Wirtschafts-Ethik

Fulda. Schon Tradition hat der Unternehmerabend im Fuldaer Autohaus Sorg - wie auch die Anwesenheit hochkartiger Referenten. Nach Astronaut Ulf

Fulda. Schon Tradition hat der Unternehmerabend im Fuldaer Autohaus Sorg - wie auch die Anwesenheit hochkartiger Referenten. Nach Astronaut Ulf Merbold im vergangenen Herbst sprach diesmal Prof. Dr. Wolfgang Bernhardt zu rund 300 Vertretern aus Wirtschaft, Politik, Gesellschaft, Kirche und zu Geschftskunden der Sorg-Gruppe. Das Thema des Aufsichtsratsvorsitzenden der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, aktueller denn je und nicht ohne Brisanz: Wirtschaftkrisen und Wirtschaftsethik".

Ist das Wort von der, eigentlich den Wirtschaftskrisen noch zeitgem, oder sind die Jahre 2008/09 schon wieder vergessen?", fragte Bernhardt zu Beginn seines Referates. Wir sollten nach den Ursachen fragen, sonst knnte sich Alles ganz schnell wiederholen." Die Folgelasten freilich wren vom Steuerzahler nicht zu schultern. Ich frchte, der Grundton meines Vortrages wird skeptischer und pessimistischer ausfallen, als Sie erwarten."

Der Honorarprofessor an der Universitt Leipzig nannte zu den unterschiedlichsten Stichworten und mit Hilfe von vielfach in Vergessenheit geratenenen Bauernregeln" alte Weisheiten, die auch in der heutigen Zeit als Grundlage fr ein verantwortungsbewutes Wirtschaften gelten knnten.

Stichwort Konjunktur: Die Bume wachsen nicht in den Himmel. Auf sieben fette folgen sieben magere Jahre, das stehe schon im Alten Testament. Bernhardt: Es konnte nicht nur aufwrts gehen."

Stichwort Liquiditt: Spare in der Zeit, dann hast du in der Not.

Stichwort Finanzinstrumentarien: Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht. Viele haben auf toxische Papiere gesetzt, die das Nichts verbrieften", so Professor Bernhardt. Es schien Manna zu regnen, und die Rattenfnger hatten es leicht, zum Tanz ums Goldene Kalb aufzufordern." Das Leben sei kein Spiel und schon gar kein Monopoly.

Stichworte konomie und Mathematik: Komplexe Formeln sollten es richten, doch die Wirtschaft sei keine Chemie oder Mathematiik. Die Wirtschaft, das sind Menschen mit einer eigenen lebenswirklichkeit." Vielfach sei in der Krise der gesunde Menschenverstand ausgeblendet worden.

Stichwort Vorstandsprinzip: Viele Banken seien auf kurzfristige Gewinne ausgerichtet gewesen, die Gehlter der Vorstnde immer steiler gestiegen. Bernhardt: Ein perverses Verhalten auf der oberen und mittleren Management-Ebene hat die Spirale immer weiter nach unten gedreht." Gleichwohl habe die Politik kein Recht, jetzt im Nachhinein als Sittenwchter und Moralapostel aufzutreten, frei dem Motto: Haltet den Dieb. Auch die Staatsbetriebe, wie DB, Telekom und Post seien nicht moralischer aufgetreten.

Stichworte Mastbe und Mrchen: Alles nach Ma und Ziel, diese Redensart wurde in Zeiten der Geldvermehrung" schnell aufgegeben. Stattdessen: Tischlein deck' dich, Goldesel streck' dich. Wolfgang Bernhardt: Irgendwann kam dann der Knppel aus dem Sack. Jetzt ist und bleibt der Schaden gro, die freie und soziale Marktwirtschaft ist schwer in Misskredit geraten. Eine Ethik der Migung scheint nicht in eine moderne Welt zu passen. "

Die Lsungsanstze des Referenten - auch wenn die Vorzeichen nichts Gutes verhieen, das Geld nach wie vor locker sitze, die Boni fr die Banker fast schon wieder auf altem Niveau seien, die Hedge-Fonds schon wieder in den Startlchern stnden, die Vernunft national wie international erneut nach- und eine Vorsorge fr die Zukunft auf sich warten lasse: Es gilt zur Ordnung, zu geordneten Verhltnissen zurckzukehren. Was wir brauchen ist eine Wirtschaftsethik, die von Zurckhaltung, Augenma und Anstand gekennzeichnet ist, einen vernnftigen, sachbezogenen und sozialen Ordnungs markt. Eine bloe Um-Etikettierung der Wirtschafts-Ethik biete keinen Anreiz fr eine grundlegende Korrektur in der Gesinnung, die Widersprche zwischen Markt und Moral seien nach wie vor gegeben, zumal auch die meisten Wirtschaftkonomen und die Politiker nichts oder nur wenig aus der Krise gelernt htten. Professor Bernhardts eher pessimistisches Resmee: Die Vorzeichen verheien nichts Gutes!"

Womit er eher nachdenkliche Gesichter zurcklie. Gleichwohl er vielen Firmenchefs und Unternehmern aus der Seele gesprochen haben drfete, wie Dr. Klaus Sorg in seinem Schlusswort konstatierte. Der Vortrag von Prof. Bernhardt sei im Prinzip eine Liebeserklrung an die Wirtschafts-Ethik" gewesen und eine Aufforderung an die Betriebe, auf diesen Aspekt wieder mehr Wert zu legen. Gerade hierin liege eines der Geheimisse der Wirtschaftsregion Fulda begrndet, in der in den vielen mittelstndischen Familienbetrieben eben diese Werte gelebt wrden.

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