Bekommt Hann. Münden ein Taubenhaus?

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So wie dieser Schlag in Hannover, könnten die Taubenhäuser in Hann. Münden und Göttingen in Zukunft aussehen.

Vereins-AG macht sich in Münden für die Vögel stark und sucht Mitstreiter - Corona-Krise schärft Lage der Tiere

Hann. Münden/Göttingen. Von manchen werden sie nur abfällig die „Ratten der Lüfte“ genannt, für andere wiederum gehören sie zu einem Stadtbild dazu: Tauben. Oft, so scheint es, bleiben die Tiere sich selbst überlassen.

Jan Mücher, Vorsitzender des Göttinger Stadtauben e.V.

Das stimmt allerdings nicht, denn es gibt Menschen, die sich um die Pflege der Vögel kümmern. In der Kreisstadt gründete sich 2017 zum Beispiel der Göttinger Stadttauben e.V., ein Verein, der sich um die Tiergesundheit, aber auch um die Regulierung der Population bemüht. Wie der Vereinsvorsitzende Jan Mücher erklärt, habe man sich gegründet, um vor allem kranken Tauben zu helfen: „Paramyxovirose war in jüngster Vergangenheit ein großes Problem unter heimischen Vögeln. Dabei handelt es sich um eine Nervenkrankheit, die auf den Menschen nicht übertragbar ist. Mit diesem Virus infizierte Tiere zeigen Koordinationsprobleme wie plötzliches Stehenbleiben, gegen die Wand laufen, Stolpern oder Verfehlen von Futterkörnern beim Picken. Meist sind ganze Schwärme betroffen. Viele Tiere sterben an dieser Krankheit. Generell kann man sagen, dass Tauben krank sind, wenn sie sich aufgeplustert in Hauseingängen oder Treppenstufen aufhalten und sich leicht einfangen lassen.“ Wild lebende Tauben seien keine Wildtiere, sondern lediglich verwilderte Nachkommen aus Züchtungen oder Brieftaubenbeständen und deshalb immer noch auf die Pflege des Menschen angewiesen. „Greifen wir eine kranke Taube auf, bringen wir sie zum Tierarzt, wo sie behandelt werden kann.“ Doch laut Mücher gehe es dem Verein nicht nur um die Behandlung und Eindämmung von Krankheiten. Man wolle ebenfalls dabei helfen die Größe der Populationen zu kontrollieren.

Taubenschläge für bis zu 100 Brutpaare möglich

Karin Tuchler von der Mündener Arbeitsgruppe, die sich dem Göttinger Stadtauben e.V. abgeschlossen hat.

Das, so der Vereinsvorsitzende, könne durch Taubenschläge geschehen, die man im Innenstadtbereich errichte. In Göttingen stehe man mit der Stadtverwaltung in Kontakt. Dort habe man die Planungen von Taubenschlag-Standorte angeschoben, doch man sei noch nicht zu einem konkreten Ergebnis gekommen. Für den Bau käme die Stadt auf, betrieben würden sie durch den Verein - ehrenamtlich versteht sich. Zwischen 50 und 100 Brutpaare würden in einem Schlag Platz finden. Ein Taubenhaus hätte den Vorteil, dass man die Anzahl der Tiere regulieren könnte, so Mücher: „Taubeneier im Schlag könnten durch Gips-Eier ausgetauscht und somit die Population auf einem überschaubaren Maß gehalten werden.“

In Hann. Münden hat eine Arbeitsgruppe - eingegliedert in den etwa 25-köpfigen Verein - ihre Tätigkeit zu Beginn des Jahres aufgenommen. Ihr gehören Karin Tuchler, Evelyn Schimek, Manuela Dressler-Hentze und Silvia Engler an. Das Quartett habe die 250 bis 300 Tauben der Innenstadt im Blick, kümmere sich um kranke oder verletzte Tiere. Bislang habe man noch nicht genug Personen beisammen, um einen eigenen Verein zu gründen, weshalb man zunächst innerhalb einer AG agieren wolle. Ziel sei aber, auch hier Vereinsstrukturen aufzubauen. Ein Taubenhaus in der Dreiflüssestadt wäre früher oder später denkbar.

Nahrungsmangel wegen der Corona-Krise

„Herr Rossi“ fand das Glück: Diese Taube, die den Namen der bekannten Cartoon-Figur trägt, hatte einen gebrochenen Flügel und wurde dank der Mündener Arbeitsgemeinschaft vor dem sicheren Tode bewahrt.

Gerade jetzt, so Mücher, sei wegen der Corona-Krise der Eingriff des Menschen nötig: „Da viele Gastronomiebetriebe schließen mussten, finden Tauben keine Essensreste mehr und die Ernährungssituation verschärft sich, weshalb wir auf Erlaubnis der Mündener Stadtverwaltung ab sofort regelmäßig zufüttern dürfen.“

Die AG sucht in Hann. Münden freiwillige Helferinnen und Helfer, die sich dem Projekt anschließen möchten. Interessenten sollten sich deshalb unter Tel. 0176-78973630 (Karin Tuchler) oder goettinger-stadttauben@gmx.de melden.

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