Zukunft ungewiss: „Leist – Sonne – Engel“ in Hilders musste schließen

Sohn Björn gerade noch mit einem "Michelin-Stern" ausgezeichnet, war am Ersten Advent Schluss für die Familie Leist in Hilders.

Hilders - Mehr als 100 Jahre dauert(e) die Unternehmensgeschichte von „Leist – Sonne – Engel“ in Hilders. Gemeinsam mit Vater Ludwig und Bruder Bastian ist Björn Leist einer der Geschäftsführer des Unternehmens, das ein Hotel, ein Spitzenrestaurant und eine Metzgerei betreibt. Vor zwei Jahren musste das Unternehmen Insolvenz anmelden. Der Zukauf und die Renovierung des „Hotel Engel“ hatte hohe Kosten verursacht.

Post in sozialem Netzwerk

Das Unternehmen stellte sich neu auf – doch wie sich nun zeigt –, leider ohne Erfolg. Denn am vergangenen Wochenende scheint nun erst einmal Schluss zu sein, denn per „Facebook“-Post teilte die Familie mit, dass Hotel und Restaurants mit sofortiger Wirkung geschlossen seien: „Wir verlassen schweren Herzens nach über 100 Jahren Hilders. Alle, die mit uns einen Teil des Weges zusammen bestritten haben, wissen, dass wir alles getan haben, diese Tradition zu leben und weiterzuführen. Leider wird es uns in der gegenwärtigen Situation unmöglich gemacht. Wir mussten jeden Tag damit rechnen, aber nun ist es soweit: kurzfristig, emotional, nicht wirklich weihnachtlich. Vielen Dank für euer Verständnis, das wir alle bestehenden Reservierungen für die Weihnachtszeit, Silvester und Winter zurücknehmen müssen“, lautet die emotionale Botschaft. Derzeit sei das Unternehmen auf der Suche nach einem „Asyl“, denn das Haus habe kurzfristig geräumt werden müssen.

Die Internetseite von Hotel, Restaurant und Metzgerei ist seit Sonntag aus dem Netz genommen und auch bei diversen Reiseveranstaltern ist „Leist – Sonne – Engel“ bereits aus dem Angebot genommen worden.

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Jedes Ende ist auch ein Anfang"

„Jedes Ende ist auch ein Anfang! Und wer uns kennt, weiß, warum der Ox unser Wappentier ist. Sturheit, Wille und Ausdauer sind uns gemein. Wir werden uns also Wiedersehen. Wie, wo und wann erfahrt in den nächsten Tagen und Wochen auf der Homepage. Wir halten euch über unser ,Asylverfahren’ auf dem Laufenden“, heißt es weiter.

„Und noch etwas: Keine Angst! Der LeistStyle ist nicht an Mauern gebunden! Genuss, Gastfreundschaft, Herzlichkeit, Heimatliebe und Freude an ehrlichen Dingen stehen und fallen, wie bei jedem guten Handwerk, mit den dazugehörigen Menschen. Und wir sind wir! Da oder dort“. Unterschrieben ist der „Facebook“-Post von Michelle und Björn, Bastian und Ludwig und dem gesamten Team der „Rhöner Botschaft“.

Statement des Hilderser Bürgermeisters

„Diese schlechte Nachricht hat uns sehr überrascht“, sagte der Hilderser Bürgermeister Hubert Blum gegenüber „Fulda aktuell“. „Wir wussten seit Jahren von den finanziellen Schwierigkeiten, aber dass es so schnell passiert, war mir nicht klar“, so Blum. Für die Gemeinde Hilders bedeute dies einen „schmerzlichen Wegfall von Übernachtungen“ und auch das verlorene Angebot der gehobenen Gastronomie sei „sehr bedauerlich“, so der Bürgermeister. Noch ist Blum die Situation nicht ganz klar. „Ich muss mir erstmal ein Bild machen“, sagte er. Er kenne die Verträge mit den Banken nicht, wisse auch nicht, ob das Gebäude mitten im Ortskern von Hilders zwangsversteigert werden müsse. Als Bürgermeister möchte er für die Zukunft des „prägenden Gebäudes“ allerdings Hilfestellung geben und bei der Suche nach neuen Eigentümern unterstützend mitwirken.

