Dank Vereinen: Lieferung frei Haus in Vaake und Veckerhagen

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Auch auf dem Betriebshof des Unternehmens Sallwey, das den Helferinnen und Helfern zwei Fahrzeuge kostenfrei zur Verfügung stellt, wird der Sicherheitsabstand zu anderen eingehalten. Hier stehen einige der Liefer-Teams und Initiatoren hintereinander.

Dem Virus trotzen: Reinhardshäger fahren kostenlos zweimal pro Woche Lebensmittel zu Mitbürgern, die zur Risikogruppe zählen

Reinhardshagen. Wie Virologen berichten, bedroht das Corona-Virus vor allem die Gesundheit älterer und kranke Menschen. Damit die in Reinhardshagen geschützt in den eigenen vier Wänden bleiben können, hat sich der Gewerbeverein der nordhessischen Gemeinde bereits Mitte März zum Handeln entschlossen: „Wir haben einen kostenlosen Lieferdienst ins Leben gerufen, der die Älteren mit Lebensmitteln und nötigen Haushaltswaren versorgt. Dazu druckten wir zu Beginn der Aktion 2.500 Info-Flyer, die wir Dank der ortsansässigen Verein in kürzester Zeit in Vaake und Veckerhagen verteilen konnten“, informiert die Vorsitzende des Gewerbevereins, Elke Kröhnert.

Zwei Lieferungen pro Woche

Aber nicht nur die Ankündigung, sondern auch die Umsetzung des Services von Bürgern für Bürger gestaltete sich einfacher als Gedacht: „Sehr schnell haben sich weitere Freiwillige gemeldet, die mithelfen wollten. Bis heute haben wir eine Liste von 60 Personen, die im Wechsel zweimal pro Woche - immer dienstags und freitags um die Mittagszeit - die Waren ausfahren, die in den heimischen Supermärkten und der Fleischerei (siehe unten) bestellt haben. Einige unserer Freiwilligen Helferinnen und Helfer unterstützen die Betriebe beim Zusammenpacken. Dann holen unsere Liefer-Teams die Waren ab und liefern sie an die entsprechenden Empfänger aus. Unsere Teams bestehen aus jeweils zwei Personen, die Dank geräumigen Vereinsbus und zwei geräumigen Fahrzeugen des Unternehmens Sallwey den geforderten Sicherheitsabstand zueinander einhalten können“, ergänzt Sven Schäfer, 2. Vorsitzende des Gewerbevereins.

(V.li.) Patrick Fraahs und Sebastian Gottmann von der SG Reinhardshagen holen Bestellungen bei Markus Spielmann von der gleichnamigen Fleischerei in Veckerhagen ab und liefern sie aus.

Die Fahrzeuge stehe den Helfern kostenlos zur Verfügung. Die Übergabe an der Haustür erfolge kontaktlos: „Wir stellen die Ware ab, klingeln und die Bewohner holen sich die Lebensmittel wenig später weg. Die Bezahlung erfolgt über Einkaufsgutscheine des Gewerbevereins Reinhardshagen. Dort kann der gewünschte Betrag eingetragen werden. Ist dieser aufgebraucht, kann ein neuer Betrag gebucht werden. Die Bezahlung kann per Überweisung oder in bar erfolgen. Um die Abrechnungen kümmert sich unser Kassierer Jürgen Kröhnert. Überschüssiges Geld kann für die nächste Bestellung verwendet werden oder der Restbetrag wird wieder zurückgezahlt. Der Mindestbestellwert sollte bei 15 Euro liegen. Für die Lieferung selbst verlangen wir kein Geld, denn alle machen das ehrenamtlich und gerne“, so Schäfer weiter.

Etwa 40 Personen hätten bislang den Lieferdienst in Anspruch genommen, 20 bis 25 seien es regelmäßig. „Eingekauft werden Dinge, die täglich benötigt werden. Neben Lebensmitteln sind das Salz für die Spülmaschine, Toilettenpapier, Müllbeutel und ähnliches. Wir hätten nicht gedacht, dass unsere Idee so gut ankommt und alle Helfer ziehen mit. Beteiligt sind unter anderem Mitglieder der SG Reinhardshagen, des TSV Vaake und des Vfl Veckerhagen, der Tennisverein, die Metal Crew und die beiden Feuerwehren der Ortsteile“, sagt Kröhnert, die sich herzlich für die Unterstützung bedankt.

Viele Hände, schnelles Ende

Patrick Fraahs und Sebastian Gottmann Mitglieder der SG Reinhardshagen und unterstützen das Projekt, bei dem sie regelmäßig hinter dem Steuer sitzen und die Bestellungen ausfahren. „Wir verbringen wegen der Corona-Krise momentan Zeit zuhause und fanden die Idee mit dem Lieferdienst sehr gut. Da mussten wir gar nicht lange überlegen, ob wir mitmachen. Weil mehrere Teams gleichzeitig ausfahren, sind die Fahrzeiten mit etwa einer Stunde auch überschaubar“, so Gottmann. Und wie ist das Feedback? „Die Menschen, die den Dienst in Anspruch nehmen, sind sehr dankbar für diese Möglichkeit des Einkaufens. Sie geben uns sogar etwas Trinkgeld, dass wir in einen gemeinsamen Topf werfen und von dem wir später gemeinsam ein kleines Helfer-Fest feiern möchten“, so Fraahs.

Bürgermeister Fred Dettmar kommentiert die Aktion folgendermaßen: „Jetzt merkt man, dass es ganz gut sein kann, wenn man in einem kleinen Dorf und nicht in der großen Stadt wohnt, denn hier läuft die Hilfe zwischenmenschlich viel besser ab. Ich bin froh, dass der Gewerbeverein das Heft in die Hand genommen und alle Schritte mit mir abgestimmt hat. Daran sieht man, was eine gute Vereinsgemeinschaft ausmacht, denn alleine hätte es der Gewerbeverein sicherlich nicht stemmen können. So kann Menschen geholfen werden, die aufgrund ihrer Vorerkrankungen nicht rausgehen sollten. Ich danke auch Unternehmer Daniel Sallwey, der seine Fahrzeuge zur Verfügung gestellt hat. Das ist ein rundes Paket von Vereinen, Verbänden, Gewerbetreibenden und Gemeinde. Nur gemeinsam wird es funktionieren die Situation zu bewältigen.“

So bestellen die Reinhardshäger

Menschen, die zur Risikogruppe gehören und den Lieferdienst der Reinhardshäger Vereine in Anspruch nehmen möchten, erwerben einen Einkaufsgutschein vom Gewerbeverein Reinhardshagen, der auf Wunsch auch nach Haus gebracht wird.

Auf dem Gutschein kann ein Wunschbetrag eingetragen werden. Darüber wird der Bestellwert später „abgebucht“. Bestellt wird in der Regel montags und/oder donnerstags für den darauf folgenden Tag bei den Unternehmen Daube (Edeka, 05544-912002), Krüper (Rewe, 05544-912990) und Spielmann (Fleischerei, 05544-601).

Die Ware wird dann dienstags und/oder freitags ab 12 Uhr ausgeliefert. Fragen zu Einkaufsgutscheinen und Abrechnungen beantwortet Jürgen Kröhnert unter Tel. 0171-6386371.

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