Zerstört Windkraft die Natur? OB Dr. Heiko Wingenfeld sieht geplanten Standort für Anlage kritisch

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Am Donnerstagabend wurde im Vereinszentrum Johannesberg über das Thema Windkraftanlagen im Gieseler Forst.

 Fulda - „Keiner ist hier gegen die Energiewende. Auch wir wollen unseren Strom umweltfreundlicher machen. Aber nicht zu jedem Preis.“ Mit diesen Worten eröffnet Timo von Keitz vom „Heimatverein Harmerz“ die Informationsveranstaltung zum Bau von Windkraftanlagen im Gieseler Forst am Donnerstagabend im „Vereinszentrum Johannesberg“. Der Projektierer „Abo Wind“ hat geplant acht Windkraftanlagen im Gieseler Forst zu errichten. Grund dafür ist laut der „Abo Wind“: „Die Windenergie ist an geeigneten Standorten wirtschaftlich. Diese befinden sich auf exponierten Hochflächen, Kuppen und Höhenzügen , da hier genug Wind weht. Die Höhenzüge sind aber meistens bewaldet. Aus diesem Grund ist es vor allem in den südlicheren Bundesländern wirtschaftlich sinnvoll, Windenergieanlagen auch im Wald zu errichten.“ Auch ökologisch sei Windenergie im Wald sinnvoll.

In die Natur eingreifen, um die Umwelt zu retten? „Der Eingriff in die Natur kann dank moderner Technik und der komplexen Genehmigungsverfahren minimiert werden. So benötigen unsere Windkraftanlagen im Wald nach heutigem Stand rund 0,8 Hektar Fläche, davon 0,3 Hektar nur vorübergehend“, so die Aussage von Lene Fritsch, Mitarbeiterin der Firma „Abo Wind“. Auch die Wildtiere würden sich schnell an die Windkraftanlagen gewöhnen und schon einige Wochen nach Inbetriebnahme würden sie sich wieder genauso wie vor dem Bau der Windräder verhalten. So die Aussage des Projektierers.

Der Kreisbeauftragte der Vogelschutzwarte in Fulda, Lothar Herzig, sieht das anders. „Es gibt Beobachtungen, dass die Tiere sich massiv von den Windkraftanlagen gestört fühlen“, so der Experte für Vogelschutz. 90 Prozent der Waldschnepfen, die auch im Gebiet des geplanten Windparks zu finden ist, sollen laut Herzig, nach Bau einer Windkraftanlage ihr Brutrevier verlassen. Ebenso seien weitere Tiere vom Bau von Windkraftanlagen im Gieseler Forst bedroht. Drei Fledermausarten (Kleiner Abendsegler, Großes Mausohr und Zwergfledermaus) sind in diesem Waldgebiet beheimatet und seien einem hohen Tötungsrisiko ausgesetzt. Aber auch der Rotmilan, Schwarz- und Weiß-Störche seien bei einer Kartierung gesichtet worden. „Wir müssen diese Tiere schützen“, so Herzig. Dieser Meinung ist auch Reinhard Kolb von der „Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz“ (HGON). Gemeinsam mit dem ortskundigen Winfried Krönung hatte Kolb sich auf den Weg gemacht, um den Gieseler Forst im Bereich der Nippelskuppe zu erkunden. „Seit gestern geht es mir schlecht. Ich bin in großer Sorge um diese schöne Natur“, so Kolb. Die ersten Arbeiten der Firma „Abo Wind“ finden bereits statt. Bäume würden gefällt werden, Bodenproben genommen und Gebiete abgesteckt. „Die Maschine läuft schon. Eigentlich müssten wir einen Kabinettsbeschluss verhindern“, so Kolb und appelliert gleichzeitig an Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld, der sich unter den Zuhörer befindet: „Heiko, du hast immer ein offenes Ohr für die Anliegen der ,HGON’. Wir brauchen jetzt die Kommunalpolitiker. Der Gieseler Forst muss unangetastet bleiben.“

