Ausbildung statt Studium

(V.li.) Hasan Akman (Vorstandsmitglied der DITIB-Gemeinde), Rümaysa Üstündag (Azubi), Susann Lambrecht (Vorstandsmitglied der Gesundheitsregion), Harald Wegener (Bürgermeister), Hannan Cakmak (Elternlotzin) und Sadik Senel (Azubi).
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(V.li.) Hasan Akman (Vorstandsmitglied der DITIB-Gemeinde), Rümaysa Üstündag (Azubi), Susann Lambrecht (Vorstandsmitglied der Gesundheitsregion), Harald Wegener (Bürgermeister), Hannan Cakmak (Elternlotzin) und Sadik Senel (Azubi).

Chancen und Hürden für junge Migranten.

Von Helga Piekatz

Hann. Münden. "Perspektive Ausbildungsberuf" ist eine Kampagne der Beschäftigungsförderung Göttingen. Am Donnerstag trafen sich Ausbildungsexperten, Eltern und Auszubildende im Veranstaltungssaal des Geschwister-Scholl-Hauses zu einem Podiumsgespräch. Es ging um "Chancen und Hürden für Jugendliche mit einem Zuwanderungshintergrund." Nach einer Einführung von Thomas Deimel-Bessler, Beschäftigungsförderung Göttingen, sprach Isa Sandiraz, Integrationsbeauftragter des Landkreises Göttingen, über die Schwierigkeiten von Jugendlichen mit Migrationshintergrund beim Ergreifen des gewünschten Berufes. Dabei spielen auch Vorurteile von Seiten der Ausbildungsbetriebe eine Rolle. (Derzeit bilden 15 Prozent aller Ausbildungsbetriebe in Deutschland Jugendliche mit Migrationshintergrund aus, 60 Prozent haben noch nie einem Jugendlichen mit Migrationshintergrund eine Ausbildungsstelle gegeben). Ebenso besteht Unkenntnis über die guten Zukunftschancen eines Ausbildungsberufes von Seiten der Eltern, "da sie aus ihren Herkunftsländern anderes gewohnt sind".Aus eigener Erfahrung berichtete Susann Lambrecht, Vorstandsmitglied Gesundheitsregion e.V. und Ressortleiterin Pflege der AWO. Mit einer abgeschlossenen Ausbildung gäbe es gute Zukunftsaussichten, auf fachlicher und Managementebene, insbesondere im Gesundheitsbereich. Auch der Weg zum Studium würde sich öffnen. Fachkräfte werden in Deutschland gesucht. Die "Gesellschaft wird bunter". In Göttingen gebe es den "Markt der Berufe", eine interkulturelle Ausbildungs- und Berufsmesse. Ein ähnliches Projekt wünschte sie sich für Münden.

Wegener: "Praxis in die Schulen tragen"

Hann. Mündens Bürgermeister Harald Wegener sagte, in Deutschland gäbe es 330 Ausbildungsberufe. Sein Anliegen, die "Praxis in Schule hereintragen", um die Schüler im Vorfeld zu informieren und das Interesse für das Handwerk zu wecken. Beim "Schülercoaching" werden zwischen Schüler und Coach Fragen erläutert wie "Welches Ziel steckst du dir?", wurde das Ziel erreicht oder nicht erreicht und warum? Ab 2016 wird es in Münden eine Ausbildungsplatzgarantie für Hauptschüler geben. Hierbei erklären sich Unternehmen bereit, Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen. In einem "Vertrag" zwischen Ausbildungsbetrieb und Schüler verpflichtet sich dieser beispielsweise befriedigende schulische Leistungen zu erbringen und pünktlich zur Schule zu kommen. Das Modell hat in "Meckenheim gute Erfolge erzielt". "Wir sind dabei, den Topf mit Ausbildungsberufen zu füllen", so Wegener, Kreishandwerkerschaft und IHK seien mit im Boot und "es wird von staatlicher Seite finanziert und unterstützt".Rümaysa Üstündag hat die Fachhochschule abgebrochen und eine Ausbildung im Nephrologischen Zentrum Niedersachsen begonnen. Da sie Türkisch spricht, ist sie für viele Patienten und deren Angehörige eine "Bezugsperson", der man vertraut. Sadik Senel hat Werkzeugmechaniker bei ContiTech gelernt, ist inzwischen Geselle. Er sagt "Hunger nach Migranten ist bei Firmen wegen der Zweisprachigkeit da". Um einen Ausbildungsplatz zu bekommen seien jedoch "Beziehungen nötig". Hasan Akman aus der DITIB-Gemeinde Hann. Münden (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e. V.) ergänzt, vielleicht habe "der Vater oder Bruder schon in dem Betrieb gearbeitet". Sadik Senel weiter, er habe den "Kik vom Bruder" bekommen. Man "lernt die Basics" und sollte die "Ausbildung nicht unterschätzen". Wichtig sei es, sich Ziele zu setzten. "Ein Vertrag ist ein Ziel".

Hanan Cakmak, die als Elternlotsin bei anstehenden Bildungsentscheidungen berät, schildert den Weg der Jugendlichen: "Schule – Geld – Heirat". Die Eltern motivieren, können aber nicht helfen. Die Auszubildenden brauchen auch während der Ausbildung Unterstützung, nicht nur bis Ausbildungsbeginn.

Hierzu berichtete Gerhard Grigo vom Pro-Aktiv-Center Hann. Münden, dass "ab August die komplette Ausbildungszeit" begleitet würde. Das PACE bietet jungen Menschen zwischen 14 und 27 Jahren Unterstützung beim Übergang von der Schule in Ausbildung, Beruf und Gesellschaft.

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