Zur Lage der Pandemie im Landkreis Fulda

Noch immer ist die Corona-Inzidenz im Landkreis Fulda sehr hoch.
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Noch immer ist die Corona-Inzidenz im Landkreis Fulda sehr hoch.

Mit einem Inzidenzwert von heute 282,8 liegt der Landkreis Fulda weiterhin unter den zehn Kreisen mit den höchsten Fallzahlen der vergangenen sieben Tage. Seitdem der Wert am 10. Januar bei knapp 380 lag und am 16. Januar zuletzt über 300, verharrt er seit mehreren Tagen um 280.

Fulda. „Trotz des Rückgangs ist das natürlich alles andere als eine Situation, mit der wir alle zufrieden sein können“, sagen Landrat Bernd Woide und Vize-Landrat Frederik Schmitt: „Im Gegenteil: Wir sind auch deswegen in Sorge, weil sich die Infektionen nach wie quer über den Landkreis verteilen und damit schwer zu fassen sind.“

Von den aktuell 641 neu registrierten Fällen der vergangenen Woche sind etwa 400 im privaten Umfeld aufgetreten, 70 Infektionen sind auf das berufliche Umfeld zurückzuführen, 50 auf Personal und Bewohner in Pflegeeinrichtungen und 23 in einer Kita. Bei knapp 100 Fällen konnte keine konkrete Infektionsquelle zugeordnet werden.  

Die gegenwärtige hohe Zahl der Infektionen bezieht sich im überwiegenden Maß auf Ansteckungen im privaten Bereich. Die Anzahl der Infektionen in Pflegeeinrichtungen ist erfreulicherweise zurückgegangen. In der laufenden Woche kam es zu einem Ausbruchsgeschehen in einem Kindergarten, bei dem 23 Erzieherinnen und Kinder positiv getestet wurden. Darüber hinaus ist das Infektionsgeschehen über den Landkreis verteilt. Die aktuellen Fälle treten überall auf und führen im familiären und Freundesumfeld zu kleineren Clustern.

Hängen die hohen Zahlen nach den Feiertagen mit der aktuellen Situation zusammen?

„Dass die hohen Fallzahlen von Anfang Januar auch in den folgenden Wochen noch negative Auswirkungen auf die Situation im Landkreis haben würden, war nach unseren Erfahrungen leider fast abzusehen: Wenn viele positiv Getestete viele Kontaktpersonen benennen, ist es zu erwarten, dass sich darunter auch eine entsprechend größere Anzahl weiterer positiver Fälle befindet und damit das Dunkelfeld aufhellt“, sagt Schmitt. Das ist vor allem dann der Fall, wenn Kapazitäten für eine Ermittlung vorhanden sind. Im Landkreis Fulda ist die Kontaktpersonennachverfolgung von anfangs 60 Personen auf 200 aufgestockt worden. Zum Vergleich: Die Vorgabe des Landes ist es, je 20.000 Einwohner 5 Mitarbeiter für die Ermittlung einzusetzen. Für den Landkreis bedeutet das: Statt 55 arbeiten hier 200 Personen. Durchschnittlich werden pro Fall 5,3 Kontaktpersonen ermittelt. Alle Kontaktpersonen werden im Landkreis Fulda regelhaft getestet. „Wir gehen dabei über die Vorgaben des RKI hinaus und testen auch alle symptomlosen Kontaktpersonen“, sagt Frederik Schmitt und ergänzt: „Wir tun das, weil die meisten asymptomatischen Kontaktpersonen – vor allem im familiären und beruflichen Umfeld einer positiv getesteten Person – einen Test als persönliche Sicherheit empfinden. Zur Pandemie-Bekämpfung ist das nicht unbedingt erforderlich, da die Kontaktpersonen auch ohne einen Test bereits unter Quarantäne stehen und selbst bei einem negativen Test die Quarantäne nicht beendet wird.“ Vor diesem Hintergrund wird der Landkreis Fulda das Angebot der regelhaften Testung von asymptomatischen Kontaktpersonen in Abstimmung mit dem Hessischen Sozialministerium kritisch überprüfen. Das ist vor allem wegen der Vergleichbarkeit mit anderen Landkreisen und der an die Inzidenz geknüpften rechtlichen Regelungen wichtig.
 
Wie viele Tests werden pro Woche durchgeführt?

Dem Gesundheitsamt werden nur jene Testergebnisse übermittelt, die positiv sind. Daher erhält der Landkreis keinen Gesamtüberblick über die Anzahl der Tests (positive und negative), die in Krankenhäusern, bei niedergelassenen Ärzten, dem DRK in Fulda sowie aktuell auch bei Apotheken durchgeführt werden.

