Zeichen der Freundschaft „DAFKS“-Chef Jäger im Gespräch über seinen Verein

Winfried Jäger, hier in seinem Fuldaer „Blackhorse Museum“ ist der Kopf des „DAFKS“. Im Interview spricht er unter anderem über den Freundschafts-Verein, Sport, Pläne und den US-Präsidenten.
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Winfried Jäger, hier in seinem Fuldaer „Blackhorse Museum“ ist der Kopf des „DAFKS“. Im Interview spricht er unter anderem über den Freundschafts-Verein, Sport, Pläne und den US-Präsidenten.

Winfried Jäger ist der Kopf des „DAFKS“. Im Interview spricht er unter anderem über den Freundschafts-Verein, Sport, Pläne und den US-Präsidenten.

Fulda - Der „DAFKS“, ausgeschrieben „Deutsch-Amerikanischer Freundschafts-, Kultur- und Sportverein KONTAKT Fulda“, ist heute eine Institution, die im Jahr 1963 in Fulda gegründet wurde. „Entstanden ist das aus der Idee, die jungen US-Soldaten, die in Fulda, Wildflecken und Bad Hersfeld stationiert waren, mit der hiesigen Bevölkerung in Kontakt zu bringen“, sagt Winfried Jäger, der seit 1987 Präsident des Vereins ist, im Gespräch mit „Fulda aktuell“.

„Wenn man es so sieht, dann haben wir bereits vor 50 Jahren mit der Integrationsarbeit begonnen“, sagt er stolz. Kurz nach der Grenzöffnung zur damaligen DDR stand für die Vereinsmitglieder 1991 fest, dass die Vereinsarbeit trotz des Abzugs der Amerikaner in 1993 fortgeführt werden sollte. Zum damaligen Zeitpunkt hatte der Verein 70 Mitglieder, je zur Hälfte Deutsche und Amerikaner. Heute hat der Verein 502 Mitglieder. „Wir mussten allerdings darüber nachdenken, ob ein deutsch-amerikanischer Freundschaftsverein ohne Amerikaner überhaupt noch nötig sei“, sagt Jäger.

Sport als Hauptaufgabe

Im Laufe der Jahre baute der Verein sein Tätigkeitsfeld aus und engagierte sich vor allem auf dem sportlichen und dem kulturellen Sektor. „Wir eröffneten das ,Blackhorse Musuem Fulda‘, in dem rund 50 Jahre Geschichte der amerikanischen Stationierung in Fulda, Bad Hersfeld und Wildflecken präsentiert wird. Wir haben auch viele Besucher aus den USA, die in unser Museum in der Ernst-Barlach-Straße 6 kommen“, so der Präsident.

Der „DAFKS“ hat sich auch der Einführung amerikanischer Sportarten in Osthessen auf die Fahnen geschrieben. Neben Basketball, Futsal und Cheerleading begann alles mit „Streetball-Mitternachtsturnieren“, die aufgrund der zunehmenden Beliebtheit zunächst nicht mehr vom Verein organisiert werden konnten. Cricket war das nächste, was der „DAFKS“ in Fulda etablierte. „Unsere 25 ,Fulda Knightriders‘ spielen heute im Liga-Betrieb.

Während der Saison bedeutet das, dass wir an den Wochenenden ins Rhein-Main-Gebiet fahren müssen, da Cricket in der näheren Umgebung nicht gespielt wird“, so Jäger. Derzeit sei man daran, ein Jugend- und ein Damenteam aufzubauen. Im vergangenen Jahr hatte der Verein deshalb die Deutsche Damen-Cricket-Nationalmannschaft zu Gast, die auch in 2020 nach Fulda kommen will. Auf dem Sportplatz Münsterfeld hat der Verein ein 25x3 Meter großes Cricketfeld gebaut. Die „Fulda Knightriders“ spielen in der ersten Bundesliga. Beim Cheerleading, den „DAFKS Iron Cheers“, gibt es unterschiedliche Gruppen, darunter auch eine integrative.

Shaquille O‘Neal

Auch Basketball wird beim „DAFKS“ groß geschrieben. Die A-Mannschaft spielt in der Landesliga Hessen-Nord und die Jugendmannschaft MU-18 ist in der Bezirksliga derzeit auf dem ersten Platz. „Wir haben mehrere Kinder- und Jugendteams und auch eines für Menschen, die ohne sportlichen Druck Basketball spielen möchten, so etwas wie ,alte Herren‘ beim Fußball“, so der Präsident, der einer von drei Sportcoaches der Stadt Fulda ist. Der US-Basketballer Shaquille O‘Neal wuchs teilweise in Osthessen auf. Er ging in Fulda zur Schule, weil sein Stiefvater als US-Sergeant einige Jahre in Wildflecken stationiert war. Hier machte er seine ersten Schritte auf dem Weg zur Basketball-Karriere.

Fußball wird beim „DAFKS“ in Kooperation mit dem „Malteser Hilfsdienst“ gespielt. „In den Mannschaften haben wir viele Flüchtlinge und Menschen mit Migrationshintergrund“, sagt Jäger. Die „Fulda Eagles“ in der Sportart Futsal (Hallenfußball) spielen in der Verbandsliga Hessen. „Auch hier finden die Auswärtsspiele meistens im Rhein-Main-Gebiet statt“, sagt der Präsident. „Futsal spielen bei uns viele Menschen aus dem Iran, Afghanistan und afrikanischen Ländern.“

„Ultimate Frisbee“ in Kooperation mit der „Hochschule Fulda“ und Rehabilitationssport in Zusammenarbeit mit der „Interessengemeinschaft barrierefreies Fulda“ (IGbFD) gehören ebenfalls zum Portfolio des „DAFKS“. ;Beim American Football arbeiten wir gerade daran, ein neues Team aufzubauen“, erzählt Jäger. Zahlreiche Informationen zum Mitmachen finden sich auf der Webseite des Vereins unter www.dafks.de im Internet.

