Zwischenruf: Die „KiKA“-Lawine

Redaktionsleiter Bertram Lenz zur Debatte um das deutsch-syrische Liebespaar, das exklusiv in "Fulda aktuell" über seien Beziehung sprach.

Hätten beide geahnt, welche Lawine sie auslösen, wären Malvina, die junge Frau aus Fulda, und Diaa, der junge Mann aus Aleppo, mit Sicherheit nicht die Protagonisten eines Films geworden, der Ende November 2017 im Kinderkanal „KiKA“ gezeigt worden war. Für das deutsch-syrische Paar ist spätestens seit der Richtigstellung von Diaas Alter durch den „HR“ als verantwortlichem Sender nichts mehr so, wie es einmal war. Bundesweit tauchen in den unterschiedlichsten Publikationen beinahe täglich neue Berichte über die beiden auf, werden verschiedene Dinge offengelegt.

Eine tragende Rolle spielen dabei die so genannten „Sozialen Netzwerke“. Auch unsere Zeitung, der Malvina und Diaa bei einem exklusiv geführten Gespräch Einblicke in ihre Lebens- und Gefühlswelt gaben, wird seit dem vergangenen Wochenende mit „Facebook“-Posts und Kommentaren auf der „lokalo24. de“-Seite überschwemmt. Dabei ist, und da muss ich mich leider wiederholen, erschreckend, welche Wortwahl manche Zeitgenossen an den Tag legen, um ihre Vorurteile zum Ausdruck zu bringen. Worte wie „Gebärmaschine“ sind da noch von der milderen Art.

Ich vermute, dass es den vielen Menschen, die sich berufen fühlen, ihre Meinung abzugeben, nicht bewusst ist, dass sie damit erst recht den Hass schüren. Der in ganz reale Bedrohungen ausarten kann. Nicht zuletzt aus diesem Grunde steht das Paar unter Polizeischutz. Die Beamten haben zudem Verhaltensregeln gegeben, um das aufgeraute Umfeld nicht noch mehr zu provozieren. Dazu gehört auch, dass Diaa sein „Facebook“-Profil gelöscht hat, auf dem er – zugegebenermaßen – einige sehr unbedachte Dinge von sich gegeben hat. Dazu zählen auch Sympathiebekundungen für den Salafisten Pierre Vogel.

Um eines deutlich zu sagen: Es geht nicht darum, die Ängste der Menschen vor einer ausufernden Entwicklung der Flüchtlingswelle beziehungsweise vor deren möglichen Folgen zu ignorieren. Wichtig sind eine sachliche Aufklärung und Auseinandersetzung mit den Gegebenheiten. Abzulehnen sind dagegen das dumpfe Beharren auf Ressentiments und das sture Wiederkäuen rechtspopulistischer Parolen. Und manchen Zeitgenossen sei empfohlen, Texte genau zu lesen, bevor man sich beleidigend äußert. Der junge Afghane beispielsweise, mutmaßlicher Täter des Verbrechens von Kandel, das im Zusammenhang mit dem „KiKA“-Werk immer wieder zitiert wird, gilt so lange als unschuldig, bis er von einem Gericht verurteilt worden ist. So sieht es der deutsche Rechtsstaat vor. Und das ist auch gut so!

Hier geht es zum Artikel über Malwina und Diaa

Und dieser Link führt zum genannten FB-Post

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