Zwischenruf: Deutschland im Paradoxon gefangen

Zwischenruf: Deutschland im Paradoxon gefangen
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Zwischenruf: Deutschland im Paradoxon gefangen

Ein Zwischenruf von Redaktionsvolontärin Martina Lewinski.

Die Niederlande und Österreich führen wegen der hohen Corona-Fallzahlen wieder einen Teillockdown ein. Angesichts der vierten Welle in verschiedenen EU-Staaten erwägt Israel sogar ein Reiseverbot in bestimmte Länder. Und was macht Deutschland? Wir vergnügen uns erst mal an Karneval und öffnen die Clubs, damit mal wieder so ordentlich gefeiert werden kann. Es tut mir für alle Feierwütigen leid, aber dieses Verhalten kann ich nicht nachvollziehen. In Büros kommen wieder Themen auf wie Kurzarbeit und dass man womöglich, wenn die Zahlen weiter steigen, seine Liebsten zu Weihnachten wieder nicht sehen wird. Da frage ich mich, warum wird das alles nicht jetzt schon gestoppt? Warum wird gewartet, bis die Inzidenzen noch höher sind und wir alle wieder auf private Kontakte verzichten müssen? Muss es wirklich wieder soweit kommen? Fragen über Fragen.

Paradox ist auch: Im Büro halten sich alle an Abstandsregeln, Masken und weitere Hygienemaßnahmen. Aber wirft man einen Blick nach Köln, könnte man meinen, wir hätten Corona überstanden – verrückt. Massen strömen zusammen, um Karneval zu feiern. Masken und Abstandsregeln rücken völlig in den Hintergrund.

Ich verstehe, dass die Menschen Sehnsucht nach Normalität haben und wir alle Corona-Müde sind. Aber ich verstehe nicht, wie man sich so unverantwortlich verhalten kann. Die Mehrheit schimpft auf die Ungeimpften und dass diese sich unkollegial verhalten. Aber ist es denn kollegial, einfach auf „Teufel-komm-raus“ zu feiern, sich mit fremden Menschen in den Armen zu liegen und andere widerrum Angst um ihren Job haben müssen, ihre Familie bald nicht mehr sehen dürfen oder gar um ihr Leben kämpfen?

Ich hoffe, dass die Welt, wie wir sie mal kannten, eines Tages wieder existiert. In der man keine Angst haben muss, dass ein Virus uns alle beherrscht, keine Spaltung zwischen Geimpften und Ungeimpften besteht und wir alle gemeinsam feiern und lachen können. Aber bis es soweit ist, appelliere ich noch einmal an die Vernunft der Menschen. Denn im Endeffekt glaube ich nicht, dass diese eine Clubnacht wichtiger ist, als den persönlichen Kontakt zu seinen Eltern oder Großeltern aufrecht erhalten zu können. Und es wäre doch wirklich schön, wenn wir dieses Jahr Weihnachten mit unserer Familie verbringen könnten – ohne einen weiteren Lockdown.

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