Ex-WWS-Chef Rolf Bilstein: ,War kein Job wie jeder andere’

+

Rolf Bilstein blickt auf seine Tätigkeit als WWS-Chef zurück - sein Nachfolger Thomas Kossert übernimmt.

Hann. Münden. Rolf Bilstein bedauert, dass er den Doktorwerder in seiner 31 monatigen Amtszeit nicht beleben konnte. Der ehemalige Chef der Mündener Wirtschaftsförderung WWS wollte hier ein Kunst- und Kulturzelt mit 500 Sitzplätzen aufstellen lassen und damit Kultur- und Kunstvereinen eine Möglichkeit bieten sich zu präsentieren. Zudem stellte er sich vor, den Ort mit Hilfe eines Brückenbaus mit dem Tanzwerder zu . Dieses Ziel hat er verpasst.In Anbetracht seiner Erfolge aber schätzt er das Versäumnis allerdings als weniger wichtig ein: "Ich habe vor meinem Amtsantritt einen klaren Auftrag bekommen, nämlich die WWS neu zu strukturieren, ein Mitarbeiterteam aufzubauen, mich um den Einzelhandel zu kümmern und das Stadtmarketing zu stärken, damit Hann. Münden in der Region wahrgenommen wird. Ich denke, das habe ich geschafft, auch dank des Aufbaus eines Netzwerkes mit Tourismusverein, Verwaltung, Mündener Gilde und den Wirtschaftsförderungen in Kassel und Göttingen", erklärt Bilstein. Er habe eine solide Basis geschaffen, auf der sein Nachfolger aufbauen könne: "Ein Endzustand ist sowieso schwer zu erreichen, außerdem hat man dann keine Ziele mehr."Geholfen bei seiner Aufgabe habe die Verbundenheit zu seiner Heimatstadt: "Es war kein Job wie jeder andere. Ohne Herzblut hätte ich den öffentlichen Druck nicht ausgehalten. Und ich wollte noch mehr erreichen. Deshalb habe ich mein ehrenamtliches Engagement verlängert", so Bilstein. Was dann folgte, war das Vorantreiben der Planungen für ein mögliches Schwergutterminal am Weserpark, das Ausfindigmachen von Investoren für die Industriebrachen C.F. Schröder in Neumünden oder Storopack in Hermannshagen, die Sicherung des historischen Weserumschlaggebäudes, das Gratis-WLAN "Freifunk" in der Altstadt, die Aktion "Advent" mit der Licht-an-Party und der Umzug in die neuen Büroräume Am Plan – auch um nah dran an den Einzelhändlern zu sein.

"Bis dahin hatte ich erst einmal grundlegende Dinge geändert, eine eigene WWS-Homepage anlegen und  drucken lassen. Das gab es vorher alles nicht. Dabei sage ich ganz deutlich, dass ein Mittelzentrum wie Hann. Münden unbedingt eine durchdachte Wirtschaftsförderung braucht. Denn wer sich heute nicht auf die Anforderungen des Städte-Wettbewerbs  einstellt, der wird am Markt nicht bestehen können. Deswegen habe ich Projekte nicht stupide nacheinander abgearbeitet, sondern mehrere zeitgleich", so Bilstein.Was sein Nachfolger Thomas Kossert unbedingt fortführen  solle, seien die Runden Tische "Einzelhandel" und "Industrie" sowie der Mittagstisch "Wirtschaft trifft Politik und Verwaltung": "Durch die Teilnahme der Presse können Probleme direkt in die Öffentlichkeit getragen werden und verschwinden nicht hinter verschlossenen Türen", meint Bilstein, der Ende Februar eine "kleine" Weltreise antreten und Asien, Australien sowie Neuseeland bereisen will.

