Dr. Karin Weber-Klatt (SPD) möchte Hann. Mündens Bürgermeisterin werden

Dr. Karin Weber-Klatt am Weserstein.
+
Dr. Karin Weber-Klatt am Weserstein.

Im Herbst 2021 wird es in Hann. Münden wieder eine Bürgermeisterwahl geben. Dann geht für die SPD Dr. Karin Weber-Klatt ins Rennen. Die Kandidatin wurde im Juli von den Genossen bei nur einer Enthaltung angenommen.

Hann. Münden. Auf die Frage, warum sie sich habe aufstellen lassen, entgegnet die 59-Jährige: „Ich fühle mich mit Hann. Münden emotional sehr verbunden. Hier entsteht die Weser. Ich bin in Minden an der Weser aufgewachsen, wohnte später im nordrhein-westfälischen Lemgo, das selbst viele Fachwerk-Gebäude besitzt. In Hann. Münden habe ich mit meiner Familie viel Freizeit verbracht. Die Menschen stehen hier füreinander ein. Das sieht man an dem Brand in der Rosenstraße, wo es eine spontane Hilfsaktion gab. So etwas wäre in einer größeren Stadt so nicht denkbar gewesen.“

Bei einem möglichen Wahlerfolg im Herbst 2021 würde Weber-Klatt ihre beruflichen Erfahrungen in die Waagschale werfen: „Ich habe einiges an juristischer Erfahrung zu bieten, war viele Jahre im Referat-Recht der Stadt Göttingen als stellvertretende Leiterin tätig. Ich arbeite sehr gerne als Richterin am Sozialgericht in Hannover. Was mir dort jedoch fehlt, ist der enge Kontakt mit den Bürgern, der Austausch und das Gestalten.“ Weber-Klatt sei schon immer ein politischer Mensch gewesen, auch schon während des Studiums: „2002 bin ich in die SPD eingetreten und habe von da an immer in Vorständen mitgearbeitet, wie im SPD-Stadtverbandsvorstand in Göttingen. Ich war auch Mitglied des Kreistags. Meine Steckenpferde sind Stadtentwicklung, Umwelt und Sozialpolitik.“

Über die finanziellen Probleme der Stadt

Keine Frage, die Haushaltslage Hann. Mündens sei dramatisch, „aber ich weiß, was zu tun ist, je mehr ich Einblick bekomme. Ich habe die Berufserfahrung, um so etwas anzugehen. Im Referat Recht habe ich die Stadt Göttingen vor Gericht vertreten und bekam dabei tiefe Einblicke, wie eine Kommunalverwaltung funktioniert. Natürlich habe ich mir über die Herangehensweise an die finanzielle Problematik viele Gedanken gemacht. Es muss der Frage auf den Grund gegangen werden, ob die Stadt wirklich ein Ausgabeproblem hat.“ Die SPD-Kandidatin habe den Eindruck, dass dieser Behauptung noch keiner so richtig nachgegangen sei. „Mit Experten würde ich gerne nach dem Leck im sprichwörtlich sinkenden Tanker suchen, die Aussage gemeinsam mit dem Fachbereich Finanzen, Rechnungsprüfungsamt, der Kommunalaufsicht, der Politik und dem Personalrat in einer Expertenrunde überprüfen.“ Sollte es so sein, müsste man sich einem etwaigen Ausgabeproblem stellen. Dann würde die 59-Jährige mit den Ergebnissen an Rat und Öffentlichkeit herantreten und Stadtverwaltung sowie städtische Gesellschaften durchleuchten. Die Ergebnissen müsse man dem Land Niedersachsen vorlegen, verhandeln und die städtische Situation verdeutlichen.

„Die Stadt muss natürlich ihre Hausaufgaben machen, um Entschuldungshilfen zu bekommen. Aber andere Einheiten, wie Dransfeld, die Stadt oder der Landkreis Göttingen, haben das auch gemeistert. Ich habe gute Kontakte zu Land und Bund, die bei dieser Aufgabe hilfreich sein könnten. “ Andernfalls drohe die Streichung der freiwilligen Aufgaben, mit der das Kaputtsparen der Stadt einhergehe. Um dies zu verhindern, müssten Mitarbeiter zusätzlich darin geschult werden zielgerichtete Förderanträge zu stellen: „Da ist meiner Meinung nach noch Luft nach oben“, so die SPD-Kandidatin.

Über Stärken und Schwächen der Stadt

Weber-Klatt habe seit dem Sommer regelmäßig Gespräche vor Ort geführt und sich weitere Eindrücke verschaffen können. Ein Minus sei die Parkraumbewirtschaftung, für die es kein richtiges Konzept gäbe. So würden Wohnmobilfahrer nichts oder sehr wenig bezahlen und der Stadt Einnahmen dadurch entgehen.

