,Bürger haben Anrecht auf Transparenz’

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Die Partei Die Linke schickt mit Anne Freimuth (li.) eine Frau ins Rennen um das Mündener Bürgermeisteramt. Kirsten Klein (re.), Ratsfrau der Linken, konnte Freimuth im vergangenen Jahr dafür begeistern, sich der Wahl zu stellen.

Hann. Münden. Anne Freimuth (51) geht als Bürgermeisterkandidatin für Die Linke ins Rennen.

Hann. Münden. Als Die Linke in Hann. Münden Ende Dezember ihre Kandidatin für das Bürgermeisteramt in Hann. Münden – quasi als Weihnachtsgeschenk – vorstellte, war die Überraschung groß. Anne Freimuth ist die Dritte im Bunde, die am 25. Mai neben Jörg Wieland (SPD) und Harald Wegener (Freie Wähler) Stadtchefin werden will (wir berichteten).

Wer die eine oder andere zurückliegenden Ratssitzungen besuchte, dem dürfte das Gesicht der 51-Jährigen bekannt sein. Regelmäßig mischte sie sich unter die Zuschauer. Dass sie Wochen später kandidiert, war dennoch nicht unbedingt abzusehen. Seit 2012 ist Freimuth Mitglied der Linkspartei in Hann. Münden, doch erst im vergangenen Herbst entschied sie sich der Wahl zu stellen: "Ratsfrau Kirsten Klein kam auf mich zu und so kamen die Dinge ins Rollen", erklärt Freimuth, die gemeinsam mit ihrem Mann den Mündener Campingplatz leitet.

Seit 2005 wohnt sie nun in der Dreiflüssestadt und hat in dieser Zeit nach eigenen Angaben schon gegen so manche politische Absichten mobil gemacht, so zum Beispiel gegen den Fremdenverkehrsbeitrag, der alle Unternehmen belastet hätte, die irgendwie mit Tourismus zu tun haben. Und das nicht nur, weil sie als Unternehmerin selbst davon betroffen war, sondern weil sie weitere steuerliche Belastungen der heimischen Wirtschaft für unzumutbar hält."Es muss sich hier einfach etwas ändern. Für mich steht eine bürgernahe und bürgerfreundliche Politik an vorderster Stelle. Die Bürgerinnen und Bürger haben ein Anrecht auf mehr Transparenz bei politischen Abläufen und Entscheidungen. Sie werden durch eine Politik, die überwiegend hinter verschlossenen Türen praktiziert wird, entmündigt – damit muss Schluss sein. Ich lehne es ab, eine Politik zu betreiben bei der die Bevölkerung nur vor vollendete Tatsachen gestellt wird. Von größter Wichtigkeit ist, die Bürgerinnen und Bürger in Planungen mit einzubeziehen, mitreden und mitentscheiden zu lassen. Dazu benötigen wir unbedingt auch den Ausbau der Instrumente direkter Demokratie, wie zum Beispiel Bürgerbefragung und Bürgerentscheide. Politik nicht nur für die Menschen, sondern mit den Menschen gestalten", meint Freimuth.

