Zwischenruf: Aufgeklärte Deutsche ?

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Ein Gotteshaus ist ein Gotteshaus – egal, ob in ihm zu Gott, Jehova, Shiva, Buddha oder Allah gebetet wird. Das überstrapazierte Argument "Bei

Ein Gotteshaus ist ein Gotteshaus – egal, ob in ihm zu Gott, Jehova, Shiva, Buddha oder Allah gebetet wird. Das überstrapazierte Argument "Bei denen im Land dürften wir auch keine christliche Kirche bauen" ist somit das Dümmste, was man als aufgeklärter Bürger in einem angeblich so säkularen und fortschrittlichen Staat wie Deutschland sagen oder hören kann. Wir sollten stolz sein auf Religionsfreiheit und die Begegnung der Kulturen in unserem friedlichen Land. Jetzt wird sie also gebaut, die umstrittene Moschee – auf "heiliger, katholischer Erde".

Genauer gesagt auf einem unbedeutenden Rand-Grundstück in einem schmucklosen Gewerbegebiet direkt neben den Bahngleisen. Die Minarette dürfen nicht hoch sein, die Kuppel darf nur einen bestimmten Durchmesser haben und der Muezzin sollte bitte nicht das vielleicht ebenfalls nervige, mehrmals täglich erklingende Glocken-Gedröhn überstimmen. Das wichtige Oberhaupt von zehn Millionen teilweise verfolgten Gläubigen, ein vielgereister, studierter, hoch-intelligenter und verantwortungsbeladener Mann, kommt aus dem mondänen London ins provinzielle Bistum Fulda und weder ein Oberbürgermeister, ein Bürgermeister, noch ein Landrat, ein Bischof, ja noch nicht einmal ein katholischer Priester, begrüßen oder empfangen ihn. Beschämend für echte Christenleut’, aber bedenket: Wie man in den Wald hineinruft, so tönt es heraus!

Natürlich ist Fulda eine katholische Hochburg, natürlich ist Wahlkampf, aber das Protokoll muss eingehalten werden. Der Islam bezeichnet mit "Ungäubigen" nicht Angehörige anderer Religionen, sondern so verbohrte Atheisten wie mich, die von Kirche und Glaube enttäuscht sind. Ich bete nicht, ich faste nicht, ich lobpreise nicht. Das hinderte mich aber gleichzeitig nie daran, mich auf Reisen nach Spanien, Marokko und Iran für Gebräuche,  Kultur und Geschichte einer anderen Weltreligion zu interessieren. Deswegen breche ich mir beim Abschied nach der Grundsteinlegung nichts dabei ab, die Hand aufs Herz zu legen, mich freundlich-leicht zu verbeugen und in das verdutzte Gesicht und die überraschten Augen des AMJ-Presse-Sprechers zu blicken.

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