"Wahnsinns-Defizit": DenkmalKunst-Veranstalter zieht ernüchterndes Fazit

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Klein, aber fein: Bernd Demandt während des Denkmal-Kunst-Festivals 2011.

Bernd Demandt sieht sich als Veranstalter von Denkmal-Kunst (DKKD) „verbrannt“

Hann. Münden.  Uff, das muss erst mal sacken. Das Fazit von Bernd Demandt zum diesjährigen DenkmalKunst-Festival fällt mehr als bescheiden aus. Der Denkmalaktivist teilt mit, dass er finanziell gesehen nicht einmal mit einem blauen Auge davongekommen ist: „Unterm Strich fehlen 32.000 Euro in meinem Portemonnaie. Ein Wahnsinns-Defizit“. Auf seinem Schreibtisch häufen sich die offenen Rechnungen. „6.000 Karten hatten wir zur DenkmalKunst 2013 verkauft. Bei den Vorplanungen für 2017 haben wir mit 3.000 Karten für Hann. Münden plus 1.000 Karten in den Fünfeck-Städten gerechnet. Am Ende gingen in Münden 2.000 weg, in den anderen Orten nur wenige hundert“, informiert Demandt. Und weiter: Von den 7.000 gedruckten Programmheften seien nur 1.000 verkauft worden. Gebühren von GEMA und der Künstlersozialkasse seien noch nicht berücksichtigt. Ein herber Schlag für den Unternehmer. Etwa 20 Abendveranstaltungen habe man pro Stadt organisiert und gedacht, dass man die Mindestanzahl an Tickets verkaufen könne. Doch man sei auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt worden. „Wir können bis heute nicht einmal genau sagen, wie viele Karten jeweils veräußert wurden, weil uns konkrete Auflistungen fehlen.“

Einen Schuldigen für die Entwicklung habe man im Fünfeck bereits ausgemacht: „Viele sind der Meinung, dass wir beziehungsweise ich nicht genug für Denkmal-Kunst geworben haben und das viele Menschen gar nicht davon wussten. Dabei sehe ich das Problem eher in der zurückhaltenden Unterstützung in einzelnen Städten. Meine Vorstellung war von Anfang an, dass es in jeder Stadt einen Ansprechpartner gibt, der die Dinge vor Ort in die Hand nimmt und koordiniert. Diese Posten wollte aber niemand übernehmen. Es blieb also an mir hängen“, klagt der Mündener Unternehmer. Demandt habe sich allein auf weiter Flur gesehen, zumal Patricia Kenar zwischenzeitlich aus privaten Gründen aus dem Organisations-Team ausschied. Demandt sei auf sich allein gestellt gewesen. Das man zu wenig geworben habe, könne er so nicht stehen lassen. Hunderte Presseartikel seien in den vergangenen zweieinhalb Jahren im Fachwerk-Fünfeck erschienen. Man habe in der Zeit alle Städte bereist, die Kontakte zu den Stadtverwaltungen gesucht, Informationsveranstaltungen organisiert. Doch der Funke wollte wohl nicht so recht überspringen: „Die Idee fanden viele toll, aber freiwillige Hilfe war am Ende rar, weil auch die Akzeptanz für DenkmalKunst fehlte“, stellt Demandt nüchtern fest.

Einmalige Hilfsbereitschaft in Hann. Münden

Ein Beispiel: Ausstellende Künstler seien zum Teil nur auf ihren Ausstellungsort fixiert gewesen, darauf eigene Werke zu versilbern und Gratis-Eintritt zu bekommen. Hilfe an den neun Veranstaltungstagen: Fehlanzeige. „Die selbstlose Hilfsbereitschaft, so wie sie hier in Münden herrscht, gibt es leider nicht überall. Andernorts denkt man in erster Linie an sich. Das hätten wir auch tun können, wenn wir die Auftakt- und Abschlussveranstaltungen nicht in Osterode oder Northeim ausgerichtet hätten, sondern bei uns“, meint Demandt. Dass die Volksbanken als Sponsoren das Defizit übernehmen ist nicht vorgesehen: „Die Banken haben einen fixen Betrag zur Verfügung gestellt, dass war von Anfang an so abgesprochen“, weiß Demandt.

