Dr. Wolfgang Hamberger: Ein Fuldaer aus Leidenschaft

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Während des Hessentages 1990 in Fulda.                                   

Gespräch mit dem früheren Fuldaer Oberbürgermeister, der am Dienstag 90 Jahre alt wird 

Fulda - An das erste Mal, als er mit Fulda in Kontakt kam – jener Stadt, deren Verwaltung er später 28 Jahre lang als Oberbürgermeister leiten sollte – kann sich Dr. Wolfgang Hamberger noch sehr gut erinnern: „Das war 1949, zum 30-jährigen Bestehen des ‚Bundes Neudeutschland‘, einem Verband der katholischen Jugendbewegung, dem ich angehörte. In der Fuldaaue war eine Zeltstadt errichtet worden, und ich bin mit Freunden von Bensheim per Rad gekommen“. Damals gab es auch den ersten Besuch am Grab des Heiligen Bonifatius; ein Ereignis, das Hamberger sehr eindrücklich in seinem Buch „Mit meinen Augen – 11.000 Tage für eine Stadt“ geschildert hat.

Der in Bensheim an der Bergstraße geborene Hamberger wird am Dienstag, 25. August, 90 Jahre alt. Die Stadt Fulda würdigt ihren Ehrenbürger am Nachmittag mit einem Empfang im Fürstensaal. Aus Anlass des Geburtstages stand Hamberger der „Fulda aktuell“-Redaktion für ein Gespräch zur Verfügung, das sich nicht nur um kommunalpolitische Themen drehte.

Wenn der leidenschaftliche Kämpfer für die Interessen „seiner Stadt“ heute über die Ereignisse vor vielen Jahren spricht, dann überrascht er, wie auch bei anderen Gesprächsinhalten, durch enorme Detailkenntnis und hohes Engagement. Die ihm letztendlich zunutze kamen, um Projekte zu realisieren, von denen Fulda noch heute profitiert: Neubau des Klinikums, Industriegebiet Fulda-West, Sanierung der Unterstadt, Etablierung als ICE-Bahnhof und die daraus resultierende Bedeutung als Tagungs- und Kongressstandort.

Als vorweggenommenes Fazit lässt sich festhalten, dass Hamberger „stolz ist auf diese Stadt und froh, dass ich hier wirken und viele Ideen verwirklichen konnte, für die ich immer eine Mehrheit gefunden habe“. Und er erwähnt den Generalverkehrsplan, der Fulda eigentlich zu einer autogerechten Stadt hatte machen sollen. Die Tatsache, dass es nicht dazu gekommen ist, bewertet der CDU-Politiker auch in der Rückschau als einen seiner großen Erfolge. Denn wäre dieser Plan realisiert worden, „dann hätte Fulda sein Gesicht, seine einmalige Atmosphäre, verloren“. Es sei vielmehr darum gegangen, eine „menschengerechte Stadt“ zu schaffen.

Der Ehrenbürger Fuldas erinnert sich an die Überzeugungsarbeit, die in puncto Generalverkehrsplan geleistet werden musste. Schließlich wurde die ursprüngliche Konzeption zurückgezogen und Fulda konnte sich weiter zu dieser „lebenswerten und liebenswerten Stadt“ entwickeln, „der mit ihrer Historie ein großes Los ins Nest gelegt worden ist“ (Hamberger).

Stützen konnte sich der zweifache Familienvater zum einen auf „Mitarbeiter mit Sachverstand und Sensibilität, die im Umgang mit Menschen geübt waren “, zum anderen auf seine Ehefrau Liselotte, die im Mai 2019 im Alter von 82 Jahren verstarb. Sie war unter anderem Schirmherrin des „Müttergenesungswerks“ in Fulda und brachte sich mit viel Engagement auch in die Arbeit katholischer Institutionen ein, weil es ihr ein Herzensanliegen war.

