Zwischenruf: Stiefkind Kultur in der Coronakrise

Geschlossene Theater und Kinos, abgesagte Veranstaltungen - und Künstler, die vor dem Nichts stehen: Um diese macht sich Redakteur Christopher Göbel Gedanken.

Mit dem erneuten Lockdown ist auch das Kulturleben in unserem Land wieder vollständig zum Erliegen gekommen. Tausende Kunstschaffende stehen wieder vor dem Nichts – ähnlich den Gastronomen. Wie sie haben auch die Theater landauf, landab für Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln gesorgt, um einer Ausbreitung des Coronavirus zu begegnen.

Und nun? Die Kunst hat in unserem Land keine Lobby. Kunst und Kultur sind in den Augen vieler Menschen entweder „Luxus“ oder gar „überflüssig“. Aber ich frage Sie: Wo wären wir heute ohne Kunst und Kultur? Ohne die Musik, ohne Malerei, Bildhauerei, Theaterstücke oder Bücher? Wahrscheinlich noch auf Bäumen im Wald. Und „Kunst“ ist nicht nur das, was im Museum hängt, sondern letztendlich auch das, was bei Schlagersendern aus dem Lautsprecher kommt.

Kunst ist vielseitig, lehrreich oder einfach nur etwas, um Hirn und Herz zu erfreuen und anzuregen, über die Welt nachzudenken. Was aber auch klar ist: Vor allem für Freischaffende Künstler sind die Corona-Pandemie und die beiden Lockdowns existenzbedrohend. Ist Kunst hierzulande auch zumeist ein Zuschussgeschäft, so gibt es für viele Schauspieler, die derzeit keine Einnahmen generieren können, nur den Weg zum Amt.

Für Kunstschaffende heißt das in der Krise, vor allem kreativ zu sein. Ideen zu entwickeln und Möglichkeiten finden, trotz geschlossener Theater und Konzerthäuser Geld zu verdienen. Ein Beispiel dafür ist Friedrich Rau, in Fulda als „Medicus“ und aus „Bonifatius“ bestens bekannt. Auf „Facebook“ hat er bereits im ersten Lockdown wöchentliche „Wohnzimmerkonzerte“ per Livestream gegeben. Er hatte die Idee, mit seiner Musik und seinem Gesang auf diese Weise (auf Freiwilligen-Basis) Einnahmen zu generieren, um seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Das ist zumindest eine Möglichkeit.

Ich frage mich aber auch, warum Theater schließen mussten, Gottesdienstbesuche aber erlaubt bleiben. Als Kirchenvorstandsmitglied freut mich das natürlich, aber letztendlich treffen in den Kirchen viele Menschen aufeinander. Mit Abstand, Teilnehmerlisten und Hygienemaßnahmen natürlich. Doch wo ist der Unterschied zu einem gut organisierten Theater oder Kino, in dem auf all das ebenfalls geachtet wird?

Ich kann nur hoffen, dass nach der Corona-Pandemie die Kulturlandschaft vom Dorftheater bis zu den großen Bühnen nicht so geschrumpft sein wird, dass aus dem Land der Dichter und Denker eine öde Landschaft geworden ist, weil sich die Kunstschaffenden anderweitig orientieren mussten.

„Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit“, sagte einst Friedrich Schiller. Heute müsste man sagen: „Die Kunst ist das Stiefkind der Gesellschaft“. Sehr, sehr traurig ist das.

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