Kein großes Wahlkampfteam

Ein großes Wahlkampfteam wie die Konkurrenten habe Freimuth zwar nicht vorzuweisen, doch in der heißen Phase könne sie auf ihre Mitarbeiter zählen, die ihr ab April wieder zur Seite stehen würden. An einem Stand wolle die 51-Jährige die Bürgerinnen und Bürger in ihre Pläne einweihen. Sie sei sehr motiviert und freue sich auf diese Aufgabe: "Unabhängig davon ob ich gewählt werde, habe ich die Möglichkeit etwas zu bewegen, meine Ideen mitzuteilen", sagt sie.Eine davon sei junge Familien und Jugendliche in Hann. Münden zu halten und hierher zu ziehen. Das könne laut Freimuth nur durch attraktivere Freizeitangebote geschehen. Ein Hallenbad, vielleicht sogar ein Erlebnisbad, könne so ein Magnet sein – mitfinanziert durch Zuschüsse von Bund und Land. Allein in Sachen Sicherheit ein wichtiger Punkt: "Wenn man sieht, dass heute viele Kinder nicht schwimmen können, ist das ein Unding. Sie müssen es lernen können, auch im Winter", meint Freimuth.Finanziell attraktiver könne man die Situation für Gewerbetreibende in der Innenstadt gestalten, Steuern senken und Gespräche mir Vermietern führen, um Mietnachlässe zu erwirken. Gerade für Neuansiedler müsse man ein eigenes Konzept erarbeiten, das zumindest in den ersten Jahren greife. Eine Idee, um die vielen Ladenleerstände zu beseitigen.Was öffentliche Veranstaltungen anginge, sollten laut Freimuth die Standgebühren für Aussteller gesenkt werden. "Das gilt unter anderem für den Bauern- und Weihnachtsmarkt, dem Frühjahrsfest und dem Wochenmarkt. Damit könnte das Angebot noch vielfältiger werden. Ein jährlich ausgerichtetes Stadtfest würde übrigens viel für das Zusammengehörigkeitsgefühl tun", so Freimuth weiter.In diesem Zusammenhang nennt die 51-Jährige auch die Kinderbetreuung für Einheimische und Touristen, die seitens der Stadt stundenweise angeboten werden und die Eltern beim Einkaufsbummel entlasten könnte. "In einem Jugendparlament könnte sich der Nachwuchs politisch einbringen und seine Politikverdrossenheit ablegen", stellt sich Freimuth vor.Die kostspielige Sanierung der Wasserspiele, ein Kreisel im Philosophenweg, immer mehr Aufgaben in ehrenamtliche Hände zu legen und dadurch Arbeitsplätze zu vernichten sowie einen überdimensional Verbrauchermarkt in der Innenstadt zu genehmigen, lehnt Freimuth dagegen ab. "Letzteres brauchen wir in Hann. Münden nicht. Große Lebensmittelmärkte gibt es genügend. Dieser Markt würde nur bestehende Geschäfte in der Innenstadt gefährden", ist sich die 51-Jährige sicher.

3 Fragen an Anne Freimuth

Mündener Rundschau (MR): Frau Freimuth, Kirsten Klein, die Ratsfrau der Linken, ist so etwas wie eine Einzelkämpferin im Stadtrat. Für sie ist es nahezu unmöglich eigene Anträge ohne Unterstützung der anderen Parteien durchzubringen. Wie schätzen Sie Ihre Situation in der Stadtpolitik im Falle eines Wahlsieges ein?

Anne Freimuth: Durch ihr Engagement für die Stadt ist mir Kirsten Klein so positiv aufgefallen, dass ich – um sie zu unterstützen – der Partei DIE.LINKE beigetreten bin. Zum Beispiel ihr Einsatz für ein "barrierefreies Hann. Münden". Der hat dazu geführt, dass z. B. die Zugänge zum Welfenschloss (Amtsgericht, Bücherei, Finanzamt) endlich barrierefrei gestaltet werden sollen. Nur ein Beispiel von vielen. Frau Klein spricht wichtige und längst überfällige Themen offen und ehrlich an und setzt sich persönlich ein.Ich habe in vielen Ratssitzungen im Zuschauerraum gesessen und konnte live mitverfolgen wie schwierig es ist, wenn man nicht als Fraktion im Rat vertreten ist, und gegen Windmühlen kämpfen muss. Da die SPD gemeinsam mit den Grünen die Mehrheit im Rat besitzt, wäre es auch für mich in dem Posten als Bürgermeisterin schwierig für wichtige Reformen und gute Ideen die nötigen Stimmen zu bekommen. Fakt ist, als Bürgermeisterin habe ich die Beschlüsse der Ratsmehrheit umzusetzen. Und ich hoffe, dass bei der Ratsmehrheit, wie wir sie aktuell in Hann. Münden vorfinden, so schnell wie möglich ein "umdenken in die richtige Richtung" stattfindet - zum Wohle der Stadt und ihrer Bürgerinnen und Bürger! Wichtig ist am Ball zu bleiben, nicht aufzugeben, und vereint die Stadt wieder für Einheimische, Touristen und Geschäftsleute interessant zu machen.

