Fachwerkhäuser retten: Bürgergenossenschaft stellt zweites Projekt in Hann. Münden fertig

Die Bürgergenossenschaft rettet Fachwerkhäuser in Hann. Münden.
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In Hann. Münden rettet die Bürgergenossenschaft Fachwerkhäuser vor dem Verfall

Hann. Münden. Eifrig entfernt Astrid Burkhardt die letzten Klebstreifenreste von einem Fenster im Erdgeschoss der Radbrunnenstraße 16, dem „Projekt II“ der Bürgergenossenschaft Mündener Altstadt eG. Das Fachwerkhaus ist, abgesehen von kleineren Streicharbeiten, fertig saniert. Es riecht nach trocknender Farbe und frischem Holz.

Die 53-Jährige ist die Mieterin der Immobilie. Vor wenigen Tagen hat sie ihre neue Bleibe bezogen. „Das Haus ist sehr schön geworden. Für mich fühlt es sich rund an. Ich bin in einem Fachwerkhaus aufgewachsen und liebe knarrende Dielenböden und Treppenstufen. In einem Altbau mit 3,50 Meter Deckenhöhe würde ich mich nicht wohl fühlen“, erklärt Burkhardt.

Das teilunterkellerte Haus wurde im 18. Jahrhundert errichtet und hat im wahrsten Sinn des Wortes Fachwerkcharme. Auf einer Grundfläche von 50 Quadratmetern steht das Haus mit verwinkelten und teilweise zwei Meter niedrigen Räumen. Die 116 Quadratmeter Wohn- und 14 Quadratmeter Nutzfläche erstrecken sich auf vier Etagen. Ein echtes Highlight ist ein Mini-Balkon, von dem man einen tollen Blick auf die Dächer der Dreiflüssestadt hat.

Die Genossenschaft hat das Haus in der Radbrunnenstraße 16 vor gut drei Jahren von der Oberen Finanzdirektion Niedersachsen erworben: „Als die Bewohnerin verstarb, schlug die Familie das Haus als Teil des Erbes aus und es fiel zurück an den Staat. Von ihm kauften wir es schließlich. Aus baulicher Sicht war das Gebäude in einem schlechten Zustand. Seit den 70er Jahren wurde hier nichts mehr gemacht. Es stand etwa zehn Jahre lang leer und eingedrungenes Regenwasser hatte einigen Schaden angerichtet“, erinnert sich Architektin Sabine Momm, Vorstandsmitglied der Genossenschaft.

Im Oktober 2017 begannen die Sanierungsarbeiten, hauptsächlich mit ehrenamtlicher Hilfe. Momm schätzt die freiwillig geleisteten Arbeitsstunden auf etwa 10.000. Es sei jeden zweiten Samstag gewerkelt worden, zwei Jahre lang.

Hinzu kämen intensivere Bauwochen, unterstützt zum Beispiel von französischen Auszubildenden. Was die Ehrenamtlichen und ein mittlerweile fest angestellter Mitarbeiter der Genossenschaft nicht bewältigen konnten, erledigten meist ortsansässige Firmen: Elektroinstallationen, Sanitär- und Heizungsanlagen, Fenster sowie Dachdecker- und Zimmererarbeiten erledigten Profis.

Insgesamt schätzt Momm die Kosten für die Sanierung auf eine „hohe fünfstellige Summe“. Die kleine, enge und niedrige Bauweise des Gebäudes sei eine besondere Herausforderung gewesen. Der Kühlschrank fand beispielsweise über Außenfenster den Weg in die Küche.

Bewegung startete 2013

Damit wurde in Hann. Münden wieder ein Haus gerettet, dass andernfalls dem Verfall geweiht gewesen wäre. „Projekt I“ war die Speckstraße 7, in dem heute unter anderem das Mündener Kunstnetz untergebracht ist. Im Februar 2013 gründete sich zunächst die Genossenschaft, der heute über 380 Mitglieder angehören.

Während des DenkmalKunst-Festivals im Herbst desselben Jahres hatte der bekennende Denkmalaktivist und heutige Vorstandsvorsitzende der Bürgergenossenschaft Mündener Altstadt, Bernd Demandt, die verrückte Idee, die Speckstraße in wenigen Tagen zu sanieren.

Das Motto hieß damals „9x24“ – neun Tage lang, 24 Stunden am Tag – und wurde überregional von diversen Medien begleitet. Demandt wusste, dass er das baufällige Haus nie und nimmer in dieser Zeit fertigstellen würde. Darum sei es ihm aber auch nicht gegangen, sondern vielmehr darum, die Bürger Mündens zu einem Aufbruch zu bewegen. Sie dazu zu bringen, selbst aktiv etwas zu tun, um dem drohenden Verfall von Häuser und damit der Stadtkulisse entgegen zu wirken.

Der erste Einzug nach der Sanierung erfolgte Mitte 2014. Stück für Stück wurde die Speckstraße komplett saniert. Mit den Mieteinnahmen werden die Kredite bedient, die die Genossenschaft aufnehmen musste.

„Projekt III“ steht bereit

Nach „Projekt I“ und „II“ hat die Bewegung mit der Siebenturmstraße 5 die dritte Immobilie im Besitz. Es ist ebenfalls unbewohnt und hat einen massiven Regenwasserschaden erlitten. Geplant sind zwei bis drei Wohneinheiten mit Balkon respektive Nutzung der freigelegten Hoffläche als Garten oder Terrasse. Geplant ist der Neubau eines Treppenhauses außerhalb der Immobilie. Aufgrund der umfangreichen Umbaumaßnahmen und den entsprechend gestellten Anträgen rechnet Momm mit einem Sanierungsbeginn im Herbst 2020. Was tun bis dahin? Eine „Winterbaustelle“ könnte ein Haus in der Ziegelstraße werden, da es eine Heizung besitzt. Doch man stehe noch in Verhandlungen, teilt Momm mit. Weitere Infos gibt es auf www.bg-hmue.de.

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