Trotz des finanziellen Desasters habe die Sache aber auch ihr Gutes: „Wir haben unsere DKkD-Idee in andere Städte getragen und gezeigt, was gehen kann. Osterode und Northeim haben signalisiert eine solche Veranstaltung neu auflegen zu wollen. Als Veranstalter bin ich jedoch verbrannt. Möglich, dass es in Zukunft ein weiteres Kunst-Festival geben wird, dann vielleicht unter der Leitung des Freundeskreis DenkmalKunst-Festival e.V. oder einen anderen Veranstalter. Wenn es allerdings nicht mehr auf der Fünfeck-Ebene stattfindet, werden wir nicht mehr die überregionale Aufmerksamkeit bekommen. Die Bürgermeister müssen nun Strukturen schaffen, sonst verkommt DenkmalKunst zu einer provinziellen Lachnummer“, mahnt Demandt.

Erst jetzt seien in den Städten viele Menschen aufgewacht und hätten begriffen, was DenkmalKunst eigentlich hätte werden können. „Osterode hat vorgemacht, wie es gehen kann. Hier hat man den DKKD-Gedanken verstanden.“ In Northeim offenbar nicht: Von dort sei Demandt eine Rechnung in Höhe von mehreren hundert Euro ins Haus geflattert. Es seien Mietkosten. Die Abschlussveranstaltung wurde dort in der Stadthalle ausgerichtet.

Wer das Kunst-Festival nachträglich unterstützen möchte, kann es über den Freundeskreis des Festivals DKKD tun, Konto: DE89 2606 2433 0002 1845 59, GENODEFIDRA.

+++Ver- und überschätzt+++ Zwischenruf von Mathias Simon+++

Es war schon ein großes Wagnis mit vielen Variablen: DenkmalKunst auf die Fachwerk-Ebene zu hieven. Das Risiko war von Anfang an schwer kalkulierbar. Demandt hatte geglaubt, die Hilfsbereitschaft und die Neugier der Menschen sei im Fachwerk-Fünfeck genau so groß wie in Hann. Münden und das Festival ließe sich problemlos auf andere Städte projizieren. Doch da wurde er leider eines besseren belehrt. Mit großem Respekt hat man die Absicht Demandts verfolgt, seine Idee von der Belebung existierender Leerstände nach Osterode, Einbeck, Northeim und Duderstadt zu verbreiten und andere Menschen anzustecken, so wie er es in der Vergangenheit (nicht nur) mit DenkmalKunst tat.

Aber auch mit ein wenig Sorge, er könne sich bei dem Kraftakt finanziell übernehmen, was nun passiert ist. Vielleicht wäre ein kleinerer Zwischenschritt zunächst die bessere Methode gewesen, also DKKD erst einmal in einer weiteren Stadt zu etablieren als gleich in fünf. Schließlich konnte er vorab schlecht abschätzen, wie es denn um den Eifer der dort lebenden Bürgerinnen und Bürger und ihr Bekenntnis zur jeweiligen Heimatstadt bestellt ist und ob sie auf Anhieb verstehen, was DKKD eigentlich bedeutet. Nur so hätte man gewährleisten könne, dass auch genügend Menschen mitziehen und voll hinter dem Gedanken stehen, der das Wohl der Städte im Blick hat.

Aber halbe Sachen sind nicht Demandts Ding. Er wollte das gesamte Fünfeck auf Anhieb erobern, hat die Belastung unter- und die Hilfsbereitschaft der Menschen überschätzt. Nachzuvollziehen, dass er in Zukunft nicht mehr als Veranstalter auftreten möchte. Wer seinen den Posten den unermüdlichen Mündeners als Festival-Veranstalter einnehmen könnte, bleibt vorerst ungewiss. Eine solche Veranstaltung stemmt man nicht im Vorbeigehen.

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