Erst sterben die Bienen, dann wir?

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Fordern ein Umdenken: (V.li.) Sara Drubel (Fridays for Future), Hartmut Teichmann und Viola von Cramon (Grüne).

Podiumsdiskussion zum Thema Insektensterben

Hann.Münden. Stellen wir uns vor, es gibt keine Insekten mehr. Dann gibt es auch keine Vögel, denn sie ernähren sich von den Insekten, die Obstbäume und viele Gemüsepflanzen tragen weniger Früchte, weil sie nicht bestäubt werden. Dann essen wir eben Fleisch. Aber auch Kuh, Schwein und Co. ernähren sich von Pflanzen. Anfang April diskutierte Viola von Cramon von den Grünen in der Reformierten Kirche mit Landwirten, Förstern, Biologen, Lehrern und Lehrerinnen über die Auswirkungen des Bienensterbens. Dabei geht es nicht nur um die Honigbienen. Im Vergleich zu diesen seien die Wildbienen sogar oft effizientere Bestäuber. Von den in Deutschland mehr als 560 bekannten Wildbienenarten sind 31 Arten vom Aussterben bedroht, 197 Arten gelten als gefährdet. Die Ursachen für das Artensterben, sind der Klimawandel, landwirtschaftliche Monokulturen und Insektengifte, sagte Hartmut Teichmann von den Mündener Grünen. Nicht nur der private Bereich, auch die Agrarpolitik der EU sei gefordert.

Viola vom Cramon hatte die Moderation der Podiumsdiskussion übernommen. Als diplomierte Agraringenieurin kandidiert sie für das Europaparlament. Insgesamt müsse man, laut Cramon, von Pestiziden runter, ferner Glyphosat total und Pestizide mit gleicher Wirkung per Pflanzenschutzgesetz verbieten. Die zu hohen Viehbesatzflächen müssten reduziert, die landwirtschaftlichen Ökologie erhöht werden. Dabei setzt sie auf finanzielle Anreize für die Landwirtschaft. Sie begrüßt die Initiativen der Kommunen, wie „Münden blüht und summt“ (wir berichteten), aber auch private Blühstreifen und ist für insektenschonende LED Beleuchtung. Sara Drubel von „Fridays for Future, Hann. Münden“ verwies auf das „Pariser Abkommen“. Das darin geforderte Ziel, die Erderwärmung auf 1,5° C zu begrenzen, wurde nicht eingehalten. Die Klimaaktivisten fordern unter anderem bis Ende 2019 die Abschaffung der Subventionen für fossile Energieträger, eine CO2-Steuer auf alle Treibhausgasemissionen und die Abschaltung von ein Viertel der Kohlekraft.

Natur gerät ins Hintertreffen

Die Anwesenden des Abends führten mehrere Gründe für die bedrohliche Situation an. Der trockene Sommer im vergangenen Jahr war zum Beispiel ein Problem für die Monokultur von Fichten, die Wasser brauchen. Der Boden sei jetzt noch nicht genügend befeuchtet. Die Förster erwägen, verstärkt Mittelmeerpflanzen anzubauen. Früher gab es mehr Landwirte, heute gibt es wenige, die deshalb größere Flächen bewirtschaften. Es gibt keine Hecken mehr, die Zuflucht für Vögel und Insekten bieten. In vorgefertigten Spielplätzen gäbe es für Kinder „kein Naturerlebnis“, der Biologieunterricht würde immer mehr gekürzt, Jugendliche hätten keinen Spaß und keine Freude an der Erkundung der Natur. Verbraucher und Händler müssten bezüglich des Fleischkonsums umdenken. Die Bevölkerung sollte mehr aufgeklärt werden, denn „viele sind gewillt, aber wissen nicht, was zu tun ist“.

In Privatgärten auf Pestizide verzichten und einen Teil als Wildblumenwiese umwandeln. Auch sollten öffentliche Flächen seltener gemäht werden. Am Freitag, 26. April, werden die Mündener „Fridays for Future“ vor dem Rathaus eine Schweigestunde durchführen. Alle sind aufgerufen, in der Zeit zwischen 20 und 21 Uhr den elektrischen Strom auszuschalten.

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