„Leider haben wir schon viele Tierarten verloren, daher muss genau geprüft werden. welche Arten im Gieseler Forst beheimatet sind“, so Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld. Bereits 2015 habe die Stadt Fulda große Bedenken im Blick auf den Denkmalschutz zum Standort Gieseler Forst geäußert. Der Fünf-Kilometer-Radius zur „Propstei Johannesberg“ ist nur ein Gesichtspunkt, der dem Oberbürgermeister „große Sorgen“ bereitet. Auch der Schutz der alten Heerstraße ist ein wichtiger Punkt. „Die alte Heerstraße ist ein historisches Denkmal, denn sie war nicht nur Weg für die Heere, sondern ist auch eine sehr alte Handelsstraße“, so Wingenfeld. „Windkraft ist da gut wo sie sinnvoll ist. Ob sie im Gieseler Forst sinn macht sieht die Stadt Fulda kritisch“, meint das Stadtoberhaupt abschließend und verspricht: „Ich werde persönlich das Thema mit Stadtbaurat Daniel Schreiner und Bürgermeister Dag Wehner begleiten.“

„Wir hoffen, dass wir die Genehmigung der Windkraftanlagen verhindern können“, so Eva-Maria Gutberlet von der neugegründeten BI „Windstille Fuldaer Westen“. Gemeinsam mit Timo von Keitz und Georg Herget hat sie den Bedarf einer eigenen Bürgerinitiative gegen die Windkraftanlagen gesehen. „Wenn wir uns nicht für unsere Region einsetzten, wer dann?“ , fragt Gutberlet die über 150 Anwesenden. „Wir müssen dieses Projekt aufhalten“, fordert Gutberlet, die bereits seit einigen Jahren in der „Windstille Neuhof“ und der Initiative „Vernunftkraft“ tätig ist. Beide Initiativen versprechen der neugegründeten BI ihre Unterstützung.

Wolfgang Kress von der BI „Windstille Neuhof“ meint: „Jedes Windrad in diesem Wald ist eins zu viel.“ Und merkt noch an: „Wir brauchen jetzt die politische Unterstützung. Die Politik brauch uns auch mal zum Beispiel bei der Wahl im September.“ „Am Dienstag hat ein Gutachter bei einer Infoveranstaltung in Eichenzell das Gutachten einer von der Gemeinde beauftragen Firma zum Thema Schredder zerlegt“, merkt Jörg Klar von der „Vernuftkraft“ an. „Solche Gutachten kosten eben viel Geld, daher brauchen wir viele Hände gegen diese Windkraftanlagen“, so Klar weiter. Er kämpft schon seit Jahren gegen die Errichtung von Windparks in Wäldern. Und konnte auch in Dammersbach einen kleinen Teilerfolg , nämlich die Reduzierung der Windkraftanlagen verbuchen.

Wer sich der Initiative „Windstille Fuldaer Westen“ anschließen möchte kann am 23. Mai um 20 Uhr in das Bürgerhaus Harmerz kommen. Dort wird die erste Zusammenkunft der BI statt finden. „wir freuen uns auf Eure Unterstützung“, so Gutberlet.

„Abo Wind“ wird am 28. Juni von 17 bis 20 Uhr eine Infomesse im Gemeindezentrum Neuhof veranstalten. „Wir werden auch dabei sein und den Besucher unsere Sicht der Dinge erklären“, so Kress.

Bisher hat „Abo Wind“ noch keinen Genehmigungsantrag zum Bau der acht Windkraftanlagen im Gieseler Forst gestellt. Das bestätigt das Regierungspräsidium Kassel auf Nachfrage von „Fulda aktuell“. Es bleibt abzuwarten, ob der Kampf gegen die Windkrafträder im Gieseler Forst gewonnen werden kann.

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