Ein Spielplatz ohne Müll wäre ein Traum

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Erzieherin Andrea Lindemann (li.) und Jahrespraktikantin Vanessa Heer (re.) mit der Gelben Gruppen der AWO Kita an einem der drei selbst gemalten Plakate. Sie weisen freundlich darauf hin, dass Mülleimer gerne genutzt werden dürfen.

AWO-Kita in Hann. Münden appelliert mit Plakaten an Umweltsünder

Hann. Münden. Die Verpackung einer Schnellimbiss-Speise steht verwaist auf dem Holztisch mitten auf dem Spielplatz in den Wallanlagen. Sie ist randvoll gestopft mit benutzten Servietten und Essensresten. Zigarettenstummel, Asche und Sonnenblumenkerne sind auf daneben stehenden Bänken verstreut. Auf dem Boden liegen zwischen Holzhackschnitzeln Reste von Soßenverpackungen. Dabei steht der nächste Mülleimer nicht einmal zehn Meter entfernt. Wer will hier spielen?

Die Kinder der AWO-Kindertagesstätte in der Wilhelmstraße auf jeden Fall, denn der Platz wurde dank der großzügigen Spende einer Mündener Familie erst vor kurzem mit neuem Spielgeräten aufgewertet (wir berichteten) und die neuen Attraktionen machen eine Menge Spaß. Spaß, der durch herumliegenden Abfall getrübt wird.

Riskanter Barfußlauf

„Das gehört in den Müll“: Maximilian und Larin entdeckten auf einem Holztisch die stehen gelassene Verpackung einer Schnellimbiss-Speise. Offenbar war es für den Besitzer zu anspruchsvoll gewesen die Papier-Reste im nur zehn Meter entfernten Mülleimer zu entsorgen. Maximilian benötigte dafür nur einen kurze Augenblick.

„Wir wollen und werden nicht resignieren, obwohl es müßig ist. Regelmäßig verlassen Jugendliche und leider auch Familien die Anlage so, wie sie sie eigentlich nicht vorfinden wollen: zugemüllt. Im Sandkasten liegen nicht selten Glasscherben und Drumherum weggeworfene Kippen. Früher konnten die Kinder hier barfuß durch die Gegend rennen. Das geht heute nicht mehr“, bedauert Erzieherin Andrea Lindemann. An überfüllten Mülleimer liege es nicht. Die würden regelmäßig, fast täglich, von den Kommunalen Diensten geleert. Schuld, so Lindemann sei die Nach-mir-die-Sintflut-Einstellung einiger Spielplatzbesucher. Um diesen Menschen auf ihr Fehlverhalten hinzuweisen haben die Kinder in ihrer Themenwoche unter dem Titel „Kindern eine Stimme geben“ zum Weltkindertag Plakate gemalt, die sie rund um die Anlage aufgehängt haben. „Seid schlau, ab mit dem Müll in den Eimer“ steht auf einem. Die eindeutigen Hinweise sollen potentielle Umweltsünder auf den rechten Weg bringen und zum Umdenken bewegen. „Wir beteiligen uns regelmäßig an der Aktion der Stadt namens „Münden putzt sich raus“ und nehmen und jedes Mal den Spiellatz vor, der ja in unserer Nähe liegt. Doch so wehr wir auch aufräumen – zwei Tage später sieht er wieder aus wie vorher“, erinnert sich Lindemann. Die Rücksichtslosigkeit vieler Besucher sei erschreckend.

Das Malen der Plakate war nur eine Aktion der Themenwoche. Unter anderem wurden Speisen in die Kita gebracht und gemeinsam als eine Art Buffet verzehrt. Und es wurde viel gesungen, darunter das Lied „Kinder haben Rechte“. Das Recht jedes Kindes sollte das Spielen sein – ohne Einschränkung durch äußere Einflüsse wie Abfall und Unrat. Dazu kann jeder ein Stück beitragen.

Plakate hingen nicht lange

Unbekannte haben die Plakate nur einen Tag nach ihrem Aushang wieder abgerissen und ins Gebüsch geworfen. Damit dürfte klar sein, was rücksichtslose Spielplatzbesucher von der Kita-Aktion halten und wie sie dort in Zukunft auftreten werden.

+++Asozial und Spaß dabei+++ Zwischenruf von Mathias Simon+++

Asozial und Spaß dabei. Was so salop daher gesagt ist, hat in Bezug auf die Ereignisse im Stadtpark einen traurigen Hintergedanken. Wie kann man sich nur so respektlos und ignorant gegenüber Kindern verhalten? Wohl nie selbst Kind gewesen oder aber gar nicht erst erwachsen geworden? Über manche Menschen und ihre miserablen Kinderstuben kann man einfach nur den Kopf schütteln. Da machen sich die Dreikäsehochs die Mühe und malen bunte Plakate mit einer nachvollziehbaren Botschaft und schwups werden sie in der Pampa entsorgt. Offenbar war das schlechte Gewissen so groß, dass einige den Anblick der Hinweistafeln nicht mehr ertragen konnten und warfen sie einfach ins Gebüsch. Wahrscheinlich brüstet man sich in solchen Kreisen noch damit und macht sich darüber lustig - welch schwacher Geist mag dahinterstecken?

Vielleicht sollte die Stadt darüber nachdenken an manchen Brennpunkten Videokameras zu installieren und Delikte zur Anzeige bringen. Datenschutz hin oder her, die Kosten und den Ärger den die Müllteufel auf Mündens Plätzen hinterlassen, sei es die Zigarettenkippen auf dem Szeneplatz, der Hundekot auf dem Tanzwerder oder aber die Hinterlassenschaften auf dem Spielplatz, sorgen in der breiten Bevölkerung für einen Groll, der Gewicht hat. Wie kann es sein, dass einige wenige das Dasein der Masse so vermiesen dürfen und ungeschoren davon kommen? Um einen wirklichen Effekt zu erzielen, nützen auch 100 Mündenputzt-sich-raus-Tage und doppelt so viele Ermahnungen in den Medien nichts. Das hat die Vergangenheit immer wieder gezeigt. Leider hilft am Ende nur der Griff ins Portemonnaie – ein probates Mittel, dass jeder versteht, der gegen Regeln verstößt, und für eine saubere Dreiflüssestadt sorgen dürfte.

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