Campingplatz-Not in Hann. Münden

Campingplatzbetreiberin Anne Busch an ihrem Arbeitsplatz
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Buchungen oder Stornierungen in den E-Mails abarbeiten das ist alles, was Anne Busch vom Mündener Campingplatz aufgrund der Unsicherheit derzeit machen kann. 

Eigentlich sollten auf dem Tanzwerder momentan die Vorbereitungen für die neue Campingsaison auf Hochtouren laufen. Doch außer den planmäßigen Sanierungsarbeiten der Sanitäranlagen geht es auf der Anlage derzeit nicht so geschäftig zu wie im vergangenen Frühjahr. Man lässt sich Zeit. Und das hat seinen Grund.

Hann. Münden. Die Betreiber Anne und Uwe Busch planen die Eröffnung des Platzes frühestens Anfang Mai und damit einen Monat später als sonst. Und man denkt laut darüber nach den Campingplatz in andere Hände zu geben: „Zum einen wissen wir aufgrund der Einschränkungen durch Corona noch nicht, ob wir überhaupt öffnen dürfen und zum anderen hat sich beim Thema Brücke immer noch nicht viel getan. Für dieses Jahr haben wir schon etliche Stornierungen bekommen“, erklärt Anne Busch. Und das im Jahr des 50-jährigen Bestehens, denn „Busch Freizeit“ wurde 1971 gegründet.

Zur Erinnerung: Bei der Brücke, die auf den Campingplatz führt und für die das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) verantwortlich zeichnet, handelt es sich um eine sogenannte Drehbrücke, die Teil einer Schleusenanlage ist. Sie hat eine maximale Traglast von drei Tonnen. Da größere Campingfahrzeuge diese Gewichtsgrenze überschreiten, dürfen sie den Campingplatz nicht ansteuern (wir berichteten). In der Vergangenheit sollen entsprechende Schilder am Brückenkopf mehrfach ignoriert worden sein. Das WSA kündigte Konsequenzen an. Im Gespräch sind bauliche Veränderungen am Bauwerk gewesen, um von vornherein zu verhindern, dass zu große und somit zu schwere Fahrzeuge über die Brücke fahren können.

Passiert sei zunächst nichts, teilt das Ehepaar Busch mit, doch man habe gehört, dass noch vor Beginn der Saison Seitenpoller am Brückenkopf aufgestellt werden sollen, um die Durchfahrtsbreite von 3 auf 2,60 Meter zu reduzieren. Damit könnten nur noch Wohnwagen auf den Campingplatz gelangen - Fingerspitzengefühl am Lenkrad vorausgesetzt: „Die Wohnwagen sind in der Regel 2,50 Meter breit und wackeln schon mal, wenn sie über die mit Holzbohlen ausgelegte Brücke fahren. Nicht auszuschließen, dass sie dabei beschädigt werden“, befürchtet Busch.

Stornierungen häufen sich

„Was die Begrenzungslast von drei Tonnen angeht, so machen wir bei Buchungsanfragen auf diese Einschränkung aufmerksam, weshalb wir schätzungsweise 40 Prozent weniger Zusagen bekommen werden“, glaubt Anne Busch. Unsicherheit macht sich bei den Betreibern breit und das nach einem für den Campingplatz ironischerweise guten Jahr 2020: „Corona hat uns eindeutig in die Karten gespielt. Viele Menschen verbrachten ihren Urlaub bei uns, weil sie nicht ins Ausland fahren wollten oder konnten. In das bevorstehende Jahr blicken wir allerdings pessimistisch.“

MdB schaltete sich ein

Dennoch wüssten die Betreiber nicht so recht was die Zukunft bringen wird. Acht Arbeitsplätze hingen in der Luft. Das Jahr sei finanziell schwer planbar, so Busch. Ein kleiner Hoffnungsschimmer: Der Bundestagsabgeordnete Fritz Güntzler (CDU) habe sich dafür eingesetzt, dass die Brücke zum Tanzwerder verstärkt und ihre maximale Traglast auf dreieinhalb Tonnen erhöht werde. Der Umbau solle laut Busch allerdings erst im Herbst erfolgen. Bis dahin müsse man durchhalten und das Beste aus der Situation machen. Dann voraussichtlich mit weniger Personal und eingeschränkten Service-Zeiten, da mit einem geringerem Gästeaufkommen zu rechnen sei. „Wenn es ganz schlimm kommt, können nur die Kanu-Fahrer mit ihren Zelten bei uns übernachten. Davon können wir aber keinesfalls leben.“

Bürgermeister Harald Wegener habe Busch in einem Gespräch angeboten, einen Teil des Tanzwerders, zwischen „Carmines Pizza“ und dem Weserstein, für größere Wohnmobile zur Verfügung zu stellen. Eine Lösung, die allerdings einer gewissen Vorlaufzeit bedarf: „Herr Wegener erklärte uns, dass die Nutzung frühestens 2022 möglich sei, wenn die Planungen dafür durch alle erforderlichen Gremien gegangen wären. Wir favorisieren allerdings eine schnellere Lösung, denn für uns wäre das ein sehr langer Zeitraum, der überbrückt werden müsste“, meint Anne Busch.

Henning Buchholz, Leiter des Wasserstraßen und Schifffahrtsamtes Hann Münden (WSA) bestätigte auf Anfrage, dass man in den kommenden Tagen baulicher Veränderungen vornehmen werden. So sollen die Schrammborde der Brücke enger gesetzt werden, damit nur noch Fahrzeuge mit einer Breite von maximal 2,40 Meter die Brücke passieren könnten. Zusätzlich würden Baken installiert, die verhindern sollen, das Räder über die Schrammborde laufen.

Zehn Jahre für Ersatzneubau

„Das Bauwerk ist über 120 Jahre alt, der Zustand dem Alter entsprechend, und die Traglast seit jeher auf drei Tonnen begrenzt. In den vergangenen Jahren mussten wir feststellen, dass deutlich schwere Fahrzeuge die Brücke nutzten – auch weil die Campingplatzbetreiber auf ihrer Homepage mit einer Traglast von 3,5 Tonnen geworben hatten. Wir müssen Maßnahmen ergreifen, damit die Brücke nicht weiter geschädigt wird“, so Buchholz. Überlegungen zu Höhen- und Breitenbegrenzungen oder das Verlangen eines Wiegescheins bei größeren Fahrzeugen wurden verworfen und schließlich die Breitenbeschränkung ins Auge gefasst. Zusätzlich, so Buchholz, würden aktuell Möglichkeiten geprüft, um die Brücke auf eine Traglast von 3,5 Tonnen zu ertüchtigen. „Ziel ist es, die nächsten zehn Jahre Ruhe zu haben, um einen Ersatzneubau zu planen, was viel Zeit in Anspruch nimmt.“ Bei allen Vorhaben stehe man in enger Absprache mit der Mündener Stadtverwaltung und dem Weser-Yacht-Club, der die Brücke ebenfalls nutzt, um seine Boote per Anhänger zum Hafen zu transportieren. In der vergangenen Woche habe man alle Parteien zu einem Gespräch eingeladen - lediglich die Betreiber des Campingplatzes seien dazu nicht erschienen, so Buchholz.

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