Druck im Truck

Von LARS WINTERWerra-Meiner-Kreis. Sie waren einst die Knige der Strae. Doch das ist lange her. Vor uns hat keiner mehr Res

Von LARS WINTER

Werra-Meiner-Kreis. Sie waren einst die Knige der Strae. Doch das ist lange her. Vor uns hat keiner mehr Respekt. Im Gegenteil: Man wird auch noch angepbelt, sagt Lkw-Fahrer Dirk (siehe Extra-Info).

Der Beruf des Truckers habe sich enorm verndert. Druck, Druck und nochmals Druck wird auf uns ausgebt von Arbeitgebern und Auftraggebern gleichermaen, sagt er. Als Fahrer sei man nur noch eine Nummer und habe zu funktionieren wie eine Maschine. Die Termine, die den Fahrern vorgegeben werden, seien kaum einzuhalten. Zumindest nicht so, wie es das Gesetz vorsieht. Wenn ich mich nach den vorgeschriebenen Ruhezeiten richte, verliere ich meinen Job, sagt er kurz und knapp.

300 Arbeitsstunden im Monat

Spa habe er an seinem Beruf kaum noch. Wie auch: Bei einer monatlichen Arbeitszeit von 300 Stunden und einem Lohn von knapp ber 1.000 Euro netto, so der Fahrer, der bereits seit ber 20 Jahren hinterm Lkw-Steuer sitzt. Halb Europa kennt er wie seine Westentasche. Spanien, Frankreich, England, Osteuropa ber all ist er mit seinem 40-Tonner unterwegs. Er kenne viele andere Fahrer. Doch Solidaritt unter den Kutschern, wie sich die Trucker selbst bezeichnen, gebe es nicht mehr.

Wenn du heute irgendwo wegen einer Panne liegen bleibst, fahren selbst die Kollegen aus der eigenen Firma an dir vorbei, sagt Dirk. Jeder msse, besonders nach der Osterweiterung, sehen, wo er bleibt. Bei jedem Fahrer gehts ums nackte berleben um die Sicherung seines Jobs, sagt er.

Und das sei in Zeiten von Maut und stndig steigender Benzinpreise schon schwer genug. Auch fr die Arbeitgeber. Die haben sich frher eine goldene Nase verdient. Wenn sie heute berleben wollen, geht das nur, wenn sie an Personal und Material sparen, so Dirk.

Getankt wird daher oft in Luxemburg. Dort kostet der Liter Sprit 25 Cent weniger als bei uns. Bei den heutigen Riesentanks, die 1.200 Liter fassen, eine enorme Kostenersparnis. Und auch die Maut hat Konsequenzen fr die Fahrer. Aus den Knigen der Autobahn ist das Hindernis der Bundesstraen geworden. Der Verkehr auf den Bundesstraen ist pervers, sagt Dirk. Da brauche er zwar eine halbe Stunde lnger bis zum Ziel, aber der Chef spare so die Maut-Gebhr.

Drei Ehen drei Scheidungen

Neben dem immer grer werdenden Stress komme noch die teilweise erdrckende Einsamkeit hinzu. Es ist ein einsames Leben auf dem Bock, sagt er mit viel Wehmut in der Stimme. An ein normales Familienleben ist kaum zu denken. Drei Mal habe ich geheiratet, drei Mal wurde ich geschieden. Diese Belastung und das stndige Fernsein knne kaum eine Partnerin aushalten.

Wenn ich ehrlich bin: Mit einem ,Kutscher wollte ich auch nicht zusammen sein, kann Dirk die Frauen verstehen, die sich wegen der vielen Entbehrungen von ihm getrennt haben. So, wie er sich schon lange vom Traumjob ,Lkw-Fahrer verabschiedet hat. Wir sind nichts mehr wert, sagt der ehemalige ,Knig der Strae.

+++ +++ +++EXTRA INFO+++ +++ +++

Die Identitt des Fahrers wird mit Absicht verschwiegen. Daher nennen wir ihn in unserem Artikel einfach ,Dirk. Parallelen zu Fahrern, die auf diesen Namen hren, sind demzufolge rein zufllig. Die EXTRA TIP Mediengruppe schliet somit aus, dass dem erzhlenden Mann eventuelle Konsequenzen von anderer Stelle drohen.

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