Alkohol macht Senior wild

Schwerwiegende Vorwürfe: 67-Jähriger soll Frauen in Hann. Münden mit Drohungen und Schlägen drangsaliert, sexuell belästigt und eine von ihnen vergewaltigt haben

Hann. Münden.  Jedes Mal wenn er Alkohol trinke, werde er aggressiv und das sei sehr oft der Fall, so der 67-Jährige, der sich derzeit vor einem Mündener Schöffengericht verantworten muss. Ihm wird vorgeworfen vor zwei Jahren in mehreren Fällen Mitbewohnerinnen einer Einrichtung der psychiatrischen Fachpflege und Behindertenhilfe angegriffen, beleidigt und sexuell bedrängt zu haben. Auch den Vorwurf der Vergewaltigung erhob die Göttinger Staatsanwaltschaft am heutigen Donnerstag. Außerdem soll der Angeklagte eine Pflegerin der Einrichtung, Mitarbeiter einer Hedemündener Tankstelle und des Penny-Marktes in Hann. Münden geschlagen und verletzt haben. Der Angeklagte räumte die Taten zum Teil ein, könne sich aber an vieles nicht mehr genau erinnern.

Frauen als Opfer

Zwischen Januar bis August 2015 soll der aus dem Werra-Meißner-Kreis stammende Mann gleich mehrmals Frauen angegriffen haben. Im Januar soll er die Mitarbeiterin einer Tankstelle in Hedemünden auf den Kehlkopf geschlagen haben, weil er nicht genug Geld dabei hatte, um Bierdosen zu kaufen. Die 39-jährige Geschädigte, die mehrere Wochen krankgeschrieben wurde, leide noch heute an den körperlichen und psychischen Folgen.

Im Juni soll der Angeklagte eine Mitbewohnerin einer Fachpflege-Einrichtung bedroht und geohrfeigt haben. Wenige Tage später habe er einen Mündener Penny-Markt trotz Hausverbot betreten und eine Mitarbeiterin beschimpft und ins Gesicht geschlagen, so die Aussage eines 32-jährigen Kunden, der der Angestellten zu Hilfe kam. Ebenfalls im Juni soll der Angeklagte eine Pflegehelferin einer Mündener Fachpflege-Einrichtung gegen Kopf und Brustbein geschlagen haben, nachdem diese ihm aus dem Zimmer einer Mitbewohnerin gebeten hatte. Bei dem nikotin- und koffeinabhängigen Opfer habe der 67-jährige als Gegenleistung für Zigaretten und Kaffee sexuelle Dinge gefordert und sich die psychische Instabilität der Frau ausnutzen wollen, berichtete die geschädigte Pflegekraft. Bei ihr hätten sich weitere Bewohnerinnen der Einrichtung wegen sexueller Übergriffe des Mannes beschwert. Die 58-Jährige bezeichnete den Angeklagten als „Zeitbombe“. Auch sie habe nach dem Angriff unter Angst und Schlafstörungen gelitten und sei wegen einer Gehirnerschütterung und Prellungen am Oberkörper mehrere Wochen krankgeschrieben worden.

Zu den Tatzeitpunkten soll der Mann erheblich alkoholisiert aber dennoch orientiert gewesen sein, so die Aussagen mehrerer Polizeibeamter, die zu den jeweiligen Tatorten gerufen worden waren.

Im Juli 2015 sei es laut Anklageschrift zu erzwungenen sexuellen Handlungen mit einer Mitbewohnerin des Pflegeheims gekommen. Der 67-Jährige habe seinem Opfer an die Brust gefasst und sie gegen ihren Willen dazu gebracht sein Geschlechtsteil anzufassen und Oralverkehr bis zum Samenerguss zu vollziehen. Zu diesem schwerwiegenden Vorwurf wurde am Donnerstag nichts Näheres bekannt. Weitere Zeugen werden an den beiden noch ausstehenden Verhandlungstagen gehört.

Angeklagter leidet an Persönlichkeitsstörung

Laut ärztlichem Gutachten leide der Angeklagte an Alkoholsucht und einer Persönlichkeitsstörung. Ihm zur Seite stehe ein Betreuer, der vor allem die Finanzen des 67-Jährigen verwalte: „Ansonsten würde er es in Alkohol umsetzen“, so der 30-jährige Ergotherapeut. Sein Schützling erhalte eine Art Taschengeld, sei dennoch regelmäßig alkoholisiert. Ernste Absichten sein Alkoholproblem mit einer Therapie in den Griff zu bekommen, habe er bei dem 67-Jährigen nicht entdecken können.

Wie der Angeklagte mitteilte, habe er bereits 2007 einen Entzug gemacht, war nach einem Jahr Abstinenz aber wieder in alte Verhaltensmuster zurückgefallen. Sein Pensum von 14 Flaschen Bier pro Tag habe er heute auf bis zu vier reduziert. Der 67-Jährige hat keinerlei Vorstrafen. Ein Urteil wird Ende des Monats erwartet.

Rubriklistenbild: © dpa

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