Hamberger, der eigentlich Arzt hatte werden wollen, studierte nach bestandenem Abitur Volkswirtschaftslehre an der „Johann Wolfgang Goethe-Universität“ in Frankfurt und an der „Ruprecht-Karls-Universität“ in Heidelberg mit dem Abschluss als Diplom-Verwaltungswirt (FH). und bewarb sich anschließend erfolgreich für ein sechsmonatiges Stipendiat an der „Case Western Reserve University“ in Cleveland/Ohio. In diesem Aufenthalt fußt auch seine enge Bindung an die USA, die sich später im Ausbau der deutsch-amerikanischen Freundschaft manifestierte. „Die Basis freilich ist durch die Lektüre der Karl -May-Bände als Jugendlicher gelegt worden“, erinnert sich Hamberger, der nach dem Aufenthalt in den USA in leitender Funktion in der Versicherungswirtschaft beschäftigt war.

Nebenbei, bei voller Berufstätigkeit und zwei kleinen Kindern, studierte er in Heidelberg Politische Wissenschaften, kam 1968 als persönlicher Referent des damaligen OB Dr. Alfred Dregger nach Fulda, um 1970 zunächst zum hauptamtlichen Bürgermeister gewählt zu werden. Und gleich mit dem heiklen Thema der Gebietsreform konfrontiert wurde. Das ihm neben massivem Ärger letztlich Erfolg, Achtung und Anerkennung eintrug.

Dass Hamberger gerade während seiner Amtszeit auch sehr den Kontakt zu früheren jüdischen Bürgern Fuldas suchte und sich für den Erhalt des Gebäudes der ehemaligen jüdischen Schule einsetzte, liegt auch in seinem „sehr liebevollen Elternhaus“ begründet, in dem er und sein Bruder zu Toleranz und zur Achtung andersgläubiger Menschen erzogen wurden.

Wenn die Rede auf 2023 kommt, wenn Fulda wieder eine Landesgartenschau ausrichtet, dann erinnert sich Hamberger daran, wie er gemeinsam mit einem Arbeitskreis durch ganz Deutschland gereist ist, um sich Anregungen für die erste hessische ,Landesgartenschau‘ zu holen, die dann 1994 in der Barockstadt veranstaltet wurde. „Als ich dann in Wiesbaden eine Förderung beantragt habe, hieß es, dass im Haushalt kein Ansatz dafür vorhanden sei. Da habe ich mich an den früheren hessischen Umweltminister Joschka Fischer von den Grünen mit Bitte um Unterstützung gewandt. Der versprach zu helfen, wenn er bei der Einweihung des ,Umweltzentrums‘ mit dabei sein dürfe. Und das war er dann ja auch“. Viele hätten das „Umweltzentrum“ damals für ein „totgeborenes Kind“ gehalten, und heute sei es für Hessen in dieser Form einmalig.

„Grünen Ideen“ übrigens war Hamberger nie abgeneigt, denn er hat früh verstanden, dass Menschen eine gesunde Natur und Umwelt brauchen. Heute noch unterstützt er beispielsweise „Fridays for Future“ und hat auch schon des Öfteren mit demonstriert.

Am Ende des Gesprächs gesteht er ein, dass es durchaus Angebote für andere Positionen gegeben habe: Unter anderem als Regierungspräsident, als Landrat sowie auf Ratschlag von Hanna Walz als Abgeordneter im Europaparlament. Abgelehnt habe er all diese Offerten stets, weil es zu wenig zum Gestalten gab, stattdessen zu viel Verwaltung, zu viel Bürokratie und zu wenig Kontakt mit den Menschen.

Dass er, der 1998 an seinem 68. Geburtstag aus dem OB-Amt scheiden musste, gerne weitergemacht hätte, daraus hat Hamberger nie einen Hehl gemacht. Denn, so bilanzierte er einst: „Ich habe meine Arbeit gern gemacht“.

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