ZWISCHENRUF: Wir haben ein (gesellschaftliches) Problem

Redakteur Christopher Göbel beschäftigt sich in seiner aktuellen Kolumne mit einer Thematik, die uns alle angeht.

Ja, wir haben ein Problem. Ein gesellschaftliches nämlich. Der Fall in Augsburg zeigt, dass heute anscheinend niemand mehr sicher ist, wenn er (Zivil-)Courage zeigt. Oder auch, wenn er beispielsweise als Rettungskraft beruflich unterwegs ist. Was ist mit uns Menschen los?

Warum ist unsere Gesellschaft derart verroht, dass ein 17-Jähriger scheinbar ohne ersichtlichen Anlass einen Mann mit einem Faustschlag tötet? Warum werden Rettungskräfte beschimpft und angegangen, weil sie ihren Job machen und Leben retten? Was ist los?

Uns geht es grundsätzlich in unserem Land gut. Wir haben in den allermeisten Fällen genug zu essen, müssen nicht wegen Krieg um unser Leben fürchten und können tagtäglich ohne Angst auf die Straße gehen. Das dachte ich jedenfalls. Der Fall des getöteten Feuerwehrmannes in Augsburg aber lässt mich an meiner Überzeugung zweifeln.

Ich stelle mir auch die Frage, inwieweit ich selbst eigentlich den Mut habe, Zivilcourage zu zeigen und einzugreifen, wenn mir eine in Not geratene Person auffällt. Soll ich wirklich dazwischengehen und damit das Risiko eingehen, schlimmstenfalls mein eigenes Leben zu verlieren? Eines aber ist sicher: Gar nichts zu tun ist das falscheste, was ich machen könnte.

Ich kann auch nicht sagen, wie ich in bestimmten Situationen reagieren würde. Würde ich es filmen, damit das Material eventuellen späteren Ermittlungen nützt und mich so eventuell als „Gaffer“ bezeichnen lassen müssen? Würde ich direkt die Polizei verständigen? Würde ich mich zwischen die Kontrahenten stellen? Ich selbst möchte keine Angst haben, durch die Stadt zu laufen. Wie jedoch manche ticken, ist nicht unbedingt dazu angetan, eine solche Angst nicht entstehen zu lassen.

Auch im Straßenverkehr fällt mir auf, dass Autos häufig als Waffen eingesetzt werden. Und dass viel Autofahrer das Wort „Rücksicht“ allem Anschein nach aus ihrem Denken und Handeln gestrichen haben. „Kein Auge dem Feind“, denke ich mir manchmal, wenn beim Einfädeln keiner auch nur einen Zentimeter für ein anderes Fahrzeug Platz lässt, an der gerade grün gewordenen Ampel das Hupen des Zweiten in der Schlange ertönt oder ich mir denke, dass die schicken LED-Scheinwerfer hinter mir gleich mein Nummernschild knutschen.

Wir müssen überdenken, warum wir in manchen Situationen so handeln, wie wir es tun. Es bringt uns selbst nichts, sich immer über andere aufzuregen. Das macht uns nur selbst unzufrieden. Etwas mehr Gelassenheit im Alltag könnte uns allen nicht schaden. Ich muss mir da natürlich auch an die eigene Nase fassen. Aber immer nur zu meckern und zu nörgeln macht unglücklich.

Manchmal muss man die sprichwörtlichen Fünfe gerade sein lassen. Manchmal muss man Verständnis für andere aufbringen. Manchmal muss man zurückstecken und nicht auf dem (vermeintlich) eigenen Recht beharren.

Glauben Sie mir: Wenn wir alle umdenken würden oder könnten , wäre das Zusammenleben leichter und es würden weniger schlimme Dinge auf unserer Welt passieren.

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