Zwei Gebäudereiniger auf dem Weg nach oben

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Freuen sich über die ausgezeichneten Leistungen in der Gebäudereiniger-Ausbildung von Alexandra Weigelt (3. von rechts) und Christian Möller (2. von links): Geschäftsführer Björn Leutke (rechts), Viktoria Leutke, Sarah Leutke.

Fulda. Zwei Jahre hintereinander legten Auzubis der Firma "Leukte" die beste Gesellenprüfung Hessens ab.

Fulda. Mit Durchblick zum Gesellenbrief: Christian Möller (20) aus Fulda ist der hessenweit beste Gebäudereiniger-Azubi und Alexandra Weigelt (36) aus Neuhof ist eine der wenigen Frauen, die dieses Handwerk von der Pike auf gelernt haben. Ausgebildet wurden beide im Fuldaer Unternehmen "Leutke". Das Ende der Karriereleiter ist für beide noch lange nicht erreicht."Um nach der Erziehungszeit den Einstieg zu finden, hatte ich schon in der Branche gearbeitet, doch irgendwann wollte ich einfach mehr als nur putzen", erzählt Alexandra Weigelt. Die Mutter von zwei Kindern bewarb sich bei der Firma Leutke aus Fulda, die mit der Neuhoferin ihre erste Gebäudereinigerin ausgebildet hat. Besonders reizvoll waren für die 36-Jährige die Fachkenntnisse, die sie in ihrem Beruf erwerben konnte: "Ich wollte wissen, wann man welches Mittel in welcher Dosierung für welchen Anwendungsbereich einsetzt", erklärt die 36-Jährige, die in nur zweieinhalb Jahren ihre Lehre beendet und offensichtlich Beruf und Familie gut gemanagt hat. Als Frau in diesem Job hatte sie keine Schwierigkeiten. "Klar muss man sich am Anfang behaupten, aber hier stimmt das Betriebsklima." Zupacken kann Alexandra Weigelt und wenn ihr hier und da die körperliche Kraft für eine bestimmte Tätigkeit fehlte, haben sie die Kollegen unterstützt.

Auf die Unterstützung seines Teams konnte auch Christian Möller setzen – ohne die hätte er vermutlich die Ausbildung nicht mit dieser überdurchschnittlichen Bestleistung abgeschlossen. Denn zur Schulzeit war er keineswegs der Zielstrebigste. "Mit 14 Jahren hatte ich keinen Bock mehr auf Schule", schildert der heute 20-Jährige. Unumwunden gibt er zu, wie er zur Gebäudereinigung kam: "Ich dachte mir, das kann nicht so schwer sein", erzählt er rückblickend mit einem Lachen. Denn dass diese lockere Einstellung nicht mit der Arbeit vereinbar ist, wurde ihm schnell bewusst: "Das Team hat mir sehr geholfen. Wenn ich was schlecht gemacht habe, haben sie mir direkt Feedback gegeben und ich wusste, was ich besser machen muss", sagt Christian Möller und fügt an: "Heute bin ich heilfroh, mich für diesen Beruf entschieden zu haben." Denn die Arbeit macht ihm großen Spaß. "Man sieht so viele unterschiedliche Bereiche, hat Kontakt zu den unterschiedlichsten Menschen und kein Tag ist wie der andere."Dass die Azubis fest in den Teams ihrer 850 Angestellten mitarbeiten, sieht die Geschäftsführung der Firma Leutke als großen Pluspunkt: "Das spiegelt am besten den Arbeitsalltag wider und von erfahrenen Gebäudereinigern lernen sie die Vielfalt der Einsatzbereiche von der Glasreinigung bis zur Bauendreinigung kennen." Christian Möller weiß zu berichten, dass dies keineswegs selbstverständlich ist: "In meiner Klasse gab es Auszubildende, die drei Jahre lang ausschließlich gekehrt haben.""Die Klasse", von der Christian Möller spricht, ist die Schulklasse in der Landesfachschule in Frankfurt. Hier lernen alle Gebäudereiniger-Auszubildende Hessens im Blockunterricht die Theorie ihres Handwerks, wie etwa die chemischen und physikalischen Grundlagen der Reinigungsarbeiten. "Tatsächlich ist der Theorieanteil für viele Auszubildende der schwierigere", erklärt die Geschäftsleitung. Und dies bezieht sich nicht nur auf die Inhalte sondern auch auf das Organisatorische – denn eine Fahrt nach Frankfurt zur Schule verlange Durchhaltewillen.Für Alexandra Weigelt und Christian Möller war der theoretische Teil ebenso wenig eine Hürde wie der praktische, deshalb bleiben sie beim Gesellenabschluss nicht stehen: Die 36-Jährige drückt bereits wieder samstags die Schulbank, um ihren Meister zu machen. Und auch Christian Möller möchte diesen Weg einschlagen: "In diesem Jahr trete ich im Leistungswettbewerb noch gegen die besten Gebäudereiniger-Azubis der übrigen Bundesländer an", erzählt er und ergänzt: "Vielleicht gewinne ich und kann mir so den Meisterkurs finanzieren".Und da Leutke jetzt zwei Gesellen mehr im Team hat, wären wieder Arbeitsplätze für Auszubildende frei: "Wir möchten allen eine Chance geben, besetzen diese Stellen aber auch nicht um jeden Preis", erklärt einer der Geschäftsführer Herr Björn Leutke. Einen guten Hauptschulabschluss mit einem Grundverständnis in Mathematik, Chemie und Physik sollten Bewerber mitbringen. Das ist für diesen Beruf im Umgang mit unterschiedlichsten Stoffen und Materialien notwendig. "Wir empfehlen, dass Interessenten erst einmal für zwei Wochen ein Praktikum machen – dann lernen sie uns und wir sie einfach besser kennen", sagt der Geschäftsführer. Denn neben den schulischen Leistungen zählen in diesem Dienstleistungsberuf Persönlichkeit, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit. "Unsere Kunden sind von uns eine hohe Qualität gewohnt, da sollten auch die Auszubildenden einen guten Eindruck hinterlassen. Dafür erhalten sie im Gegenzug einen gut bezahlten Ausbildungsplatz in einem interessanten Aufgabengebiet", verspricht Björn Leutke.

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