Zwischenruf: Macht Schule eigentlich noch Spaß?

Schule und Corona - das verträgt sich nicht immer. Gedanken dazu von Redakteur Christopher Göbel.

Was unsere Kinder seit Mitte März erleben, ist enorm. Das meine ich im Sinne von „außerhalb des Normalen“. Dass die Schulen in Hessen bereits vor den Osterferien geschlossen wurden, hat dazu geführt, dass die Lehrkräfte andere Wege finden mussten – und gefunden haben – ihre Schüler zuhause zu unterrichten. Arbeitsblätter, Aufgaben und auch Lösungen wurden per E-Mail verschickt, andere Schulen nutzten Internet-Plattformen, um mit den Schülern in Kontakt zu bleiben.

Das mit dem Home-Schooling hat an sich auch ganz gut funktioniert – wenn ich von meinen eigenen Kindern spreche. Dass ein bisschen „Hast du schon deine Aufgaben gemacht?“ oder „Musst du heute noch etwas wegschicken?“ dabei vonnöten war, versteht sich wohl von selbst. Aber meine Kinder haben ihre Aufgaben gewissenhaft erledigt und teilweise auch Resonanz der Lehrer bekommen. Ich habe den Eindruck, sie haben eine ganz neue Art des Lernens erlernt. Aber ich denke auch, dass sie sich daran gewöhnt haben, die meiste Zeit des Tages allein zu sein und sich maximal im Chat über schulische Themen auszutauschen.

Aufgeteilt in Kleingruppen

Sechs Wochen, so heißt es, dauert es, bis der Gewöhnungseffekt eintritt. Inklusive der Osterferien, die durch die Verlängerung wegen Corona zunächst als positiv empfunden wurden, waren unsere Kinder noch länger nicht in der Schule. Dass nun an vielen Schulen „Präsenztage“ begonnen haben, um die Kinder wenigstens an einem oder zwei Tagen in der Woche im Schulgebäude zu haben, ist zwar eine Möglichkeit – aber aus eigener Erfahrung würde ich sie nicht als die beste beurteilen.

An der Schule meiner Tochter ist die Klasse in drei Gruppen aufgeteilt. Jede Gruppe hat ihre eigenen Präsenztage. Da kann es passieren, dass die beste Freundin in einer anderen Gruppe ist und in der eigenen so mancher, mit dem man eigentlich gar nichts zu tun hat – oder haben möchte. Schulalltag ist das keineswegs – was in der Coronakrise auch nicht zu erwarten war. Aber ist es gut für die Kinder? Ich weiß von einigen Schülerinnen und Schülern, dass ihnen die Schule auf diese Art keinen Spaß mehr macht, obwohl sie vor Corona gerne dorthin gegangen sind. Das mag auch damit zusammenhängen, dass weitgehend nur noch Deutsch, Mathe und Fremdsprachen unterrichtet werden. Fächer wie Musik, Kunst oder Religion bleiben auf der Strecke.

Regeln und Überwachung

Hinzu kommt auch, dass einige Lehrkräfte, die der Risikogruppen angehören, nicht unterrichten sollen und somit an den Präsenztagen ersetzt werden müssen. Abstandsregeln auf dem Schulhof, veränderte Pausenzeiten und das „Hallo, ist schon jemand auf dem Klo?“ ehe man dieses betritt, dürften ebenfalls dafür sorgen, dass unsere Kinder sich in der Schule einfach nicht mehr wohlfühlen. Das muss nicht in allen Schulen so sein und auch nicht bei allen Schülerinnen und Schülern in Osthessen.

Dass Schule vor Corona mehr Spaß gemacht hat, ist aber eine Erkenntnis, die sich mir aufgrund von Erfahrungen und Erzählungen inzwischen aufdrängt. Es sind noch drei Wochen bis zu den Sommerferien und es werden oft schon die Tage gezählt, die man noch in der Schule sein „muss“. Wie es dann weitergeht, weiß niemand.

Ich kann nur hoffen, dass die Schulleitungen mit den Lehrerinnen und Lehrern gemeinsam Wege finden, dass unseren Kindern die Schule und das Lernen wieder Spaß macht. Dass sie wieder gerne hingehen, denn die sozialen Kontakte tagtäglich in der Schule sind wichtig für unsere Kinder. Es ist meine große Hoffnung, dass die Coronakrise bald überwunden ist und sich ein normaler Schulalltag einstellt – in dem unsere Kinder ihre Freunde auf dem Schulhof und im Klassenraum treffen können und wieder ins „normale“ Schulleben zurückfinden.

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