Besitz von Kinderpornos beschäftigt Mündener Amtsgericht

Tausende Dateien belasten 52-Jährigen

Hann. Münden. Wegen des Besitzes von kinder- und jugendpornografischer Schriften muss sich derzeit ein 52-Jähriger aus dem Altkreis Münden verantworten. Dem Mann wird vorgeworfen, tausende einschlägiger Dateien auf mehreren elektronischen Geräten gespeichert zu haben. Insgesamt stellten die Ermittler 320 kinderpornografische und 3.420 jugendpornografische Dateien fest. Der Angeklagte steht im Verdacht, sie heruntergeladen oder von anderen Personen bezogen zu haben.

Material bei Durchsuchung gefunden

Am 28. Januar 2016 wurde das belastende Material bei einer Hausdurchsuchung gefunden. Die Ermittler beschlagnahmten mehrere Geräte, darunter Personalcomputer, Smartphone und Festplatten. Wie die prekären Bilder auf die Datenträger gekommen seien, konnte sich der 52-Jährige nicht erklären. Er räumte ein, vor 15 Jahren erotische Akt-Fotografien von jungen Männern gemacht zu haben, die er allerdings zum Zeitpunkt der Aufnahmen als Volljährig erachtet habe. Diese Bilder habe er quasi gespeichert, lange bevor das Sexualstrafrecht 2014 verschärft worden sei. Auf die Nachfrage des Richters, wie er an die Foto-Modelle gekommen war, gab der 52-Jährige an, homosexuell zu sein und sich früher in der Schwulen-Szene bewegt zu haben. Dort habe er über Bekannte die jungen Männer kennengelernt.

Auf die Frage, warum sich unter den sichergestellten Fotos aber auch Bilder von augenscheinlich Jugendlichen befanden, antwortete der Angeklagte: „Da sind sicherlich auch ein paar Bilder dabei, die ich früher mal gesammelt habe. Bis vor etwa 13, 14 Jahren hatte ich eine Sammelleidenschaft, aber die ist jetzt vorbei. Danach hab ich mir die Dateien nur sehr selten angeschaut. Eigentlich gar nicht mehr.“ Er habe ausdrücklich Bilder von jungen Männern gesammelt, die definitiv volljährig gewesen seien.

Wie die anderen kinder- und jugendpornografischen Schriften auf seinen Rechner gelangten, wisse er nicht. Er habe öfter wechselnde Mitbewohner gehabt, der PC mit den belastenden Dateien sei Tag und Nacht gelaufen und nicht durch ein Passwort geschützt gewesen. Ob die Bekannten etwas mit den Daten zu tun haben könnten, wisse er nicht. Er verwies jedoch auf eine einschlägig verurteilte Person, die während der Hausdurchsuchung anwesend gewesen sei und Mitte 2017 festgenommen wurde, ehe sie vor dem Göttinger Landgericht Anfang 2018 wegen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt worden war. Bei dem Verurteilten handelte es sich um einen damals 34-Jährigen aus Hann. Münden.

Wie gelangten die Dateien auf den PC?

Auf die Frage des Richters, wie tausende Dateien den Weg auf mehrere Festplatten fanden, erklärte der Angeklagte: „Ich habe Festplatten mit der Zeit ausrangiert, weil sie mit dem Alter unzuverlässig werden.“ Die Daten hätte er dann jedes Mal, wenn er eine neue Festplatte gekauft habe, wieder auf die neue überspielt. Deshalb seien insgesamt auch so viele Pornos gefunden worden: Auf den ehemaligen Festplatten befände sich zum größten Teil das gleiche Material. Die alten Festplatten habe er nicht gelöscht und entsorgt, weil er unsicher gewesen sei, wie man mit sensiblen Daten umgehe.

Ob der verurteilte 34-Jährige die Dateien auf den Computer des 52-Jährigen geladen hatte oder ob sie aus einer anderen Quelle stammen, müssen nun Ermittler prüfen. Sie sollen herausfinden, wann genau die Dateien auf den PC des Angeklagten gespeichert wurden und ob sie von anderen Nutzern des Computers übertragen wurden: „Da kommt eine riesige Arbeit auf die Polizei zu“, bemerkte der Richter. Er warnte den Angeklagten aber auch davor, dass er am Ende nicht nur wegen des Besitzes, sondern auch wegen des Beschaffens von kinder- und jugendpornografischen Inhalten verurteilt werden könnte – je nachdem, was die Ermittlungen zutage fördern würden. Die Verhandlung wurde für die Zeit der nötigen Ermittlungen unterbrochen.

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