Zwischenruf: Im digitalen Niemandsland

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Panik, wenn das Internet ausfällt.

Das Mobilfunknetz fällt aus - und wir sind am Verzweifeln. Mit diesem Thema hat sich Redakteur Christopher Göbel befasst.

Ein Tag mit Störungen im Handy­netz – und die Welt geht unter. Am Dienstag dieser Woche ging im Netz von „Teléfonica O2“ nicht viel. Ein Softwarefehler des Mobilfunkriesen soll dafür gesorgt haben, dass tausende Smartphonebesitzer nicht viel mehr tun konnten, als die „Kein Netz“-Anzeige ihrer Geräte anzustarren. Manch einer mag sich gefragt haben: „Habe ich meine letzte Handy­rechnung bezahlt?“

Ich selbst hatte keine Ausfälle. Zumindest habe ich keine bemerkt. Wer aber eigentlich alle paar Minuten – oder gar ununterbrochen – mit seinem Smartphone im Mobilfunknetz unterwegs ist, dürfte sich schon ziemlich von der Welt abgeschnitten gefühlt haben. Mir zeigt dieser Vorgang, dass wir heute so sehr von den kleinen Dingern abhängig geworden sind, dass ohne die ständige Verbindung per Smartphone zu Freunden, zur Außenwelt oder zum nächsten Newsportal nichts mehr geht.

Der dicke "Duden"

Früher habe ich, wenn ich nach der korrekten Schreibweise eines Wortes schaute, den dicken „Duden“ aus dem Regal geholt. Wenn ich wissen wollte, wo Gütersloh liegt, kramte ich meinen Reiseatlas heraus. Wenn ich nach einem Elektriker in der Nähe suchte, zog ich die „Gelben Seiten“ in gedruckter Form zu Rate. Um mich mit Freunden zu verabreden, nutzte ich das Festnetztelefon. All das mache ich heute nicht mehr. Um an Informationen zu kommen, nutze ich das Internet. Um mich mit Freunden und meinen Kindern abzusprechen, nutze ich „Whats­App“. Aber wenn alles das nicht geht, weil das Mobilfunknetz kaputt ist, dann stehen viele von uns im wahrsten Sinne des Wortes dumm da.

Ich habe bei mir selbst bemerkt, dass ich mir einfach keine Telefonnummern mehr merken kann. Früher hatte ich die wichtigen im Kopf. Jetzt sind es maximal die Festnetznummern meiner Familie. Alles andere habe ich nicht mehr im Gehirn, sondern im Handy gespeichert. „Man muss nicht alles wissen. Man muss nur wissen, wo es steht“, lautet ein geflügeltes Wort. Für mich bedeutet das, dass die Kontaktdaten der Menschen in meinem Umfeld im Handy-Adressbuch stehen – und ich diese nun nicht mehr im Kopf haben muss.

Dass Smartphones, Computer und das Internet absolut unverzichtbare Errungenschaften der Technik sind, werden wenige bestreiten. Dass wir aber inzwischen derart abhängig von digitalen Informationen geworden sind, erschreckt mich manchmal. Es gibt Menschen, die ein Urlaubshotel vor allem nach dem Kriterium „WLAN“ aussuchen. Und es gibt Menschen, die ohne „Google Maps“ nicht mal vom „Emaillierwerk“ zum Fuldaer Uniplatz finden.

Wir sind abhängig

Ich denke – und hoffe – dass ich nicht zu jenen gehöre, die heutzutage als „Smombies“ bezeichnet werden. Natürlich bringt es mich auf die Palme, wenn ich irgendwo in der osthessischen Pampa unterwegs bin und keine Ahnung habe, wo ich hinfahren muss. „Google“ verweigert wegen Empfangsproblemen den Dienst, und ich muss selbst sehen, dass ich in die richtige Richtung starte. Ohne Smartphone-Hilfe ist das oft schwieriger, aber zum Glück gibt es immer noch Straßenschilder.

 Wir sind abhängig von der Technik. Und wie bei einem Auto, dass plötzlich nicht mehr fährt, bemerken wir auch erst, was uns fehlt, wenn das Mobilfunknetz, der Internet-Router oder der Strom ausfällt. Selbst diesen „Zwischenruf“ könnten Sie nicht lesen, wenn der PC gestreikt hätte.

Alles hat seine Zeit. Die Schiefertafel, der gedruckte „Duden“, das Wählscheibentelefon. Und heute ist die Zeit der Smartphones und Computer. Und das ist gut so. Wer weiß, welche Mittel unseren Nachfahren dereinst zur Verfügung stehen werden.

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