Bürgergenossenschaft Mündener Altstadt wird fünf Jahre alt

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(V.li.) Lutz Pötschke, Angestellter der Bürgergenossenschaft Mündener Altstadt, mit Bernd Demandt, 1. Vorsitzender, und Sabin Momm, 2. Vorsitzende der Bürgergenossenschaft, im neuen Bauprojekt in der Radbrunnenstraße.

Bewegung hat neues Projekt in der Siebenturmstraße im Auge – Bestehensfeier im April

Hann. Münden. Da werkelt man vor sich hin und schon sind fünf Jahre vergangen: Die Bürgergenossenschaft Mündener Altstadt feiert in diesen Tagen ihr 5-jähriges Bestehen. Bernd Demandt erinnert sich an die zurück: „176 Gründungsmitglieder zeichneten am 14. Februar 2013 Anteile im Welfenschloss. Heute haben wir über 300 Mitglieder. Alles Hauseigentümer der Speckstraße 7 und unserem neuen Projekt in der Radbrunnenstraße, das voraussichtlich Ende des Jahres fertig saniert ist.“

Dabei sah es zunächst nicht so aus, dass die Genossenschaft nach dem „9 mal 24“-Projekt zur DenkmalKunst im Herbst 2013 nach der Sanierung der Speckstraßen-Immobilie wieder so schnell eine neue Aufgabe übernehmen würde. Die finanziellen Belastungen waren höher als angenommen. Etwa 300.000 Euro musste die Bürgergenossenschaft an Kredit aufnehmen. Sparen konnte man bei den Personalkosten, denn 200 ehrenamtliche Helfer sorgten dafür, dass im Sommer 2015 alle vier Wohnungen bezogen wurden und im Erdgeschoss das KunstNetz seitdem seine Ausstellungen organisiert. Damit war der erste große Schritt getan. Dank der Unterstützung des Fördervereins Mündener Altstadt wurde immer wieder durch Veranstaltungen, wie einem Tag der offenen Tür in dem Bauprojekt oder einer offenen Baustelle in der Destille Geld in die Genossenschaftskasse gespült. So konnte man im Mai 2016 das dreigeschossige Haus in der Radbrunnenstraße 16 für rund 1.000 Euro erwerben und ist seither hier aktiv (wir berichteten). „Wir sind generell an Objekten interessiert, an die sich ein Privatmann aus wirtschaftlichen Gründen nie herantrauen würde“, erklärt Sabine Momm, Architektin und 2. Vorsitzende der Bürgergenossenschaft. Denn auch die Radbrunnenstraße 16 war in einem schlechten Zustand. Derzeit laufen die Arbeiten im Innenbereich.

Die Genossenschaft als Arbeitgeber

Die Bürgergenossenschaft Mündener Altstadt zeigt Interesse an der Siebenturmstraße 5.

Über ein Bundesprojekt, dass sich um die Wiedereingliederung von Menschen in den Beruf kümmert, wurde Maurer Lutz Pötschke eingestellt. Die Kosten seiner Tätigkeit übernimmt der Landkreis, wie Demandt erklärt. Das sei laut Demandt möglich, da die Genossenschaft keine rein wirtschaftlichen Interessen verfolgen würde. Die Vermittlung lief über die GAB Gesellschaft für Arbeits- und Berufsförderung Südniedersachsen mbH (GAB). Nach bis Ende des Jahres wird Pötschke für die Bürgergenossenschaft tätig sein. Aktuell befreit er die Lehmwände vom Putz.

Demandt sieht die Aufgabe der Genossenschaft zum Wohle der ganzen Stadt: „Wir leisten unseren Beitrag dazu, dass die Immobilienpreise nicht weiter zurückgehen. Je mehr Einwohner, je schöner die Häuser, desto attraktiver die Stadt. Deshalb wäre es auch im Interesse der Hausbesitzer uns zu unterstützen und weitere Anteile der Genossenschaft zu erwerben. Somit können wir weiter aktiv sein und weitere Objekte sanieren“, teilen Demandt und Momm mit. Doch dazu fehle aktuell der Zuspruch. Es müssten dazu noch weitere Genossenschaftsanteile verkauft werden.

