Eine Herzogin aus Holz entsteht vor dem Mündener Welfenschloss

Bildhauer Martin Schaub arbeitet an Herzogin-Elisabeth-Skulptur
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Die Skulptur am vergangenen Dienstag: Der Fortschritt ist eindeutig zu erkennen. Leider riss das Holz an mehreren Stellen, sodass Schaub Holzscheiben einleimen musste. Was überstand, wurde später mit einer kleinen Säge entfernt.

Wo Martin Schaub Hand anlegt, fallen Späne. Derzeit ist das vor dem Welfenschloss der Fall. Seit dem 11. August arbeitet der Bildhauer an einer lebensgroßen Skulptur von Herzogin Elisabeth von Calenberg-Göttingen, die in der Mitte des 16. Jahrhunderts in der Dreiflüssestadt wirkte.

Hann. Münden. Der 77-jährige Rotenburger bearbeitet bis Ende August einen mannshohen Stamm einer Esche mit seinen Werkzeugen. Überwiegend kommen unterschiedlich große Schnitzbeitel - Hohl- und Flacheisen - zum Einsatz, die mit einem sogenannten Bildhauerklüpfel in den Stamm getrieben werden: „Das Holz ist zwar langfaserig und splittert gern mal ein bisschen, aber es ist nicht so hart, wie ich zuerst angenommen hatte. Das liegt daran, dass es noch relativ feucht ist. Erstaunlich trotz der langen Lagerzeit“, teilt Schaub mit. Die Esche stand einst in den Wallanlagen, wurde aber gefällt als eine Krankheit festgestellt wurde. Das Teilstück aus dem Stamm ist 2,10 Meter lang und hat einen Durchmesser von 50 Zentimetern. Der Künstler schätzt das Gewicht auf rund eine Tonne.

Die Arbeiten finden unter den Augen der Öffentlichkeit statt. Direkt vom Schlossparkplatz aus, kann man den 77-Jährigen tagtäglich bei der Umsetzung des Projekts beobachten und damit auch die Fortschritte. Später soll die Skulptur auf der Ostseite des Welfenschlosses stehen. An ihrer einstigen Wirkungsstätte. Schaub orientiert sich bei der Umsetzung an ein Gemälde, dass im Museum von Kopenhagen zu finden ist und die Herzogin in angemessener Kleidung und Pose zeigt. Tracht, Kragen, das Collier mit dem Kreuz - all das soll sich später an der Skulptur wiederfinden. Der Bildhauer malte zu Beginn die Silhouette auf den Stamm und trägt nun Schicht für Schicht ab. Sobald der letzte Span gefallen ist, kommen Farbe und Pinsel zum Einsatz. Auch wenn sie später ein Dach über den Kopf bekommen dürfte, so werde die Skulptur versiegelt, um sie vor Witterungseinflüssen zu schützen, erklärt Schaub.

Verbunden mit der Dreiflüssestadt

Der pensionierte Gymnasiallehrer fühlt sich emotional mit Hann. Münden verbunden, denn dort ist seine Lebensgefährtin geboren und aufgewachsen. Schaub ist angetan von der Dreiflüssestadt, ihren einmaligen Fachwerkhäuser und den imposanten Bauten, wie der St.-Blasius-Kirche. Er stellte in Hann. Münden mehrmals seine Werke aus, zum Beispiel beim DenkmalKunst-Festival. Er malte unter anderem stundenlang Aquarelle in und von der Stadt. Für das Bürgermeisterbüro von Harald Wegener fertigte er ein 1,5 mal 1,1 Meter großes Relief zur Geschichte der Stadt an. Bei einer eigenen Ausstellung von gegenständlichen Werken im Herbst 2020 kam Schaub in der Rotunde mit Ratsherr Hartmut Teichmann ins Gespräch und die Idee der Herzogin-Skulptur nahm konkretere Formen an.

Schließlich sagte er darüber, aus dem Eschen-Stamm die Frau mit der geschichtsträchtigen Vergangenheit zu schnitzen: „Das ist schon etwas ganz besonderes, wenn eine solche Arbeit in der eigenen Biografie auftaucht. Die Herzogin Elisabeth ist eng mit Hann. Münden verbunden und ist eine besondere Person in der Zeitgeschichte der Stadt“, so der Bildhauer. Obwohl er viel Herzblut in des Projekt einfließen lässt, lehnt er Geld für sein Schaffen ab. Wann und in welchem Rahmen die Skulptur nach ihrer Fertigstellung enthüllt werden soll, stehe laut Schaub derzeit noch nicht fest. Er würde sich aber sehr darüber freuen, wenn möglichst viele Menschen das Ergebnis später in Augenschein nehmen würden: „Am besten im Sommer, wenn die Herzogin zwischen Tulpen und Narzissen vor der prächtigen Kulisse des Welfenschlosses umherspaziert“, stellt sich der 77-Jährige vor. Bis es soweit ist, wird die Herzogin ihre vorübergehende Bleibe im Vorraum des Rittersaals beziehen. Am heutigen Freitagnachmittag gegen 15 Uhr soll sie ins Schloss gebracht und dort aufgestellt werden. Sobald ein Glasdach finanziert und fertiggestellt ist, soll sie vor dem Welfenschloss platziert werden.

Unterstützt werde das Projekt laut Schaub von der Aktion „Münden blüht und summt“. Einzelheiten seien im Vorfeld seien im Rathaus mit den zuständigen Verwaltungsbereiche besprochen worden.

Über die Herzogin

Regentin, Reformatorin und Ratgeberin – diese drei Attribute kennzeichnen das Wirken von Herzogin Elisabeth (1510 - 1558). Vom Welfenschloss in Münden führte die Gattin des Herzogs Erich I. von Braunschweig-Lüneburg nach dessen Tod die vormundschaftliche Regierung für ihren minderjährigen Sohn. Sie reformierte die höfische Verwaltung sowie das Armen- und Gerichtswesen und führte 1542 als erste und wohl einzig bekannte Frau im 16. Jahrhundert die Lehre Martin Luthers im Fürstentum ein. In einem Regierungslehrbuch warnte sie vor Geldverschwendung und teuren Kriegen. Neben Liedtexten und Gebeten verfasste sie zudem ein Ehestandsbuch für ihre Tochter und ein Trostbuch für Witwen.

Heute findet man im Hof des Welfenschlosses eine Gedenktafel und die sogenannte Elisabeth-Rose. Ein Rundgang durch ihre Residenzstadt kann als kulturtouristisches Angebot gebucht werden. Herzogin Elisabeth lud Mündens Bürger*innen am vergangenen Samstag zur fürstlichen Kaffeetafel in den Lepantosaal des Schlosses ein. Die Veranstaltung war dem Geburtstag der Herzogin gewidmet, dem 24. August 1510.

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