Trauer und Hoffnung

Unter dem „Facebook“-Post der „Rhöner Botschaft“, im dem die Schließung verkündet wird, haben zahlreiche User entweder ihre Anteilnahme bekunden oder Fragen stellen. Beispielsweise danach, was mit bereits gekauften Gutscheinen passiert. „Die sind ja drei Jahre gültig und können dann in den neuen vier Wänden eingelöst werden“, antwortete die „Rhöner Botschaft“. Eine Userin schreibt, dass ihr Reisebüro ihr jetzt eine Stornierung für die „Rhöner Botschaft“ geschickt hatte.

Mehr als 100 Kommentare bislang

Der größte Teil der Kommentare sind allerdings eine Art Trauer- und Beileidsbekundungen, die im ersten Moment denken lassen, ein geliebter Mensch sei verstorben: „Wir wünschen euch ganz viel Kraft“, „Ich bin geschockt“, „Ich bin sehr traurig“ oder „Wir sind fassungslos“ und „Ein schwerer Schlag für Hilders“ sind nur einige der Bekundungen. Jedoch hoffen die „Facebook“-User augenscheinlich darauf, dass es mit der „Rhöner Botschaft“ wirklich weitergeht. „Manchmal ist ein Neuanfang auch der Beginn von etwas ganz Großem, zu dem ihr auf jeden Fall das Zeug habt“, so eine Userin.

Dass viele ihrer Hoffnung Ausdruck verleihen, dass es mit „OX“ & Co weitergeht, zeigt, dass die „Rhöner Botschaft“ eine große Fangemeinde hat – sowohl in der Rhön als auch in der Ferne. Eine Service-Mitarbeiterin der „Rhöner Botschaft“ – zumindest laut „Facebook“-Profil – gibt die Schuld an der Misere der Gemeinde: „Da ist Hilders aber auch selbst dran Schuld. Die werden früh genug merken was sie mit der „Rhöner Botschaft“ verloren haben. Dann ist es zu spät, und eine andere Gemeinde freut sich währenddessen über die Botschaft, die in neuem Glanz noch stärker erstrahlt“, so die Kommentar-Verfasserin. Die „Rhöner Botschaft“ selbst teilt übrigens bei „Facebook“ auf die Frage nach einem gekauften Gutschein mit: „Ab April geht es ,irgendwo’ weiter, da können sie ihn normal einlösen.“

Gerüchteküche brodelt

Wie es so ist, brodelt nach einem solchen Vorfall direkt die Gerüchteküche. Es wird gemunkelt, dass die Familie Leist im thüringischen Dermbach im derzeitigen „Rhönhotel Sächsischer Hof“ ein neues Zuhause finden könnte. Wie man hört – und ich verweise darauf, dass es wirklich ausschließlich Gerüchte sind – könnte auch das Schlosshotel Geisa“ das neue Domizil der Leists sein. Ob etwas daran ist, wird sich zeigen – spätestens dann, wenn sich die Familie Leist an die Öffentlichkeit wendet.

Für unsere Redaktion war die Familie allerdings trotz mehrerer schriftlicher und mündlicher Anfragen bis Redaktionsschluss nicht zu erreichen. Was nämlich fehlt, sind die Hintergründe der überraschenden Schließung. Da hält sich die Familie weiterhin bedeckt. Warum? Eine Insolvenz ist eine Insolvenz, eine Zwangsräumung ist eine Zwangsräumung – auch wenn man dieser noch schnell zuvorkommt. Fakten sind allemal besser als Gerüchte.

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