Zwischenruf: Erst denken, dann reden!

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"Bei Philipp Rösler würde ich allerdings gerne wissen, ob unsere Gesellschaft schon so weit ist, einen asiatisch aussehenden Vizekanzler auch n

"Bei Philipp Rösler würde ich allerdings gerne wissen, ob unsere Gesellschaft schon so weit ist, einen asiatisch aussehenden Vizekanzler auch noch länger zu akzeptieren." Mit diesen Worten wurde der hessische Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn in der Zeitung "Frankfurter Neue Presse" zitiert. Das lässt eigentlich kaum Raum für Interpretationen. Auch wenn Hahn und seine Parteikollegen von Kubicki bis Rösler selbst schnell zurückruderten und die Aussage als "missverständlich" oder "falsch verstanden" deklarierten, sollte man von einem Politiker erwarten dürfen, dass er seine Wortwahl überdenkt, ehe er sie abdrucken lässt.

Wenn Sie sich mein Foto rechts anschauen, dann dürfte Ihnen nicht verborgen bleiben, dass auch ich ein "asiatisches Aussehen" habe. Und auch mein familiärer Hintergrund ist dem des Philipp Rösler nicht ganz unähnlich. Auch in bin in Vietnam geboren. Spätestens seit Erreichen der Volljährigkeit habe ich kaum noch Probleme wegen meines Aussehens, aber in meiner Kindheit kann ich mich noch an zahlreiche Situationen erinnern, die mich damals schwer getroffen haben. Das reichte vom hinter mir hergerufenen "Ching chang chong" über "Japs" bis "Schlitzauge". Nun gut, man könnte sagen: Das waren Kinder. Und wer kennt nicht den – zumindest gelegentlich wahren – Satz: "Kinder können grausam sein" ?

Meine Eltern (ich nenne sie seit jeher so und nicht anders) haben mich immer bestärkt und aufgebaut, in dem sie beispielsweise sagten: "Du hast Mandelaugen". Das hat mich als Kind sehr beruhigt.

Heute finde ich derartige Äußerungen mir gegenüber eher lustig. Wenn mich in einem Frankfurter Buchladen der Verkäufer auf englisch anspricht, dann antworte ich eben auf englisch. Neulich erlebte ich wieder eine erheiternde Situation: Während eines Pressetermins wurde ich von einem Bauarbeiter mit den Worten: "Na, Deutschland gut?" angesprochen. Dessen Gesicht hätten Sie sehen sollen, als ich in gewähltem Hochdeutsch antwortete: "ja, Deutschland gefällt mir sehr gut. Und Ihnen?" Antwort habe ich übrigens dann nicht mehr bekommen ... ;-)

Was mich freut, ist die Tatsache, dass meine sechsjährige Tochter, die mein Aussehen geerbt hat, bisher keinerlei Probleme damit hat. Ich hoffe, dass das so bleiben wird. Abgewandelt könnte man nun also sagen: "Man kann nur hoffen, dass unsere Gesellschaft inzwischen schon so weit ist, Menschen mit asiatischem (oder arabischem oder afrikanischem) Aussehen uneingeschränkt zu akzeptieren".

Dass sich Rösler nun selbst geäußert hat und sich hinter Hahn stellt, ist für mich ein Zeichen von Feigheit. Parteifreund hin oder her – solche Äußerungen, wie Hahn sie gemacht hat, lässt man bleiben. Oder wenn man das Thema aufs Tapet bringen will, dann nur so, dass es keinerlei Missverständnisse oder Fehlinterpretationen geben kann. Dass Rösler als Parteivorsitzender dem untergeordneten Hahn nicht die Leviten liest, sondern ihn auch noch verteidigt, ist ein Zeichen von Schwäche. Oder will sich die siechende FDP mit solcherlei Äußerungen im Wahljahr im Gespräch halten –  nach dem Motto "Mir ist egal, was die Medien über uns vermelden, Hauptsache sie vermelden etwas"?

Einem Politiker - egal welcher Couleur - dürfen solche Fehler nicht passieren, zumal Hahn oder einer seiner Pressereferenten das Zeitungsinterview vor Abdruck sicherlich gegengelesen haben. Fremdenfeindlichkeit und Rassismus in Wort und Tat haben in diesem Lande nichts zu suchen!

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