Vom ,Ding’ zum Menschen

Von ULRIKE WEBERHessisch Lichtenau. Die Beatmungsmaschine arbeitete nur alle paar Sekunden einmal. Dazwischen konnte ich zweimal selber a

Von ULRIKE WEBER

Hessisch Lichtenau. Die Beatmungsmaschine arbeitete nur alle paar Sekunden einmal. Dazwischen konnte ich zweimal selber atmen. Beruhigend stellte ich fest, dass ich meinem Atemreflex noch nicht verloren hatte. Dann kam jemand zu mir und bemerkte das. Ich hrte die rgerliche Bemerkung: ,Sie brauchen nicht zu atmen, die Maschine versorgt sie schon mit ausreichend Sauerstoff.Stunden spter kam ein Arzt. Er war sich nicht sicher, was er mit mir machen sollte.So beschriebt Manfred Helm seine Situation nach seinem Unfall. Das war vor dreiig Jahren dreiig Jahre querschnittsgelhmt.Der 52-Jhrige hat ber sein Leben Geschichten und Bcher geschrieben und jngst sein neuestes Werk verffentlicht: Sie gaben mir zehn Jahre.

Das wird schon wieder

Manfred Helm, geboren 1955, hatte mit 22 Jahren einen Autounfall, der den Rest seines Lebens vernderte. Fortan war er vom fnften Halswirbel abwrts querschnittsgelhmt. Doch das war ihm zu Beginn gar nicht so bewusst, denn die rzte sagten ihm stndig: Das wird schon wieder.

Als man ihm schlielich die Wahrheit offenbarte, prognostizierte man ihm auerdem, dass er maximal noch zehn Jahre zu leben htte. Doch Manfred Helm wollte dieses Urteil nicht akzeptieren: Er kmpfte. Und kmpfen musste er, denn die nchsten Jahre sollten zu einer enormen physischen und psychischen Belastungsprobe werden. Die erste Zeit nach dem Unfall verbrachte Helm in einer Klinik in Hamburg.

Hier wurde ihm das Leben als Behinderter nicht gerade einfach gemacht. Zum einen betrachtete das Pflegepersonal Menschen wie ihn eher als Dinger statt als vollwertige Personen. Zum anderen entwickelte er eine Angst vor sich und seiner Auenwelt.

Liebstes Hobby: Shoppen

Glcklicherweise traf er in dieser Klinik weitere Querschnittsgelhmte, die ihm den Tipp gaben, einfach mal das Haus zu verlassen, bis es auer Sichtweite ist.

Gesagt, getan. Von nun an bis zum heutigen Tage ist Shopping eins von Manfreds grten Hobbys. Allerdings bereitete ihm sein Krper auch groe Schwierigkeiten. Vom zu viel Liegen wird der Kreislauf immer schwcher und vom zu viel Sitzen im Rollstuhl bekam er Druckstellen.

Mutter duldete keinen Kontakt zu Frauen

In einem Heim im Raum Hamburg ging Manfred Helm dann in eine Handelsschule.

Spter zog er zu seinen Eltern. Hier entwickelte er eine Leidenschaft zu Funkgerten und begann dadurch, wieder Kontakt zu Frauen aufzunehmen. Doch seiner Mutter war das ein Dorn im Auge und so bezog Manfred Helm seine erste eigene Wohnung in der Nhe von Osnabrck. Die eigens angestellte Pflegerinnen und Zivis versorgten ihn gut, aber aus gesundheitlichen Grnden musste er in die Klinik nach Osnabrck. Doch dieses Mal wollte das Krankenhauspersonal ihn anscheinend einfach sterben lassen. Drei Tage lag er ohne Versorgung in einem Einzelzimmer. Zum Glck kann er im Gegensatz zu vielen anderen Querschnittsgelhmten sich noch ganz normal mitteilen und somit musste man ihm doch schlielich helfen.

Ab nach Heli!

Aufgrund dieses traumatischen Erlebnisses verlangte Helm die Verlegung in ein anderes Krankenhaus und somit kam er schlielich in die Orthopdische Klinik nach Hessisch Lichtenau. Pltzlich wurde fr ihn alles besser: Man geht hier individuell auf jeden Patienten ein und man wird nicht wie ein Ding behandelt, so Helm.

Ein kleiner Rckschlag kam dennoch: Man wollte mich in ein Altersheim stecken, obwohl ich erst 40 Jahre alt war, emprt er sich. Doch nach vier Tagen Hungerstreik und ausfhrlichen Gesprchen mit dem Arzt bot man ihm einen Platz im Haus 21, der Reha-Abteilung, an.

Da Manfred Helm keine Lust auf Malen oder Stricken hatte, begann er zu schreiben. Dazu bekam er eine eigens angefertigte orthopdische Schreibhilfe, mit der man zwar nur langsam, aber dennoch effektiv am PC schreiben kann. Rund drei Jahre bentigte Helm, um sein Buch fertigzustellen.

Heute lebt Manfred Helm glcklich im Haus 21 und hat seit drei Jahren eine Lebensgefhrtin, die ihm immer wieder Kraft und Mut gibt.

ber seine Autobiographie Sie gaben mir nur 10 Jahre sagt Helm, dass er zwar nicht unbedingt als Vorbild fungieren will, aber dass Behinderte keine Angst vor dem Leben haben zu brauchen.

Das Buch hat 228 Seiten und ist fr 16,80 Euro im Handel und im Internet erhltlich; auerdem freut sich der Autor ber Besuche auf seiner Homepage www.manfredhelm.de.vu

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