Zwischenruf zum Corona-Virus: Panik und Macher

Redakteur Christopher Göbel zu Viruspanik und Fakenews im Internet.

Das Coronavirus ist in Deutschland angekommen. Es verbreitet sich durch Tröpfcheninfektion. Bisher sind etwas mehr als 100 Menschen in China daran verstorben. Das sind die Fakten, die bis dato bekannt sind. Die Verstorbenen hatten bereits Vorerkrankungen.

Was derzeit vor allem im Internet kursiert, ist hanebüchen: Videos, die ein tödliches Szenario mit reihenweise tot umfallenden Menschen zeigen, Videos, in denen von Pickeln mit schwarzem Punkt als Anzeichen der Corona-Infektion gewarnt wird, Fake-News mit gefälschten Zeitungsartikeln in Passau oder ellenlange Diskussionen darüber, wie gefährlich das Virus ist, dass es von „Microsoft“-Milliardär Bill Gates im Labor gezüchtet worden oder in Wuhan, der chinesischen Zentralregion des Virusausbruchs, aus einem biochemischen Labor „entfleucht“ sei.

Dass wir so wenig über das Coronavirus in der aktuellen Form 2019-nCoV wissen, öffnet denjenigen, die Verschwörungstheorien lieben, und denjenigen, die sich stark fühlen, wenn sie andere in Panik versetzen, Tür und Tor. Was diese Leute damit bezwecken, erschließt sich mir nicht. Maximal könnte ich mir vorstellen, dass sie einfach Geld damit verdienen wollen. Denn die Seiten, auf denen die angeblichen „Aufklärungsvideos“ verbreitet werden, sind oft auch mit Werbung bestückt. Pro Klick auf das Video gibt es Geld.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat da eine andere Sicht der Dinge: Das Einzige, was ihn beunruhige, seien die Verschwörungstheoretiker, sagte er kürzlich. Und da muss ich ihm tatsächlich mal zustimmen. Wichtig für uns alle sollten nicht die abstrusen Theorien sein, die über soziale Netzwerke oder Messengerdienste verbreitet werden.

Wichtig sollten uns diejenigen Menschen sein, die an Medikamenten und Impfstoffen gegen das Virus forschen, die Sicherheitsmaßnahmen einleiten, damit sich das Virus so wenig wie möglich ausbreitet, und die rational an die Sache herangehen. Panik verbreiten kann jeder, aber die Ursachen zu bekämpfen ist das oberste Ziel. Vorsicht ist – wie üblich – die Mutter der Porzellankiste.

Wie in jedem Jahr zu dieser Zeit ist gründliches Händewaschen Pflicht. Denn das hilft auch gegen Erkältungsbakterien, Grippeviren und andere Krankheitserreger. Wer ein bisschen vorsichtig ist, Chinareisen derzeit meidet und ein stabiles Immunsystem hat, sollte sich vor dem Coronavirus nicht fürchten. Experten gehen bislang davon aus, dass eine epidemische Verbreitung in Deutschland nicht zu erwarten sei. Unsere Krankenhäuser vor Ort sind gut vorbereitet.

Statt Panik sollte Vernunft unser Denken beherrschen. Wenn belastbare Fakten über das Virus, Übertragungswege und vor allem wirksame Medizin bekanntgeworden sind, werden diejenigen, die mit Angstvideos und Falschmeldungen Panik schüren wollen, blöd dastehen. Zum Glück bietet das Internet auch vertrauenswürdige Quellen, bei denen man sich fundiert informieren kann.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Förderbescheid über 117.800 Euro: Kindergarten Eckweisbach wird erweitert

Durch Anbau soll sich die räumliche Situation des Kindergartens "St. Michael" entspannen
Förderbescheid über 117.800 Euro: Kindergarten Eckweisbach wird erweitert

Knapp eine viertel Million Einsatzstunden: Hünfelder Bundespolizisten auch 2019 gefordert 

Vielfältige Einsatzbereiche für Hünfelder Bundespolizei auch im Jubiläumsjahr
Knapp eine viertel Million Einsatzstunden: Hünfelder Bundespolizisten auch 2019 gefordert 

Gefährlicher Eingriff  in Straßenverkehr: Drohne prallt bei Dirlos gegen Pkw-Windschutzscheibe

Polizei sucht nach demjenigen, der die Drohne gestartet hatte
Gefährlicher Eingriff  in Straßenverkehr: Drohne prallt bei Dirlos gegen Pkw-Windschutzscheibe

"Oma Emma" ist die älteste Bürgerin von Poppenhausen

Feierstunde zum 100. Geburtstag von Emma Brückner in der Rhöngemeinde Poppenhausen
"Oma Emma" ist die älteste Bürgerin von Poppenhausen

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.