Wohnungslos in Fulda: In  Notunterkünften und mit Hilfsangeboten existieren

Die 46-jährige Sandra ist seit vielen Jahren wohnungslos. Nach dem Tod ihrer Eltern konnte sie das Elternhaus nicht halten.

Fulda. Die Weihnachtszeit bedeutet für die meisten Menschen Freude und Gemeinsamkeit. Man schmückt das Heim und macht es sich in der kalten Zeit in den eigenen vier Wänden gemütlich. Genießt ein Essen mit der Familie und Freunden, tauscht Geschenke und singt gemeinsam Lieder unter dem festlich geschmückten Weihnachtsbaum. Das sind die Pläne der meisten Menschen in Deutschland, doch für Einige bedeutet Weihnachten Einsamkeit und Kälte.

Für viele Wohnunglose ist das Betteln an der Straße eine Möglichkeit, über die Runden zu kommen. 

Schätzungsweise 860.000 Menschen sind in Deutschland wohnungslos. Diese Zahl veröffentlichte die „Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe“ kurz „BAG W“. Diese Zahl gilt für das Jahr 2016. Zum Jahr 2014 stieg die Anzahl von Wohnungslosen um 150 Prozent – Tendenz steigend. 103 Personen sind der Stadt Fulda als Wohnunglose bekannt. 43 Personen sind derzeit in städtische Obdachlosenunterkünfte eingewiesen, 60 Personen in regulären Wohnraum von Wohnungsbaugesellschaften. „Genaue Angaben oder Zahlen zu Personen, die sich in Verschlägen, Parks, unter Brücken oder an anderen Örtlichkeiten aufhalten, sind nicht bekannt“, so Johannes Heller, Pressesprecher der Stadt Fulda. Eine der 103 Wohnungslosen in Fulda ist Sandra. Die 46-Jährige lebt zurzeit in einer Notunterkunft in der „Alten Kaserne“. Sandra wurde nach dem Tod ihrer Mutter psychisch krank. Konnte ihrer Arbeit als Telefonistin nicht mehr nachgehen. „Ich hätte nie gedacht, dass ich hier mal lande“, erzählt sie der „Fulda aktuell“-Redaktion beim Treffen in der „Bahnhofsmission“. „Eine Freundin hat mich mitgebracht und jetzt komme ich häufiger auf einen Kaffee.“ Nach dem Tod des Vaters konnte sie das Elternhaus nicht mehr halten. „Mein Bruder hatte ein eigenes Haus, konnte mir nicht helfen. So musste ich es verkaufen. Irgendwie ging da was schief.“ Sandra landete in einer Notunterkunft der „Caritas“ und danach in einer „Art betreutem Wohnen“. „Dort musste ich vor 1,5 Jahren raus und jetzt wohne ich wieder in einer Notunterkunft.“ Mit dem Bruder ist sie zerstritten, auch der Rest der Familie „macht sein eigenes Ding“. Das Leben in der Notunterkunft sei nicht angenehm, „aber ich bin froh, dass ich Hilfe bekomme“, so die 46-Jährige. In Fulda gibt es insgesamt drei Gebäude, die als Obdachlosenunterkünfte dienen. Insgesamt können dort 60 Personen übernachten. „Im städtischen Übernachtungsheim (für Durchreisende beziehungsweise Nichtsesshafte) stehen insgesamt elf Schlafplätze zur Verfügung. Davon sind acht für Männer und drei für Frauen. Die Zahl der Übernachtungen beläuft sich in den letzten Jahren konstant auf rund 625 pro Kalenderjahr“, so Heller.

Durch diverse Angebote wird auch in den kalten Monaten für durchgehender Zugang zu beheizten Räumen gewährleistet. „Die Infrastruktur der sozialen Einrichtungen ist sehr gut“, erklärt der Pressesprecher.

Auch Sandra nimmt die Hilfe an. Besucht das Hilfsangebot der „Caritas“, um wieder selbst auf die Beinen zu kommen. „Mit der Notunterkunfts-Adresse ist es gar nicht so einfach“, erklärt sie. Für das kommende Jahr hat sie sich vorgenommen, eine eigene Wohnung zu finden und auch eine neuer Job soll ihr wieder einen geregelten Alltag bescheren. „Ein Ein-Euro-Job wäre schon mal ein Anfang“, erzählt sie. Zurzeit besteht ihr Alltag aus Besuchen bei Freunden und gemeinsame Zeit mit ihren Mitbewohnern in der Unterkunft. „Einige sind wirklich nett dort. Von anderen halte ich mich lieber fern“, berichtet Sandra weiter. Angst habe sie dennoch nicht, als Frau allein. Normalerweise verbringt sie Weihnachten immer bei der „Caritas“-Weihnachtsfeier. Dieses Jahr hat Sandra etwas ganz besonderes vor. „Ich bin bei einer Freundin eingeladen und verbringe dort die Festtage “, freut sie sich schon.

Die Hauptsache ist, an diesen Tagen nicht allein zu sein. Diesen Wunsch teilt sie wohl mit den mindestens 102 anderen Wohnungslosen in Fulda.

Zwischenruf von Christopher Göbel: Für andere da sein

Weihnachten ist das Fest der Familie. Doch was ist mit denjenigen, die keine Familie haben? Weihnachten auf der Straße – das ist für mich eine unvorstellbare Sache. Und doch gibt es diejenigen, die im kalten Winter kein festes Zuhause haben, keine Familie, keine Freunde. In zahlreichen Weihnachtsfilmen ist es oft der Obdachlose, der Einsame, der Ungeliebte, der durch verschiedene Umstände in eine heile Weihnachtsfamilienwelt kommt, der aufgenommen und integriert wird.

Im echten Leben passiert das wohl eher selten. Aber dennoch gibt es Menschen, die sich auch an Heiligabend und den Weihnachtsfeiertagen um Obdachlose und Einsame kümmern, mit ihnen feiern, sie zu einer warmen Mahlzeit und einem Getränk einladen. Die „Bahnhofsmission“, die „Caritas“ oder Kirchen sind diejenigen, die an Heiligabend ihre Zeit für diejenigen einsetzen, die keine Heimat haben. Diesen Einsatz, der oft ehrenamtlich erfolgt, möchte ich an dieser Stelle ehren. Ich bin im Sinne derjenigen, die es brauchen, froh und glücklich, dass es diese hilfreichen Menschen gibt. Man bekommt auch etwas zurück. Vor vielen Jahren habe ich mit einem Freund eine Weihnachtsfeier der „Bahnhofsmission“ meiner Heimatstadt mitgestaltet. Mit Querflöte und Klavier haben wir Weihnachtslieder gespielt und mit den Obdachlosen gesungen. Es tat mir damals – ich war noch keine 20 Jahre alt – gut, das Wissen zu haben, anderen den Heiligabend ein wenig verschönert zu haben. Dieses Gefühl müssen auch alle Helfer haben, die sich für andere Einsetzen und einfach da sind, wo sie gebraucht werden. In diesem Sinne: Fröhliche Weihnachten!

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