Besitz von Kinderpornos: 23-Jähriger erhält Geldstrafe - er ist kein Unbekannter

+
Bereits Anfang 2019 musste sich der junge Mann wegen des versuchten sexuellen Missbrauchs einer 13-Jährigen verantworten und erhielt eine Geldstrafe. Das Opfer war wie er in der Feuerwehr aktiv. Der 23-Jährige schied nach dem Bekanntwerden des Vorfalls aus der Hilfsorganisation aus

Anfang 2019 stand er wegen des versuchten sexuellen Missbrauchs eines Kindes vor Gericht

Hann. Münden. Wegen des Beschaffens und Besitzes von Kinder- und Jugendpornografischen Schriften wurde in der vergangenen Woche ein 23-Jähriger aus dem Altkreis Münden zu einer Geldstrafe in Höhe von 1.200 Euro verurteilt. Zudem muss er die Kosten des Verfahrens tragen und auf sein Tablet und ein Laptop verzichten, auf denen das belastende Material gefunden wurde. Bei einer Wohnungsdurchsuchung im Juli 2018 wurden die Geräte sichergestellt, auf denen Ermittler später 13 Kinderpornos und 107 Jugendpornos, Bilder wie Videos, die laut Richter Matthias Thielbeer schweren sexuellen Missbrauch Minderjähriger zeigen. Etwa 70.000 Dateien hätten dafür gefiltert werden müssen, die sich der Angeklagte im Internet besorgt hatte. Der räumte die Taten zwar ein, eine pädophile Neigung habe er aber nach eigener Aussage allerdings nicht. Er bereue was er getan habe, „es war ein riesengroßer Fehler.“ Er habe sich in psychologische Betreuung begeben und bereits 17 Sitzungen bei einem Psychologen besucht.

Vorstrafe wegen versuchten sexuellen Missbrauch eines Kindes

Der junge Mann hatte bereits einen Eintrag im Bundeszentralregister: Anfang 2019 wurde er bereits wegen versuchten sexuellen Missbrauchs von Kindern zu einer vierstelligen Geldstrafe verurteilt. Im April 2018 hatte er in seinem Umfeld, genauer gesagt in der Freiwilligen Feuerwehr, den Kontakt zu einer damals 13-Jährigen gesucht und über WhatsApp gefragt, ob sie sich rasiere, masturbiere und „es“ schon mal getan habe – Thielbeer las Auszüge aus dem Chat-Verlauf während der Gerichtsverhandlung vor. Die Sache sei schließlich aufgeflogen, der Angeklagte aufgrund des Vorfalls aus der Feuerwehr ausgeschieden. Der Verteidiger des Angeklagten trug eine schriftliche Stellungnahme des betreuenden Psychologen vor. Dieser führe das Verhalten des 23-Jährigen auf ein traumatisches Erlebnis in seiner Kindheit zurück. Demnach sei der Angeklagte als Schüler gemobbt worden, habe deshalb sogar die Schule gewechselt. Auch in seinen Beziehungen zu gleichaltrigen oder älteren Frauen habe er schlechte Erfahrungen gemacht, sei mehrmals betrogen worden. Nun habe er den Spieß umdrehen und „in die Täterrolle schlüpfen“ wollen und sich ein junges Opfer gesucht.

Der Angeklagte selbst vermutete, dass er anhand der Misserfolge in seinen Beziehungen nicht daran geglaubt habe eine vernünftiges Verhältnis mit einer Frau zu haben und sich ins Internet flüchtete. Seit einigen Monaten führe er aber wieder eine Beziehung mit einer Frau. Er treibe viel Sport und unternehme viel mit seinem Hund, sei auf einem guten Weg in ein normales Leben zurückzukehren. Staatsanwaltschaft und Richter hielten die Reue des 23-Jährigen für glaubhaft. Für ihn spreche, dass er ein umfassendes Geständnis ablegte und sich während der Verhandlung kooperativ gezeigt habe. Außerdem habe er sich selbst in psychologische Betreuung begeben und auch die Geldstrafe aus der ersten Verurteilung sei beglichen.

Man habe vergleichsweise wenig Dateien auf Tablet und Laptop gefunden, auch wenn die gefundenen Dateien schweren sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen zeigen würden. „Sie sollten sich selbst fragen, was die betroffenen Kinder bei diesen schrecklichen Erlebnissen fühlen und was das bei ihnen anrichtet. Vielleicht werden Sie später einmal selbst Kinder haben wollen. Dann werden Sie es umso mehr verstehen“, gab Thielbeer dem 23-Jährigen zu verstehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Wer kennt diese Fellnasen?

Der Mündener Tierschutzverein sucht die Besitzer von mehreren Fundkatzen
Wer kennt diese Fellnasen?

Dank Vereinen: Lieferung frei Haus in Vaake und Veckerhagen

Dem Virus trotzen: Reinhardshäger fahren kostenlos zweimal pro Woche Lebensmittel zu Mitbürgern, die zur Risikogruppe zählen
Dank Vereinen: Lieferung frei Haus in Vaake und Veckerhagen

351 bestätige Infektionen mit dem Coronavirus in Stadt und Landkreis Göttingen

Dem Gesundheitsamt wurden bislang sieben Personen gemeldet, die infolge einer Erkrankung an Covid-19 verstorben sind
351 bestätige Infektionen mit dem Coronavirus in Stadt und Landkreis Göttingen

Mündener Polizei beklagt angestiegene Zahl an Todesopfern

Das Kommissariat veröffentlicht die neueste Verkehrsunfallstatistik: Fünf Menschen ließen 2019 in und um Hann. Münden ihr Leben
Mündener Polizei beklagt angestiegene Zahl an Todesopfern

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.