Geldstrafe: 33-Jähriger soll 2.250 Euro zahlen

"Glaube nicht an Verschwörungstheorien": Richterin zweifelt nach Verletzung einer 44-Jährigen das Alibi des Angeklagten an

Hann. Münden. Zu einer Geldstrafe von 2.250 Euro wurde ein 33-Jähriger in der vergangenen Woche vor dem Mündener Amtsgericht verurteilt. Obwohl der Mann bestritt seine ehemalige Lebensgefährtin im Juni 2018 im Botanischen Garten geschlagen und getreten zu haben, befand ihn das Gericht für schuldig. Die 44-Jährige erlitt multiple Prellungen an Rücken und Kopf.

Wackeliges Alibi: Fußball-WM

Am dritten Verhandlungstag sagten zwei Polizeibeamte aus, die den 33-Jährigen wenige Stunden nach dem Vorfall zuhause aufsuchten und befragten. Sein Alibi: Er habe den ganzen Tag zuhause verbracht und Fußball-WM geschaut. Verdächtig sei es beiden vorgekommen, dass der Mann weder sagen konnte wer gegen wen gespielt hatte, noch wie die Ergebnisse lauteten. Einer der Beamten sprach von einer gespielten Aufregung: „Ich habe ihm an dem Tag kein einziges Wort geglaubt.“

 Auch die Söhne des Opfers erschienen vor Gericht. Der jüngere der Beiden (21) habe von dem Treffen der Mutter mit ihrem Ex gewusst, sei nach dem Angriff angerufen worden. Beim Eintreffen im Botanischen Garten hätten er sie verletzt aufgefunden, mit ihrer zerbrochenen Gebiss-Prothese in der Hand. Er erinnerte sich auch an einen ähnlichen Vorfall im April vergangenen Jahres, an dem der Angeklagte schon einmal ausgerastet sein soll. Gemeinsam mit dem Vater habe der Sohn die Mutter auf eigenen Wunsch abgeholt. Die Auswertung des Mobiltelefons des 33-Jährigen hatte ergeben, dass unmittelbar vor der Tat ein Treffen im Stadtpark per E-Mail verabredet wurde. Der Angeklagte hatte jedoch behauptet, schon Monate vor dem Vorfall den Kontakt abgebrochen zu haben. Er glaube, dass die 44-Jährige das Ganze inszeniert habe, weil sie mit der Trennung nicht klargekommen sei. Sie habe seine E-Mail-Adresse sowie sein Passwort besessen, sich damit jederzeit einloggen und Nachrichten schreiben können – und die gesamte von der Polizei ausgewerteten Chatverläufe vermutlich alleine verfasst.

Richterin Dr. Christine Kunst bezweifelte, dass das Opfer über Monate hinweg Mailverläufe manipuliert habe, um ihrem Ex eins auszuwischen. Auch die Verletzungen, die sie am Kopf erlitt, müsse sie sich selbst oder jemand anderer zugefügt haben: „Ich bin nicht von diesen Verschwörungstheorien überzeugt.“ Zudem habe das Opfer nicht bei seiner Aussage übertrieben oder den Anschein gemacht, ihrem ehemaligen Freund absichtlich schaden zu wollen. Zur Aussage der Mutter des 33-Jährigen, die sagte, ihr Sohn habe mit ihr den ganzen Tag zuhause verbracht und Spiele der Fußball-WM geschaut, sagte Kunst: „Vielleicht hat sie nicht bemerkt oder nicht bemerken wollen, dass ihr Sohn eine halbe Stunde weg war, um seine Ex-Freundin im Park zu treffen.“ Es sei höchst merkwürdig, dass der Mann den Polizisten bei der Vernehmung am Abend der Tat weder Ergebnisse noch Spielpaarungen des Sportereignisses nennen konnte.

Der Verteidiger des 33-Jährigen kündigte an, das Urteil anfechten zu wollen. Vieles spreche dafür, dass die Chatverläufe manipuliert worden seien.

Rubriklistenbild: © MEV-Verlag, Germany

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