,Arsch bleibt Arsch’

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Manfred Theisen (Mitte) fühlte sich im Kreise der Achtklässler sichtlich wohl. Nach seiner Lesung signierte er Autogrammkarten für den Nachwuchs.

Hann. Münden. 45. Göttinger Kinder- und Jugendbuchwoche: Auftakt mit Jugendbuchautor Theisen.

Hann. Münden. Unter dem Titel: "Traum und Wirklichkeit – Träume lesen und sehen" findet in diesen Tagen die 45. Göttinger Kinder- und Jugendbuchwoche der GEW statt. In der Grundschulen Hedemünden und Hemeln sowie der Schule am Botanischen Garten lasen Kinder- und Jugendbuchautoren aus ihren Werken vor. Einer von ihnen ist Manfred Theisen aus Köln.

Der 51-Jährige studierte Germanistik, Anglistik und Politik, forschte zwei Jahre für das deutsche Innenministerium in der Sowjetunion, arbeitete als Redakteur und leitete eine Kölner Zeitungsredaktion. Heute lebt er als freier Autor in seiner Heimatstadt. Bücher wie "Checkpoint Jerusalem", "Amok", "Täglich die Angst" und "Nerd Forever-im Würgegriff der Schule" stammen aus seiner Feder. Letzteres handelt von Mobbing, Theisen stellte es am Montag in der Schule am Botanischen Garten vor. Da fielen auch mal Kraftausdrücke: "Arsch bleibt Arsch. Wenn jemand einen anderen mit Worten verletzt ist er ein Arsch. Ändern wird man ihn nicht können, aber man muss sich an seinem Handeln auch kein Beispiel nehmen oder über sein Auftreten lachen." Obwohl das Buch einen ernsten Hintergrund hat, dachte sich Theisen verrückte Geschichten mit noch aberwitzigen Wendungen und Inhalten aus. "Das Mobbing böse ist, wissen die Kids, deshalb wollte ich ein wenig schräg an das Thema herangehen", so der 51-Jährige. Neu für ihn war die Zusammenarbeit mit Fabrice, einem 15-Jährigen Zeichner, der die Bilder zu den skurrilen Geschichten des Autors beisteuerte. Ihn lernte Theisen während eines Schreibworkshops kennen. "Fabrice wollte partout nicht schreiben und so schlug ich ihm vor, Geschichten zu zeichnen. Dabei entstand der Nerd, die Hauptfigur des Buches", so der Autor. Aus Fabrice’ Bildern und Theisens Texten entstand ein Jugendbuch, dass aus dem Rahmen fällt und im Gegensatz zu anderer Literatur alles andere als übertrieben fürsorglich aufgemacht ist. "Genau sowas wollen die jungen Leute heute lesen. Eine Satire aufs Schulleben ist etwas neues", meint Theisen. Fortsetzungen von "Nerd Forever" seien schon geplant.

Autor spricht Sprache des Nachwuchses

Theisen sei in einfachen Verhältnissen aufgewachsen, habe aber in einem piekfeinen Gymnasium die Schulbank gedrückt. "Damals war ich der Asi, war zugegeben auch eher Täter als Opfer. Aber ich habe daraus gelernt, mich geändert, weil es falsch ist", sagt er zu den Heranwachsenden. Seine Wortwahl klingt für einen solch qualifizierten und reifen Mann ungewöhnlich, dabei spricht er die Sprache des Nachwuchses. Er begegnet ihnen dadurch auf Augenhöhe, schwingt keinen pädagogischen Zeigefinder. Mit voller Absicht, denn Theisen will den Mädchen und Jungen nichts vorschreiben, sondern sie überzeugen, dass Mobbing kränkt. Opfer unter Umständen zu neuen Tätern macht (Theisen: "Das sind dann Mopfer"), es zu einer Kettenreaktion kommt. Somit würden Mobber auch nie aussterben.

Ganz nebenbei begeistert der Kölner die Heranwachsenden nicht nur fürs Lesen, sondern auch fürs Schreiben. Bei den erwähnten Schreibworkshops besucht der Kölner Schulen, gibt Tipps und Anregungen.

Solche Autorenbegegnungen und Gespräche mit den Kinder- und Jugendbuchautoren zählen zu den Pluspunkten der Göttinger Kinder- und Jugendbuchwoche, machen auch Lust auf eigenes Erzählen. So haben beispielsweise vier junge Inhaftierte des Offenen Jugendvollzugs in Göttingen im Rahmen des Projekts "Mediales Schreiben" mit dem Autor zusammen gearbeitet Und dazu gehört schon eine Menge Vertrauen.

Hintergrund

In diesem Herbst geht die Göttinger Kinder- und Jugendbuchwoche der GEW in die 45. Runde. Alles fing 1959 an, als Karl Bitter begann, sich neben seinem hauptamtlichen Beruf als Lehrer und später Rektor der Anne-Frank-Schule in Rosdorf für die Leseförderung einzusetzen. Veranstalter der Lesewoche ist seither der Kreisverband Göttingen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Mittlerweile kommen etwa 3.500 Kinder und Jugendliche in den Genuss, Autorinnen und Autoren persönlich kennenzulernen.Martin Ebbertz aus Boppard, Hanna Jansen aus Sassen, Annette Neubauer und Manfred Theisen aus Köln, Regina Schwarz aus Langenfeld, die Illustratorin Julia Dürr aus Berlin und Wolfgang Bittner aus Göttingen lesen in diesem Jahr in mehr als 80 Veranstaltungen aus ihren Büchern, beantworten Fragen, plaudern aus dem Nähkästchen.

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