Das Ziel: Kein Chaos mehr im Schulbus und an den Haltestellen

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Fulda/Neuhof. Zweitägiges "Bus-Training" der "Kreisverkehrswacht Fulda".

Fulda/Neuhof. Knapp 80 Schüler der Vorklassen und aus den ersten Klassen wissen jetzt, wie man sicher mit dem Bus zur Schule kommt und wie man sich an der Schulbushaltestelle verhält. Sie haben am Bus-Training der Kreisverkehrswacht Fulda teilgenommen.

Es wurde schon in den Klassen geflüstert, heute findet was ganz Tolles statt, aber Genaues wusste Sophie auch nicht. Im Musikraum begann es morgens um 08:30 Uhr für zwei Klassen, mit dem Videofilm "Kein Chaos mehr im Schulbus". Die Verkehrsbeauftrage Lehrerin Frau Irene Echtermeyer und Gerhard Brink, Moderator der Kreisverkehrswacht Fulda besprachen gemeinsam mit den Kindern die Gefahren. Die Kinder sollten erklären, welche gefährliche Situation in Film zu sehen ist und wie man diese Gefahren vermeiden könnte.

Erschrocken waren die Schüler, als eine schulkindgroße Puppe von einem in die Haltestelle einfahrenden Bus angefahren und heftig umgestoßen wurde, obwohl der Dummy auf dem Bürgersteig stand. Nach dem theoretischen Teil bekam jede Schülerin und jeder Schüler von der Schulleiterin, Frau Ingrid Baumann, eine vom ADAC gesponserte Warnweste überreicht. Die Schüler zogen diese sofort über und versprachen, diese Weste immer auf dem Schulweg anzuziehen.Nun ging es in die Praxis an die Schulbushaltestelle. Die Schüler der beiden Klassen hatten ihre Ranzen schon neben sich abgestellt und warteten auf den Schulbus. Frau Echtermeyer erklärte die Schulregeln und den jeweiligen Aufstellplatz der Busschüler.  Der Moderator der Kreisverkehrswacht verstand es geschickt die Kinder neugierig zu machen, welche Gefahren an einer Bushaltestelle drohen, was alles gefährlich werden kann.

Die Kinder erinnerten sich an den Film und konnten das Gesehene gleich in die Wirklichkeit umsetzen.

Acht rot-weiße Leitkegel und ein roter Feuerwehrschlauch markierten die Bordsteinkante an der Bushaltestelle."Was passiert, wenn der Schulbus in die sehr enge Haltestelle einfährt, und ich dicht am Bordstein stehe?", fragte Gerhard Brink die Schüler. Während des Durchsprechens der Gefahrensituation erschraken die Kinder, als der sich nähernde Schulbus mit dem vorderen Kotflügel fast einen Meter in den Gehweg hinein schwenkte und dem Moderator, der dicht an der Bordsteinkante stand, immer näher kam. Leya aus der 1. Klasse rief erschrocken: "Pass auf! Der Bus!" Aber der Warnruf kam zu spät, der Moderator wurde von hinten vom Bus leicht angefahren und nach vorne geschubst, obwohl der Bus ganz langsam in die Haltestellenbucht einfuhr. Jetzt begriffen alle Schüler: Man muss mindestens zwei große Schritte von der Bordstein-kante entfernt  stehen und immer zum einfahrenden Bus hinschauen.  Dass das Einsteigen in den Bus länger dauert, wenn gedrängelt wird, war eine weitere Erfahrung, die die Kinder während des Bustrainings selbst erlebten.

Gerhard Brink von der Verkehrswacht machte mit den Kindern ein Spiel: Die Kinder der Vorklasse  mussten  sich in einer Reihe hintereinander aufstellen und wenn das Kommando kommt, zügig vorne in den Bus einsteigen und sich sofort hinsetzen. Die Schüler der ersten Klasse dagegen stellten sich in einem Pulk wild durcheinander hin und sollten dann hinten einsteigen.  Alle Schüler hielten ihren Schulranzen in der Hand.

Die Klassenlehrerin Annette Gies gab das Kommando: "Auf die Plätze, fertig los!" Das Spiel begann. Am hinteren Buseinstieg wurde es gleich sehr laut und hektisch. Es wurde gedrängelt und gedrückt. Die beiden Lehrerinnen stoppten die benötigte Zeit. Die Klasse der ruhigen, sich korrekt verhaltenden Schulkinder benötigten nur achtunddreißig Sekunden, bis alle saßen. Die Klasse der Schubser und Drängler brauchten mehr als doppelt so lang, nämlich fast neunzig Sekunden.Die Klassenlehrerin Kerstin Schade kommentierte: "Unglaublich Kinder, die Stoppuhr beweist es: Drängeln macht Stress und das Einsteigen dauert viel viel länger!"

Die Kinder erfuhren auch, warum lauter Lärm im Bus gefährlich ist und warum der Busfahrer sich deshalb nicht so gut auf den Straßenverkehr konzentrieren kann. Auch lernten sie, dass nur der Sitzplatz der sicherste Platz im Bus ist und dass Herumlaufen während der Fahrt sehr gefährlich ist. Viele Schüler, die vorne in den Bus einstiegen, begrüßten mit einem freundlichen "Hallo" den Busfahrer und andere mit einem netten "Guten Morgen". Die Schüler erkannten im Rollenspiel,  dass schon ein bisschen Freundlichkeit, vieles leichter macht und Stress abbaut.

Wie unberechenbar eine Busfahrt werden kann, zeigte die nächste Demonstration. Mit Tempo 20 Km/h befuhr der Bus die Straßen rund um die Schule. Die mitfahrenden Lehrerinnen standen im Mittelgang und hielten sich mit beiden Händen fest. Plötzlich und ohne Ankündigung führte der Bus ein starkes Ausweichmanöver nach links durch. Kinder und Erwachsene kippten zuerst nach links und dann wieder zurück. "verrückt", meinte Jakob, "Ich hab‘ mich doch ganz fest gehalten und bin doch auf den Sitz gekippt!" Alle Kinder mussten sich wieder setzen, denn jetzt sollte der Busfahrer eine stärkere Bremsung aus Tempo 20 Km/h durchführen. Keiner der Schüler wusste, wann die Bremsung erfolgt. Im Mittelgang standen unser "Neuhöfer Dummy": ein Wasserkasten und ein schwerer Schulranzen.Alle Kinder saßen gespannt in den Sitzen und hielten sich mit beiden Händen fest. Plötzlich bremste der Fahrer. Der Wasserkasten rutschte mehrere Meter nach vorne, der Ranzen kippte um. "Ihr seht", sagte der Moderator zu den staunenden Kindern, "nur der Sitzplatz ist der sicherste Platz im Bus. Wer stehen muss, weil alle Sitzplätze mit Schülern besetzt sind, muss sich während der ge-samten Fahrt an den Haltegriffen festhalten. Am sichersten mit beiden Händen! Ansonsten ergeht es euch so, wie dem Ranzen, ihr fallt um!"

Was ist ein "toter Winkel"?Gerhard Brink verblüffte  die Kinder: "Wetten, dass ich eine ganze Klasse neben dem Bus ver-stecken kann, ohne dass der Busfahrer die Kinder sieht?" Anfangs zweifelten viele, weil der Bus ja so viele Rückspiegel hat.Die Kinder begriffen und erkannten bei dieser Spielszene, warum der "tote" Winkel so gefährlich sein kann.Die Verkehrsbeauftragte der Schule, Frau Irene Echtermeyer, fasste zusammen und erklärte:"Die Schüler haben viel erlebt, viel gelernt und hoffentlich auch viel behalten!"

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