Aufklären, nicht anklagen

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Karin Tuchler vom Mündener Tierschutzverein mit Milo.

Mündener Tierschutzverein erklärt, wie man bei Tierleid richtig handelt

Hann. Münden. Was ist zu tun, wenn man Verstöße gegen das Tierschutzgesetz entdeckt und man gefiederten Freunden oder Vierbeinern helfen möchte? Der Mündener Tierschutzverein beschäftigt sich regelmäßig mit diesem Thema, wird oft angesprochen, wenn es in der Stadt Auffälligkeiten gibt. Nicht immer stecken böse Absichten hinter Versäumnissen, manchmal wissen es Tierbesitzer einfach nicht besser. Dann heißt es genau hinsehen und handeln – aber alles im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten: „Ständiges Heulen und Bellen eines Hundes oder Schmerzensschreie von Tieren jeglicher Art sollten schon aufhorchen lassen. Am Erscheinungsbild und dem Verhalten von Tieren kann man bereits Probleme erkennen. Abgemagerte oder humpelnde Kreaturen sind nicht normal. Haben sie zudem genügend Auslauf, werden sie gut behandelt oder herrscht ein aggressiver Umgangston? Das alles könnte auf einen Gesetzesverstoß hindeuten“, informiert Karin Tuchler, Vorstandsmitglied im Tierschutzverein Hann. Münden. Viele Menschen seien sich auf der einen Seite zu wenig ihrer Verantwortung, auf der anderen Seite aber auch nicht ihrer Möglichkeiten bewusst: „Grundsätzlich gilt. dass Jeder eingreifen sollte, wenn er etwas bemerkt. Man sollte jedoch nicht anklagen, sondern aufklären, natürlich alles im Sinn des Tieres oder der Tiere, denn die haben auch Rechte.“ Anlaufstellen seien neben dem Verein Polizei, Ordnungs- bzw. Veterinäramt sowie Feuerwehr, falls Tiere in Not geraten seien und man keinen konkreten Besitzern erkennen könnet.

Werden Tiere vernachlässigt, sollte der Verdacht auf Verstoß gegen das Tierschutzgesetz dokumentiert werden: „Das kann mit dem Handy geschehen. Man kann damit Fotos oder Videos aufnehmen und dazu seine Beobachtungen aufschreiben. Sollte man sich unsicher sein, ob eine Grenze überschritten wurde, kann man uns gerne kontaktieren und nachfragen. Ist man sich sicher, dann sollte das zuständige Veterinäramt eingeschaltet werden, dass wiederum die Tierhaltung kontrolliert und gegebenenfalls Auflagen erteilt“, so Tuchler weiter. Von Hürden sollte man sich nicht entmutigen lassen, etwas Mut sollte man aufbringen und Missständen auf den Grund gehen. „Natürlich können rechtliche Androhungen, die Angst vor falschen Beschuldigungen und vielleicht auch persönliche Beziehungen zu den Haltern eine abschreckende Wirkung haben. Dadurch verbessert sich aber die Lage des betroffenen Tieres nicht. Deshalb sollte man penetrant sein, auch wenn es Überwindung kostet. Man kann Position stärken, indem man ein Netzwerk aufbaut und nutzt, Informationen austauscht, Aufgaben verteilt und so gemeinsam vorgeht.“

Aktueller Fall in Neumünden

Ulrich Lottmann, Pressesprecher des Landkreises Göttingen teilte auf Anfrage mit, dass die Veterinärbehörde im Falle von Tierschutzverletzungen erster Ansprechpartner sei. Grundsätzlich gehe sie jedem Hinweis nach und mache sich durch Anhörungen und gegebenenfalls vor Ort ein Bild von den jeweiligen Umständen. Aktuell liege dem Landkreis eine Anzeige gegen eine Neumündener Einrichtung vor, die gerade bearbeitet werde. Nach Informationen, die der Mündener Rundschau vorliegen, sollen in der Einrichtung mehrere Tierarten gleichzeitig gehalten werden. „Es handelt sich um ein laufendes Verwaltungsverfahren, deshalb kann ich zum konkreten Fall keine weiteren Informationen geben“, so Lottmann.

Tierquälerei als Straftat

Tierquälerei ist in Deutschland nach dem Tierschutzgesetz strafbar. Als Tierquälerei wird die in § 17 Tierschutzgesetz (TierSchG) beschriebene Straftat bezeichnet, ohne dass dieser Begriff im Gesetz gebraucht wird. Nach § 17 wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, wer vorsätzlich ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet oder einem Wirbeltier aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt oder länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt. Außerdem kann ein bis zu lebenslanges Verbot verhängt werden, Tiere zu halten oder zu betreuen oder mit ihnen sonst wie beruflich umzugehen. Betroffene Tiere können eingezogen werden. Für weniger schwere, dann auch fahrlässige Formen der Tiermisshandlung sind Bußgelder zu verhängen. Handelt es sich dabei um ein fremdes Tier, so kann die Tat nach dem § 303 des Strafgesetzbuches außerdem als Sachbeschädigung (§ 303 Strafgesetzbuch) strafbar sein, wobei Tierschützer erfolglos gegen diese Begrifflichkeit protestiert haben. § 2 Tierschutzgesetz definiert die Anforderungen an den Halter und Betreuer von Tieren. Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat, muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen, darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden, muss über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.

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