Zeitung macht Schule Teil 3: Entwicklunghilfe hat in Afrika wenig Erfolg

von Hans GerhardtKünzell. Obwohl es seit etwa 1960 die Bestrebung gibt, die Entwicklungsunterschiede zwischen Europa und Afrika auszugleichen, hat es

von Hans Gerhardt

Künzell.Obwohl es seit etwa 1960 die Bestrebung gibt, die Entwicklungsunterschiede zwischen Europa und Afrika auszugleichen, hat es in über fünfzig Jahren noch keinen durchschlagenden Erfolg gegeben. Die Situation in Afrika sieht immer noch oder gerade heute so aus, als müsste Afrika ewig Hilfen erhalten. Jeder muss zugeben, dass die Gleichung "mehr Geld = mehr Hilfe" nicht aufgeht. Falsche Hilfe macht Afrika abhängig von den Industrienationen. Durch Millionen-, manchmal Milliardenschulden erstickt Afrika an den Zinsen, durch ständig neue Kredite im Rahmen der Entwicklungshilfe sieht die Politik Afrikas aber keinen akuten Handlungsbedarf.

Erhalten afrikanische Eliten immer wieder Kredite, führt das zu einer Festigung der Strukturen. Diktatur, Korruption und Gewalt werden durch die Billigkredite des Westens legitimiert. Die Superreichen Afrikas werden unterstützt, während die Bevölkerung leer ausgeht. Da die Hilfen eine Umverteilung des Geldes der Armen aus den reichen Ländern an die Reichen aus den armen Ländern seien, fordern einige afrikanische Finanzexperten und Journalisten (unter anderem James Shikwati und Andrew Mwenda), dass die afrikanischen  Herrscher nicht weiter unterstützt werden. Ohne die Hilfe müssten sie auf anderen Wegen zu Geld kommen, Handel ermöglichen und Steuern fordern. Weil sie nicht mit freier Marktwirtschaft vereinbar sind, erhoffen sich die Journalisten, dass sich die Diktaturen dann nicht länger halten können.

Solange es in Afrika Diktatur und Korruption gibt, kann man sich ziemlich sicher sein, dass die Hilfe, die man an die Staaten Afrikas zahlt, nicht in der Bevölkerung ankommt. Deshalb gilt heute, dass erfolgreiche Entwicklungshilfe an "Good Governance" gebunden ist. "Good Governance" bedeutet, dass die Regierungsführung am Gemeinwohl orientiert ist, Partizipation und Transparenz existieren und die Menschenrechte eingehalten werden. Europa hat im Laufe der letzten vierzig Jahre viel zu viel geschenkt. Es ist falsch, Afrika dort zu helfen, wo es selbst etwas tun könnte. Geschenke, die nicht gebraucht werden, werden nicht wertgeschätzt und nicht instand gehalten. Wenn ein von Europa gebautes Krankenhaus marode wird, zerfällt, wird es von Europa wieder aufgebaut. In dieser Kette ist kein Platz für Afrika, Eigenverantwortung zu übernehmen. Wie soll es die Anstrengungen Afrikas stärken, wenn wir Wasserleitungen, Straßen und Energieversorgung aufbauen? Die Einheimischen können sich vielmehr zurücklehnen und sich freuen, dass alles zu ihrer größten Zufriedenheit ausgeführt wird. Wie soll Afrika sich selbst entwickeln, wenn Europa das für Afrika tun will?

Kurzfristige Hilfen bringen keine langfristigen Verbesserungen. So kann man kein Hungerproblem lösen, indem man jährlich Millionen Säcke mit Reis und Mais schenkt. Das heißt natürlich nicht, dass man solche Hilfen sofort stoppen darf. Aber um das Hungerproblem in Afrika zu lösen, muss man die Hilfen an die Bereitschaft binden, Hungersnöte künftig zu verhindern. Viele Nichtregierungsorganisationen setzen heute auf die "Hilfe zur Selbsthilfe". Die Nehmer übernehmen dabei die Verantwortung für die Planung und Durchführung sowie die langfristige Betreuung eines Projektes und benötigen im Idealfall nur noch wenige materielle Hilfen.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Fünfjähriges Kind in Kita Wüstensachsen positiv auf Corona getestet

15 Kinder und zwei Erzieherinnen der Kindertagesstätte Wüstensachsen in häuslicher Quarantäne
Fünfjähriges Kind in Kita Wüstensachsen positiv auf Corona getestet

Amtsgericht: Angeklagte filmen an Demenz erkrankte Bewohner

Am heutigen Montagmorgen standen zwei junge Frauen, wegen des Verdachts der Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen, vor Gericht in Fulda.
Amtsgericht: Angeklagte filmen an Demenz erkrankte Bewohner

Vorfall am Fuldaer Aschenberg: Mann schießt sich selbst in die Hand

Polizei hatte nach zwei Unbekannten gefahndet / Beziehungsstreit als Auslöser
Vorfall am Fuldaer Aschenberg: Mann schießt sich selbst in die Hand

Maschendrahtzaun auf 14 Metern Länge in Rasdorf beschädigt

Laut Polizei muss es sich bei dem verursachenden Wagen um einen dunkelblauen Audi handeln 
Maschendrahtzaun auf 14 Metern Länge in Rasdorf beschädigt

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.