sondern Gäste- und Begegnungsort des Bistums mit Tagungsräumen und Übernachtungskapazitäten, die nicht nur vom Priesterseminar genutzt werden, sondern beispielsweise von der „Deutschen Bischofskonferenz“, Gremien des Bistums etc.). „Priesterausbildung“ ist also schon jetzt nur ein Nutzungsaspekt in der Immobilie „Priesterseminar“ … Und (unabhängig davon, wie sich Perspektiven weiterentwickeln …) auch künftig wird das Bistum Fulda eine Diözesanbibliothek brauchen. Zum Bewahren und Aufbereiten des umfangreichen Schrifttums seit Gründung der Abtei im 8. Jahrhundert.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Norbert Müller aus Rothemann bastelt Vogelhäuschen für den guten Zweck

Kreative Vogelhäuschen und Blumenkästen bringen 1.150 Euro für Pater Heribert Müller
Norbert Müller aus Rothemann bastelt Vogelhäuschen für den guten Zweck

Steigende Corona-Infektionszahlen im Landkreis Fulda: Landrat kündigt Maßnahmen an

Woide spricht von "Allgemeinverfügung", die vorbereitet werde
Steigende Corona-Infektionszahlen im Landkreis Fulda: Landrat kündigt Maßnahmen an

Jonas Schindelmann ist der neue evangelische Pfarrer in der Rhön

Der Vorstellungsgottesdienst wird am Reformationstag um 17 Uhr in der Kirche St. Georg in Hettenhausen stattfinden.
Jonas Schindelmann ist der neue evangelische Pfarrer in der Rhön

Fuldaer Kitas und Bürgerbüro vom heutigen Warnstreik betroffen

Auswirkungen des Warnstreiks im Öffentlichen Dienst am heutigen Mittwoch
Fuldaer Kitas und Bürgerbüro vom heutigen Warnstreik betroffen

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.