Der „DAFKS“ hat im Laufe de Jahre 62 Preise für seine Arbeit verliehen bekommen. Darunter zweimal den Integrationspreis der Stadt Fulda, Preise der Hessischen Sportjugend und auch Preise aus den USA. „Die Preisgelder sind ein Teil der Finanzierung unserer Arbeit“, so Jäger. Außerdem seien die „DAFKS“- Flohmärkte ein wichtiger Teil der Finanzierung. „Der Überschuss von den Märkten wird re-investiert“.

Über das Jahr verteilt organisiert der „DAFKS“ verschiedene Feste, unter anderem das „Deutsch-amerikanischen Country- und Truckerfestival“, das in diesem Jahr vom 3. bis 5. Juli in Fulda geplant ist. „Besser keine Politik“ „Wir als Verein halten uns aus der Politik weitgehend heraus“, sagt der Präsident. Dennoch denkt er, dass das Impeachment-Verfahren zur Amtsenthebung Donald Trumps „eine Chance“ sei. Jäger geht allerdings davon aus, dass der nächste US-Präsident derselbe sein wird wie der bisherige. „Es gibt in den USA viele Leute, die den toll finden. Seine Präsidentschaft hat die deutsch-amerikanische Freundschaft beschädigt“, so Jäger. Der Fokus des Vereins liege dennoch weiterhin auf dem sportlichen Sektor.

„US Army Memorial Street“

Das „Blackhorse Museum“ in Fulda wird mit tatkräftiger Unterstützung von Vereinsmitgliedern stetig ausgebaut. Es ist von montags bis freitags von 9 bis 15 Uhr geöffnet. „An Wochenenden und Feiertagen haben wir geschlossen, da wir dann fast immer auf sportlich unterwegs sind“, so Jäger, der seine Arbeit als pensionierter Beamter ehrenamtlich macht. Und er hat neue Pläne: Er möchte eine Art „Museumsstraße“ entlang aller US-Standorte während des Kalten Krieges durch Westdeutschland initiieren. „Touristen, die beispielsweise aus den USA kommen, hätten dann die Möglichkeit, entlang dieser Route unser Land zu erkunden.“ Vorbilder seien die „D-Day-Straße“ in Frankreich oder deutsche Tourismusrouten wie die „Deutsche Fachwerkstraße“. „US Army Memorial Street“ könnte sich der „DAFKS“-Präsident als Name für seine Idee vorstellen.

ZWISCHENRUF: Einsatz für Menschen

Von Christopher Göbel

Freundschaft und Völkerverständigung sind die wichtigsten Elemente für Frieden auf unserer Welt. Was Winfried Jäger und der „DAFKS“ seit über 50 Jahren in und für die Region geschaffen haben, sucht seinesgleichen. Was mit der Integration der hier stationierten US-Amerikaner begann, ist heute ein „melting pot“ von Menschen unterschiedlicher Nationen und sozialer Schichten. Integration ist das Schlüsselwort, mit dem Jäger und der Verein Menschen zusammenbringen.

Sport ist (neben Kultur) ein nahezu perfektes Instrument, um Gemeinschaftsgefühl zu stärken und Teamgeist entstehen zu lassen. Für Osthessen ist es ebenfalls prima, dass der „DAFKS“ dabei gemäß der Gründungsidee amerikanische Sportarten im Portfolio hat. Die Vielfalt der Angebote zieht Menschen an, die vielleicht nicht den „typischen“ Sportarten frönen wollen.

Durch einige meiner „Facebook“-Freunde weiß ich, dass auch heute noch Verbindungen zwischen den ehemals in Fulda und Bad Hersfeld stationierten Familien und Einheimischen bestehen, die auch durch den zwischen ihnen liegenden Atlantik nicht zerbrochen sind.

Oft sehe ich alte Fotos aus meiner Heimatstadt, die heute in Amerika lebende Menschen posten, darunter beispielsweise die McPheeters Barracks, den einstigen Standort in Bad Hersfeld. Wenn ich den Kommentaren darunter folge, so erinnern sich die „Amis“ gerne an ihre Zeit in Deutschland. Die Gründungsidee des „DAFKS“, nämlich die Integration ausländischer Menschen, steht auch heute noch im Fokus der Arbeit, die Erfolge auf sportlicher Ebene sind dabei das i-Tüpfelchen.

Zahlreiche Preise für Integrationsarbeit zählen mindestens genauso viel. Alle Vereine leben von einem Vorsitzenden, der mit Herzblut bei der Sache ist und andere Menschen mitreißen kann. Dass Vereinsarbeit zum allergrößten Teil ehrenamtlich ist, kann man somit im wahrsten Sinne des Wortes als „ehrenhaft“ bezeichnen.

Jäger ist beim „DAFKS“ der Motor, der antreibt und in Schwung hält, der immer neue Ideen hat und der auch die Energie hat, seine Ziele zu erreichen. Und der sich für andere Menschen einsetzt. Danke dafür!

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