23-Jähriger Bewährungsversager kommt knapp um Gefängnisstrafe herum

"Letzte Warnung": Richter gibt alkoholkranken Mann aus dem Altkreis Münden nochmal eine Chance

Hann. Münden. Um Haaresbreite ist in der vergangenen Woche ein junger Mann aus dem Altkreis Münden um einen Gefängnisaufenthalt herumgekommen. Der 23-Jährige, der bereits im November vergangenen Jahres unter anderem wegen mehrfachen Diebstahls und Sachbeschädigung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung verurteilt worden war (wir berichteten), musste sich erneut wegen Körperverletzung verantworten. Diesmal hatte der Angeklagte im Januar seiner Ex-Freundin mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Hämatome waren die Folge. Die 20-Jährige klagt seit der Tat über ein wiederkehrendes Taubheitsgefühl an der Schläfe. Beide hatten an dem Abend des Vorfalls getrunken, waren zu dem Zeitpunkt schon getrennt. Sie hatten einen Streit, es kam zu Schubsereien und schließlich zum Schlag. Was der Auslöser für den Streit gewesen war, daran konnten sich beide Seiten bei ihrer Aussage vor Gericht nicht mehr erinnern. Das Opfer berichtete aber von einem hohen Aggressionspotential des 23-Jährigen. Sobald er Alkohol getrunken habe, gerate er außer Kontrolle. Der Angreifer gab an aufgrund des hohen Alkoholkonsums einen „Blackout“ gehabt zu haben – er könne sich weder an den Streit noch an den Schlag erinnern. Noch am Abend stellten herbeigerufene Beamte einen Alkoholgehalt von 2,7 Promille fest. Er habe regelmäßig getrunken, absolviere aber seit April eine Entgiftung, um vom Alkohol loszukommen. Zudem wolle er im Anschluss eine Langzeittherapie antreten. Er wünsche sich einen Beruf zu erlernen. Ein Aufenthalt im Gefängnis wäre für ihn das Schlimmste.

Entgiftung lässt hoffen

Der 23-Jährige ist bereits einschlägig vorbestraft: Körperverletzungsdelikte waren ebenso in seinem Vorstrafenregister vermerkt, wie Verurteilungen wegen Beleidigungen, Diebstählen und Sachbeschädigungen. Richter Dr. Martin Rammert fiel es deshalb schwer erneut eine Bewährungsstrafe zu verhängen. Er tat es aber dennoch, in dem Glauben, dass der Angeklagte sein Leben endlich in den Griff bekommt: „Es ist die letzte Warnung. In ganz Deutschland werden sie keinen Richter finden, der zum dritten Mal zu einer Bewährungsstrafe kommt. Aber Sie haben in der Zwischenzeit eine Entgiftung angetreten und sich selbst darum bemüht, Ihr Leben auf die Reihe zu bekommen. Das gibt in meinen Augen den Ausschlag, dass Sie noch eine Bewährung verdient haben.“

Er empfahl dem jungen Mann seine Therapie ernst zu nehmen und danach einen Schulabschluss respektive eine Ausbildung zu machen. Bislang hatte der 23-Jährige, der von komplizierten privaten Verhältnissen sprach und schilderte, seit dem 14. Lebensjahr bei Pflegefamilien aufgewachsen zu sein, seine eigene berufliche Perspektive vernachlässigt. „Mit Freunden abhängen“ sei ihm früher wichtiger gewesen. Nun wolle er sein Leben aber umkrempeln und „keine Scheiße mehr machen“. „Ich will mein Leben in den Griff kriegen und nicht irgendwann wirklich im Gefängnis landen. Was passiert ist tut mir sehr leid“, sagte er mit leiser Stimme. Für den als Körperverletzung gewerteten Faustschlag wurde er zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung verurteilt. Ihn wird ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt und er hat die Kosten des Verfahrens zu tragen.

Sollte er in absehbarer Zeit erneut auf die schiefe Bahn geraten, droht ihm mindestens ein Jahr Haft, denn die beiden früheren Bewährungen würden widerrufen und zu einer Gesamtfreiheitsstrafe zusammen gefasst – ohne Berücksichtigung der neuen Verurteilung, die dann noch hinzu käme.

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