„Wunderschöner Beruf“: Uhrmachermeister Markus Müller führt die Innung

Uhrmachermeister Markus Müller ist seit 25 Jahren Obermeister der „Fachinnung Uhren, Schmuck und Zeitmesstechnik Fulda-Kassel“ und zugleich stolz auf seinen Betrieb.
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Uhrmachermeister Markus Müller ist seit 25 Jahren Obermeister der „Fachinnung Uhren, Schmuck und Zeitmesstechnik Fulda-Kassel“ und zugleich stolz auf seinen Betrieb.

Markus Müller ist seit 25 Jahren Obermeister der „Fachinnung Uhren, Schmuck und Zeitmesstechnik Fulda-Kassel“.

Fulda. Wenn jemand wie Markus Müller seit 25 Jahren Obermeister der „Fachinnung Uhren, Schmuck und Zeitmesstechnik Fulda-Kassel“ ist, dann weiß er Einiges zu erzählen. Nicht nur über die aktuelle Situation in seiner Innung, sondern auch jede Menge spannender und zugleich faszinierende Dinge aus seinem Unternehmen „Juwelier Meister Müller“, das einst Vater Josef 1952 in der Barockstadt gegründet hat. Übrigens in der Karlstraße 28, wo sich der Firmensitz noch heute befindet.

Ursprünglich hatte es zwei Fachinnungen – Fulda und Kassel – gegeben, bis letztere vor gut drei Jahren von der Auflösung bedroht gewesen war. Um diesen Schritt zu vermeiden, entschlossen sich die Nordhessen zur Fusion mit Fulda. „Es herrscht ein partnerschaftliches Miteinander“, betont Uhrmachermeister Müller gegenüber „Fulda aktuell“. Auch der Prozess des Fusionierens sei kein „Sich-Einverleiben“ gewesen. Dies komme auch dadurch zum Ausdruck, dass eine seiner Stellvertreterinnen die Goldschmiedemeisterin Pia Hartmann aus Fulda, sein anderer Stellvertreter Ulf Stracke, Goldschmiedemeister und Juwelier aus Bad Arolsen, sei.

Der Innung gehören derzeit 19 Mitgliedsunternehmen an, denen eine Tatsache Sorgen bereitet: Der Nachwuchs fehlt. Dies wird daran deutlich, dass es im gesamten Innungsbezirk derzeit nur einen einzigen Auszubildenden gibt – und zwar in Fulda bei „Juwelier Meister Müller“. Der Chef: „Ausbildung hat Tradition in unserem Hause. Denn bereits 1954 hat mein Vater den ersten Uhrmacherlehrling eingestellt, dem noch viele folgen sollten“. Ausbildungs-Situation Müller-Azubi Johannes macht gerade seine Gesellenprüfung, und wenn man bedenkt, dass es in ganz Hessen insgesamt nur vier junge Leute gibt, die im traditionellen Uhrmacherhandwerk ausgebildet werden, wird klar, dass die Situation prekär ist. Auch wenn es noch einige in der „Industrie“ gibt, die auch die Uhrmacherschule Berufsschule) in Würzburg besuchen.

Für Markus Müller jedenfalls ist das Uhrmacherhandwerk „ein wunderschöner Beruf“. Hauptvoraussetzung, diesen zu ergreifen, sei zumindest ein guter Realschulabschluss mit Schwerpunkt Mathematik und Physik, „um sich die komplexen Zusammenhänge eines Uhrwerks begreifbar zu machen“. Die Corona-Pandemie habe ihr Übriges dazu beigetragen, dass man keine Chance hatte, einen neuen Azubi zu bekommen. Derzeit sind übrigens neben Müller und seiner Ehefrau Gudrun noch drei Kundenberaterinnen, ein Uhrmachermeister Juniorchef Antonio Müller) und eben der Auszubildende im Geschäft in der Karlstraße tätig.

Eine Ausbildung dauert drei Jahre, und der Ausbildungsbetrieb muss – so hat Müller hochgerechnet – pro Monat etwa 3.600 Euro in die Nachwuchskraft investieren. „Vielen Unternehmen fällt es schwer, dies leisten zu können“, sagt der 64-Jährige und hofft darauf, dass der Beruf bald die Anerkennung findet, die ihm gebührt. Nicht umsonst gehöre das Uhrmacherhandwerk zum immateriellen Kulturgut der „Unesco“. Höchste Präzision Müller, der das Geschäft am 1. Februar 1993 übernommen hatte, nachdem er schon seit 1974 mitgearbeitet hatte, ist glücklich auf die Produktpalette.

Einen hoch interessanten Einblick kann man auf der Homepage des Unternehmens bekommen. Da heißt es unter anderem: „Die hier gezeigten Uhren sind nicht Swiss Made, nicht aus Glashütte, auch nicht aus dem Schwarzwald und erst recht nicht aus Asien – Antonio Müller baut seine Uhren in einer nicht ganz normalen Uhrmacher Meisterwerkstatt eines traditionellen Familienbetriebs in Fulda, mitten in Deutschland“. Die „Meisterwerke“ und das Meisterstück von Antonio haben eine gemeinsame Seele – den Anspruch an höchste Präzision. Alle „Josef Müller Söhne-Uhren“ der Serie „Meisterwerke“ entstehen in der Werkstatt in Fulda. Ganz individuell, trägt jedes Werk die persönliche „Handschrift“ von Antonio. Sein bisher kompliziertestes Werk ist eine selbst konstruierte und von Hand angefertigte Armbanduhr mit fliegendem Tourbillon. Da heißt es: „Nur anschauen, nicht anfassen!“

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