Ein weiterer Punkt: „Die Verwaltung ist mit der Zeit stark angewachsen und müsste besser strukturiert werden. So stellt sich die Frage, wie es sein kann, dass die absoluten Personalkosten des Mündener Rechtsamts fast genauso hoch ist, wie die der Stadt Göttingen. Die IT-Dienste werden von der Stadt noch selbst vorgenommen, dabei haben andere Kommunen sie längst ausgelagert. Weshalb Münden die Wirtschaftsförderung im Verwaltungssitz integriert hat und das City-Management ausgelagert wurde, ist ebenfalls schwer zu verstehen. Beides gehört für mich zusammen. Außerdem hat der Landkreis Göttingen selbst auch eine Wirtschaftsförderung. Man muss überlegen, ob sich das nicht anders organisieren lässt. Dabei würde ich gerne die Mitarbeiter mitnehmen“, so Weber-Klatt. Dass immer wieder kostspielige Gutachten, so etwa bei der Auslagerung von Kitas, in Auftrag gegeben werden müssten, hält die SPD-Kandidatin zumindest für fragwürdig.

Trotz der finanziellen Schieflage habe Hann. Münden mit den drei Flüssen, den schönen Radwegen und dem Stadtwald allerdings auch „unglaubliches Potenzial“: Das Bürgerengagement sei etwas ganz Besonderes, müsse vielleicht etwas besser koordinieren werden, um die künstlerischen Initiativen so attraktiver zu machen und Kunstbegeisterte aus Kassel und Göttingen anzulocken. Auch eine Kopplung mit der Kassler documenta könne sich Webder-Klatt vorstellen: „Kulturinteressierte Menschen kommen aus der ganzen Welt dorthin, warum also nicht auch nach Hann. Münden?“

Auf der Suche nach bezahlbarem Wohnraum liege eine einfache Lösung nahe: „In den Ortsteilen gibt es viele ältere Menschen. Gerade dort kann es für junge Familien in Zukunft attraktiv sein, bezahlbaren Wohnraum zu finden, während die Preise in Kassel oder Göttingen explodieren. Die Nutzung von vorhandenen Immobilien könnte eine Alternative sein zu Baugebieten, für die immer mehr Fläche versiegelt werden müsste.“

Über den Tourismusbeitrag

Sehr kritisch blickt Weber-Klatt auf den viel diskutierten Tourismusbeitrag: „Sehr froh bin ich über die jüngste Ablehnung im Rat. Ich verstehe die ursprüngliche Absicht, doch Corona hat völlig neue Bedingungen geschaffen. Eine solche zusätzliche finanzielle Belastung würde dem Sterben weiterer Betriebe Vorschub leisten. Viel wichtiger wäre, wenn die Betroffenen reinvestieren könnten, ihre Geschäfte am Laufen halten und Personal einstellen würden.“ Diese Einnahmen würden dann wieder an die Stadt in Form von Gewerbesteuer fließen. „Das ist wichtiger als der Tourismusbeitrag, da die Erhebung verwaltungstechnisch ohnehin aufwändig und damit kostspielig ist.“

Zur Person

Dr. Karin Weber-Klatt, wohnhaft in Göttingen, ist 59 Jahre alt, verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Die promovierte Juristin ist als Richterin am Sozialgericht in Hannover tätig und dort Vorsitzende der Kammern Arbeitslosengeld II und Behindertenrecht. Studiert hat sie in Göttingen und Passau. Zu ihren Hobbys zählte viele Jahre die Sportart Badminton. Heute widmet sie sich Fitness-Training, Lesen (darunter Krimis und gesellschaftspolitische Inhalte) und der Pflege von Freundschaften.

Das könnte Sie auch interessieren

Meist Gelesen

Ab Ostern wieder Schiffsrundfahrten in Hann. Münden

Neue Schifffahrtsgesellschaft steht in den Startlöchern
Ab Ostern wieder Schiffsrundfahrten in Hann. Münden

Dr. Karin Weber-Klatt (SPD) möchte Hann. Mündens Bürgermeisterin werden

Im Herbst 2021 wird es in Hann. Münden wieder eine Bürgermeisterwahl geben. Dann geht für die SPD Dr. Karin Weber-Klatt ins Rennen. Die Kandidatin wurde im Juli von den …
Dr. Karin Weber-Klatt (SPD) möchte Hann. Mündens Bürgermeisterin werden

Angst davor, dass der Vorhang für das Staufenberger Puppentheater für immer fällt

Künstler*innen haben es in der Corona-Krise besonders schwer. Auftritte, Shows, Engagements - alles wird seit Monaten abgesagt und verschoben. Auch die Staufenberger …
Angst davor, dass der Vorhang für das Staufenberger Puppentheater für immer fällt

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.