Zwischenruf: Das Schweigen der Sirenen

Der Pannen-Warntag und die Meinung von Redakteur Christopher Göbel zu dem Experiment.

Zum Glück war es nur ein Test. Aber einer, der vielerorts voll abgeschmiert ist. „Warntag 2020“ nannte sich die Aktion, die lange vorher angekündigt worden war. Damit sollte getestet werden, wie man die Bevölkerung im Notfall flächendeckend warnen kann.

Sagen wir es mal so: Wäre gestern ein Atomkraftwerk explodiert, dann hätten wir es nicht gleich erfahren. In vielen Städten und Gemeinden gibt es beispielsweise gar keine Sirenen mehr, die warnen könnten. Auch die modernen Medien wie die Smartphone-Apps „Katwarn“ und „NINA“ haben den Probealarm auf manchen Handys mit fast 30-minütiger Verzögerung ausgelöst. Im Falle eines Falles ist das mit Sicherheit zu lang. Ich habe beide Apps seit längerer Zeit installiert und ich muss sagen, dass die dort verbreiteten Meldungen immer erst eintreffen, wenn per Radio und Fernsehen oder Internet schon lange bekannt ist, wovor gewarnt wird. Da ist noch viel Luft nach oben.

Dass dieser Test so fehlgelaufen ist, sollte nun für die Verantwortlichen ein deutliches Zeichen sein, dass nachgebessert werden muss. Ich will hoffen, dass wir hier niemals tatsächlich vor echten Katastrophen gewarnt werden müssen. Sollte es aber einmal der Fall sein, dann hoffentlich wirklich rechtzeitig.

Vielleicht ist es tatsächlich derzeit noch der beste Weg, wenn Polizeiwagen mit Megaphon-Durchsagen durch die Straßen fahren, um die Menschen zu warnen. Oder Kirchenglocken läuten. Die funktionieren meistens immer und ohne Probleme.

Was mich etwas irritiert hat: Gelegentlich höre ich bei mir zuhause samstags Sirenen. Gestern um 11 Uhr war in meinem Home-Office aber erstaunlicherweise absolute Ruhe. Gibt es nun keine Sirenen oder hat am Warntag jemand vergessen, sie einzuschalten? Der Warntag war also eine Warnung an die Warnenden, dass sie (noch) nicht korrekt warnen können.

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