Neues Objekt im Auge – Infoabend am Freitag

Zum Beispiel für den Erwerb eines Hauses in der Siebenturmstraße 5, welches derzeit zum Verkauf steht. „Wir möchten das Gebäude gerne erwerben. Es muss schnell gehandelt werden, denn das Dach ist undicht und wir möchten weitere Schäden unterbinden. Es handelt sich hier um einen Notfall“, so Demandt. Zu einer Informationsveranstaltung am kommenden Freitag, 9. März, 18.30 Uhr in der Unteren Rathaushalle sind Mitglieder und auch Nicht-Mitglieder herzlich eingeladen Demandt wird über die Immobilie berichten, die über 50 Quadratmeter Wohnfläche und eine Grundstücksgröße von 111 Quadratmeter verfügt: „Es geht darum, dass Projekt vorzustellen und die Anwesenden für die Zeichnung neuer Anteile zu begeistern. Nur so können wir effektiv weiterarbeiten“, teilt Demandt mit. Momm wird an dem Abend über den Stand der Arbeiten in der Radbrunnenstraße 16 berichten, einen Ausblick auf die dort bevorstehenden Bauwochen geben, den neuen Mitarbeiter Lutz Pötschke vorstellen und zum Bestehensfest einladen.

Bestehensfeier am 7. April in der Speckstraße 7

Das fünfjährige Bestehen der Bürgergenossenschaft soll natürlich gefeiert werden. Am Samstag, 7. April, sind alle Mitglieder und die, die es werden wollen, ab 18 Uhr in die Speckstraße 7 eingeladen. Wie Demandt verrät wolle man mit Bild- und Filmmaterial an die Umbauphase des ersten Projekts erinnern und gemeinsam einen schönen Abend genießen.

Einen weiteren Termin sollten sich die freiwilligen Helfer vormerken: Vom 3. bis 14. April finden die angesprochenen nächsten Bauwochen in der Radbrunnenstraße 16 statt. „Eine Schulklasse einer französischen Berufsschule, die bereits zu DenkmalKunst aktiv war, hat sich wieder angekündigt. Und auch von vielen Menschen vor Ort hoffen wir wieder auf Unterstützung“, sagt Demandt.

"Die Innenstadt geht alle an"

Die Bürgergenossenschaft sieht sich moralisch dazu verpflichtet, marode Häuser im Herzen Mündens zu kaufen, zu sanieren und damit vor dem endgültigen Verfall zu retten. Jetzt möchte sie bereits das dritte Haus kaufen – auch wenn es zunächst darum geht, das Gebäude für spätere Arbeiten zu sichern. Laut Demandt dränge die Zeit. Massive Schäden drohen durch ein undichtes Dach. Doch es fehlt der Genossenschaft auch an Zuspruch, um solche Projekt zu stemmen. 70 Prozent der über 300 Mitglieder besitzen nur einen Anteil, der 100 Euro kostet. Da muss sich mehr tun in der Bevölkerung. Vor allem Immobilienbesitzer sollten sich finanziell engagieren, damit vereinzelt marode Gebäude nicht eines Tages als Schandflecken dafür sorgen, dass das gesamte Stadtbild darunter leidet. Einige wenige Mitglieder haben im Vorfeld der Informationsveranstaltung signalisiert, weitere Anteile zeichnen zu wollen – doch reicht das aus?

Zur Erinnerung: Wer in Anteile der Bürgergenossenschaft investiert, erhält einen Gegenwert. Man ist Mitbesitzer der Gebäude, die die Genossenschaft saniert hat und noch sanieren wird. Die Innenstadt geht alle an, die in ihr und vor allem von ihr leben. An jeder Ecke bekommt man zu hören, dass sich in Hann. Münden nichts bewegt, dabei wird oftmals nur auf andere Bürger und Initiativen geguckt, aber kaum selbst etwas getan. Dabei könnten sich viele eine Mitgliedschaft durchaus leisten und damit die Stadt indirekt auf einen besseren Weg bringen. Erinnert sei an den Appell des ehemaligen US-Präsidenten John F. Kennedy. In etwas abgewandelter Form könnte der für die Dreiflüssestadt lauten: „Frag nicht, was deine Stadt für dich tun kann, sondern was du für deine Stadt tun kannst.“

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