Dem Landkreis Fulda liegen komplett ausschließlich die Zahlen der Tests im Testzentrum der Kassenärztlichen Vereinigung am Klinikum vor: In der 3. Kalenderwoche, vom 18. bis 24.1. 2021, sind dort 1553 Personen getestet worden, davon waren 412 positiv. Dies entspricht einer Positiv-Quote von 26,53 Prozent. Durchschnittlich werden dort rund 140 Personen pro Tag getestet.

Wie ist die Situation in den Pflegeheimen?

In der ersten Januarwoche wurden etwa 200 Fälle in Pflegeeinrichtungen des Landkreises registriert. Aktuell waren es in der vergangenen Woche 50 Bewohner und Personal. „Am 27. Dezember haben die mobilen Teams mit den Impfungen von Bewohnerinnen, Bewohnern und Beschäftigten der insgesamt 38 Einrichtungen begonnen. Die Erstimpfungen sind in allen Einrichtungen erfolgt, knapp 80 Prozent der Bewohner und knapp 60 Prozent des Personals haben sich bislang impfen lassen. Gut 1000 Personen haben bereits die zweite Impfung erhalten“, sagt Frederik Schmitt. In den Pflegeeinrichtungen sind ab dieser Woche Teams der Bundeswehr im Einsatz, um die Einrichtungen bei der Durchführung von Testungen zu unterstützen. Alle 38 Pflegeinrichtungen haben die Möglichkeit, die Teams anzufordern. Frederik Schmitt: „Daneben hat die Hochschule Fulda auf unsere Initiative hin einen Unterstützungspool für Pflegeheime eingerichtet, aus dem bei Personalmangel Studenten vermittelt werden können. Eine ähnliche Initiative haben wir in Zusammenarbeit mit den Hilfsorganisationen gestartet. Schutzausrüstung für das Personal in Pflegeheimen wird weiterhin durch uns verteilt.“

Was tut der Landkreis darüber hinaus?

Der Landkreis nimmt über das Gesundheitsamt die ihm gesetzlich zugewiesenen Aufgaben wahr und stellt darüber hinaus zusätzliches Personal für die Kontaktpersonennachverfolgung zur Verfügung. Gemeinsam mit den Ordnungsämtern der Städte und Gemeinden sowie der Polizei wird die Einhaltung der Verordnungen des Landes und der Allgemeinverfügungen des Kreises kontrolliert. Durch dieses abgestimmte Verhalten konnten zum Beispiel an den vergangenen beiden Wochenenden größere Personenansammlungen auf der Wasserkuppe verhindert werden. Die Ausgangsbeschränkung bleibt in Kraft, ebenso die Testpflicht für Besucher von Senioreneinrichtungen, die nun durch Landesverordnung geregelt ist.

Grundsätzlich bleibt es bei der Empfehlung, vom Präsenzunterricht auch bei Abschlussklassen abzusehen. In besonderen Fällen ist Wechselunterricht möglich.

Wie informiert der Landkreis?

Der Landkreis veröffentlicht alle Infektionsschwerpunkte sowie eine Vielzahl von weiteren Daten zu Fallzahlen, zur Entwicklung der Inzidenz und Altersgruppen sowie Antworten auf Fragen zu allen Themen rund um die Pandemie auf seiner Homepage, in Videos und über die Presse. Seit Freitag vergangener Woche finden sich dort auch wöchentlich die Fallzahlen in den jeweiligen Gemeinden des Kreises. Anhand der zahlreichen Bürgeranfragen an den Landkreis wird deutlich, dass sich viele von einer solchen Auflistung Sicherheit versprechen. Allerdings darf man diesen Zahlen keine entscheidende Bedeutung beimessen. Die Zahlen bilden keine konkrete Gefährdungslage in bestimmten Gemeinden ab, da der Wohnort nur bei den Kontaktpersonen innerhalb des eigenen Hausstandes identisch mit dem Infektionsort ist. Im Regelfall ist der Infektionsort häufig nicht der Wohnort.

Insofern bleibt oberstes Gebot: Die Gefährdungslage ist immer dort hoch, wo man ohne Abstand oder ohne Masken für längere Zeit ohne zu lüften zusammenkommt. Diese Situationen und Orte gilt es zu meiden – überall im Landkreis.

Gibt es Erkenntnisse zu den Virus-Mutationen?

Bislang ist im Landkreis Fulda keine Corona-Mutation aus Südengland, Südafrika oder Brasilien nachgewiesen worden. Das heißt aber nicht, dass noch keine Mutation bei uns bereits im Umlauf ist. Derzeit gibt es für Gesundheitsämter die Möglichkeit neben den zufällig ausgewählten Proben, die direkt von den Laboren ausgewählt und untersucht werden, unter bestimmten Voraussetzungen auch Untersuchungen auszulösen. Diese Voraussetzungen liegen im Zusammenhang mit dem Ausbruch in Kindergarten in Künzell vor. Daher konnte durch den Landkreis Fulda eine Untersuchung veranlasst werden.

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