Kossert setzt auf Diplomatie

Kossert, dessen Steckenpferd Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist, möchte seinen Job etwas "diplomatischer" angehen, als sein Vorgänger. Der 35-Jährige wisse als gebürtiger Mündener, wo in der Stadt der Schuh drücke und habe den Einzelhandel gut im Blick. Er und auch Bilstein sind gespannt auf das Ergebnis des Einzelhandelskonzeptes, dass innerhalb der nächsten sechs Monate auf dem Tisch liegen soll. Danach müssten ein Masterplan erarbeitet und konkrete Ziele gesteckt werden. "Herr Bilstein hat mit der hohen Geschwindigkeit, mit der er Projekte durchzusetzen versuchte, polarisiert, aber zeitgleich auch viele Lanzen gebrochen. Ich versuche nun die Wogen ein wenig zu glätten und führe momentan viele Gespräche. Es werden sich in Zukunft auch weitere Erfolge einstellen, die natürlich auch meinem Vorgänger zuzuschreiben sein werden. Denn vieles, was er angeschoben hat, ist bis heute noch gar nicht so deutlich sichtbar geworden", erklärt Kossert.Das Projekt Schwergutterminal sei übrigens immer noch ein Hauptthema der WWS: "Wir brauchen für eine konkrete Kostenaufstellung Architekten und Projektentwickler. Mit im Boot sitzen bereits die Interessengemeinschaft Oberweser und ein ehemaliger Prokurist der Firma Richter aus Hess. Lichtenau. Wir arbeiten daran, das Projekt zu einer strukturpolitischen Maßnahme zu machen. Damit wäre ein großer Schritt getan, der dem späteren Investor finanzielle Zuschüsse sichern würde", informiert Bilstein.

+++Abschied vom Alphatier+++Zwischenruf von Mathias Simon+++

Bilstein, das Alphatier. Angeeckt ist er mit seiner Art, die Dinge in die Hand zu nehmen. Wie am Beispiel des Projekts "Freifunk" zu sehen war, rannte er, wie sein Nachfolger Thomas Kossert es treffend beschrieb, durch geschlossene Türen. Dafür musste sich Bilstein öffentlich, wie auch im Stadtentwicklungsausschuss rechtfertigen. Sein Vorpreschen kam bei vielen Ratsmitgliedern nicht gut an, er polarisierte und musste oftmals Kritik einstecken.Stolz ist Bilstein darauf, Probleme und deren Ursachen immer gleich beim Namen genannt zu haben. Dadurch fühlten sich Gegner und Zweifler zwar vor den Kopf gestoßen, doch das konnte sich der Gratis-WWS-Chef leisten, denn berufliche Konsequenzen brauchte er nicht zu fürchten. Die waren höchstens verbaler Natur, denn Bilstein war – rein wirtschaftlich gesehen – schließlich nicht auf den Posten angewiesen. Der berufliche Erfolg mit seinem Unternehmen DOS hatte ihm in seinem Umfeld als WWS-Geschäftsführer sicherlich  viele Neider beschert, die sich von dem "Selfmade-Man" nichts vorschreiben lassen wollten. Das dürfte seinen Job natürlich nicht leichter gemacht haben. Nun tritt Thomas Kossert in Bilsteins Fußstapfen, die er, wie er selbst sagt, diplomatischer beschreiten möchte, damit aber keinesfalls Bilsteins Erfolge in Frage stellen will. Er habe einfach eine andere Herangehensweise, sei ein anderer Typ. Bleibt abzuwarten, wie er sich schlägt. Kossert übernimmt jedenfalls ein Mitarbeiter-Team, dass sich bereits eingespielt hat. Und das könnte später von Vorteil sein, wenn es um die Beurteilung seiner Arbeit geht.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Konfuzius-Inschrift an Fachwerkhaus in Hann. Münden

Das dürfte in der deutschen Fachwerklandschaft wohl einmalig sein: Fritz Fehrensen ließ einen chinesischen Schriftzug in den Türsturz seines Mündener Fachwerkhauses …
Konfuzius-Inschrift an Fachwerkhaus in Hann. Münden

Impressionen von beiden Tagen des Altstadtfestes Münden live

Anbei die Bilder von Münden live, der zweitägigen Sause in der Altstadt.
Impressionen von beiden Tagen des Altstadtfestes Münden live

Panzerbombe in der Weser kontrolliert gesprengt

Mit einer kontrollierten Sprengung wurde eine Panzermine aus dem II. Weltkrieg am Mittwochvormittag entschärft. Kampfmittelexperten aus Hannover rückten an, um die Mine …
Panzerbombe in der Weser kontrolliert gesprengt

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.