Altar als OP-Tisch

Heimischer Arzt sah das Elend dieser Welt:Zehn Wochen half er den rmsten der ArmenVon MATHIAS SIMONFriedland/Reckershausen. Viel Leid und Elend

Heimischer Arzt sah das Elend dieser Welt:Zehn Wochen half er den rmsten der Armen

Von MATHIAS SIMON

Friedland/Reckershausen. Viel Leid und Elend sah Dr. Christoph Schade bei seinem Abstecher in Kenia. Kurzfristig entschied sich der 52-Jhrige dem durch Brgerkrieg arg gebeutelten Menschen in diesem Land zu helfen. Mit der Organisation ,Lands-Aid trat Schade Anfang des Jahres in Kontakt: Ich hatte zu der Zeit keinerlei Verpflichtungen und sagte spontan zu, erinnert sich Schade, der Lehrauftrge an den Universitten in Gttingen und Wrzburg nachgeht. Mitte Mrz sa er auch schon im Flieger Richtung Afrika.

5.000 Patienten in 10 Wochen behandelt

Dort angekommen gab es fr den Reckershuser viel zu tun: Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, diagnostizierte er in nur zehn Wochen die Krankheiten von rund 5.000 Menschen. Jeden Tag fuhr mit Schade ein sechskpfiges Team, darunter Krankenschwestern und einheimischen Helfer, mit dem Jeep in die entlegensten Provinzen. Hier wurden pro Tag bis zu 150 Menschen in die behelfsmig zu Kliniken umgebauten Kirchen der Anglikanischen Dizesen behandelt. Eine Akkordarbeit: Vor Ort wurden eine Patienten-Annahmestelle, ein Sprechzimmer sowie ein Apotheke eingerichtet, an denen Medikamente ausgegeben wurden. Von Krankenkassenkarten oder hnlichem keine Spur. berhaupt wre der ganze Ablauf von der Anmeldung ber die Behandlung bis zur Medikamentenausgabe sehr unbrokratisch verlaufen. Sehr zur Freude von Christoph Schade.

OP auf dem Altar

Wir waren Dank ,Apotheker ohne Grenzen sehr gut ausgestattet. Verbandsmaterial, Medikamente und chirurgisches Material waren vorhanden. Falls ntig wurde auf dem Altar operiert, erklrt Schade.Moderne Hightech-Gerte gab es allerdings nicht. Ultraschall ersetzten wir beispielsweise durch das klassische Abtasten der Patienten.

Schwere Erkrankungen an der Tagesordnung

Das Krankheitsspektrum unter den Menschen ist gro. Zum Teil lebensgefhrliche Erkrankungen wie Infektionen, Parasitenbefall oder Verbrennungen wurden behandelt. Dank der guten, schnell wirkenden Medikamente wurde man dort schnell zum Wunderdoktor, so Schade. Aber nicht immer konnte der Allgemeinmediziner den oft in langen Schlangen anstehenden Menschen helfen: Kinder, die sich mit HIV infiziert haben tun einem immer besonders leid. Mittlerweile haben aber die Kollegen aus den USA ein wirksamen Hilfsprogramm entwickelt, das die berlebenschancen deutlich verbessert, erklrt Schade.

Von montags bis samstags rund zehn Stunden unterwegs zu sein, sei auf Dauer sehr anstrengend gewesen. Zehn Pfund hat der 52-Jhrige in Kenia abgenommen. Vor allem am Anfang dauerte es etwas, bis sich die heilenden Helfer richtig eingespielt hatte: Ich bin sehr froh, dass ich den Schritt gewagt habe. Was gibt es schneres fr einen Arzt akut erkrankten Menschen effektiv zu helfen?, fragt Schade. Einen rztemangel gebe es nicht. Viele seiner Kolleginnen und Kollegen wrden im Jahr mindestens zwei Monate in Krisengebiete verreisen, um dort zu helfen. Gerade fr junge rzte sei die Erfahrung sehr hilfreich: Man kann sehr viel von der Arbeit mitnehmen. Reich werden kann man mit dem Job allerdings nicht.

Die Organisation ,Lands-Aid bernahm zwar die Kosten fr bernachtung und Verpflegung, aber das Bier am Wochenende htte er selbst bezahlen mssen, bemerkt Schade augenzwinkernd. Nach seiner Rckkehr aus Kenia muss sich der Reckershuser allerdings erst einmal einer ungeliebten Aufgabe widmen: Rechnungen und Post sind in seiner Abwesenheit liegengeblieben: Dagegen war der Ablauf in Kenia viel angenehmer. Auf die ganze Brokratie knnte ich hier auch gut und gerne verzichten. Weitere Informationen zur noch recht jungen Organisation ,Lands-Aid, die sich aus Spenden finanziert, finden Interessenten auf www.landsaid.org.

+++ZUSATZ-INFO+++

Unruhen in Kenia

Prsident Mwai Kibaki (vom Stamm der Kikuyu), Raila Odinga (vom Stamm der Luo) und Kalonzo Musyoka traten in der Prsidentenwahl im Dezember 2007 als Kandidaten an. Kibaki wurde hierbei mit einer knappen Mehrheit im Amt besttigt. Die Opposition und internationale Wahlbeobachter sprechen von massiven Wahlflschungen. Nach der Bekanntgabe der Vereidigung von Mwai Kibaki zum Prsidenten kommt es in ganz Kenia zu schweren Auseinandersetzungen zwischen den Sicherheitskrften und Demonstranten. Schwerpunkt der gewaltttigen Auseinandersetzungen sind die Hauptstadt Nairobi und Kisumu. Angeheizt wird die Situation durch ethnisch motivierte Gewaltakte in mehreren Landesteilen, die fr einen Wechsel stimmten. Sie richten sich vor allem gegen Kikuyus, also Angehrige der Ethnie von Prsident Kibaki. In Kenia leben etwa 40 Millionen Menschen.

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