MR: Sie wollen die Bürgerinnen und Bürger mehr in die Stadtpolitik einbinden. Wie kann das, abgesehen von einem möglichen Jugendparlament, geschehen?

Freimuth: Ich möchte die Bürgerinnen und Bürger von Beginn an in alle wichtigen Entscheidungen miteinbeziehen. Es kann nicht angehen, dass nach der Wahl die Meinung der Wähler egal ist. Aus diesem Grund möchte ich während dem Wahlkampf eine Bürgerbefragung durchführen. Mich interessiert es, was die Bürger gern geändert hätten in unserer Stadt, was sie gut finden (damit es unterstützt wird), und was ihrer Meinung nach in der Vergangenheit falsch gelaufen ist (damit es sich nicht wiederholt). Zudem sollten Rats- und Ausschusssitzungen nicht schon um 15 Uhr beginnen, sondern erst ab 18 Uhr, damit auch berufstätige Bürgerinnen und Bürger als Zuschauer teilnehmen können. Nicht öffentliche Tagesordnungspunkte in Sitzungen und Themen im Verwaltungsausschuss sollten auf das Notwendigste reduziert werden.

MR: Die Idee der Kinderbetreuung stammt aus Ihrer Feder. Sie verfolgen immer noch das Ziel eine entsprechende Anlaufstelle in der Kernstadt ins Leben zu rufen. Was kann man aus Ihrer Sicht noch  tun, um mehr Touristen anzulocken?

Freimuth: Ganz wichtig bei diesem Punkt finde ich die Unterstützung des Eisenbarth-Theaters. Ich war bei mehreren Proben anwesend, habe mit dem Regisseur Walter Kalk, den Vereinsvorsitzenden und auch den Darstellern gesprochen. Wer sich hier noch nicht informiert und keine Meinung darüber gebildet hat, den bitte ich inständig, schauen sie sich die Proben an. Es ist nicht nur enorm welch gutes Drehbuch Herr Kalk geschrieben hat, sondern auch das Engagement von den Darstellern. Mit welchem Herzblut sie dem Drehbuch Leben einhauchen ist absolut sehenswert! Der Verein benötigt aber dringend finanzielle Unterstützung. Hier besteht seitens der Stadt kurzfristiger Handlungsbedarf. Es kann nicht sein, dass Herr Kalk seit Juni letzten Jahres so engagiert arbeitet, und kein Geld dafür erhält! Auch seine vorgeschlagene Perspektive von Festspielen in unserer Stadt halte ich für genial. Hier müsste man Gespräche mit unserem Kulturring führen.Das Angebot an stundenweiser Kinderbetreuung für Einheimische sowie auch für Gäste muss zeitnah umgesetzt werden. Hier konnte ich in mühseliger Kleinarbeit, nach endlos langen Monaten, die erforderlichen Voraussetzungen seitens des Jugendamtes in Erfahrung bringen.Weiterhin wäre sicher auch ein kleiner Vergnügungspark in unserer Stadt, ähnlich wie in Ziegenhagen, ein Anziehungspunkt für Einheimische und Touristen.Die Möglichkeit eines Ganzjahres-/Erlebnisbades durch Fördergelder oder Investoren müsste geprüft werden. Und das nicht nur aus touristischen Gründen. Immer mehr Schulkinder können nicht schwimmen. Das ist gerade in einer Stadt wie Hann. Münden mit 3 Flüssen lebensgefährlich. Jedes Kind sollte die Möglichkeit haben, ohne lange Anfahrtswege "ganzjährig" schwimmen zu lernen. Solch ein Bad würde Hann. Münden um ein Vielfaches aufwerten und gerade als Wohnort für Familien attraktiver machen. Einige Vorschläge von vielen. Diese Stadt hat so viel Potential, nutzen wir es!

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