Filmbüro Göttingen gegründet

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Gruppenbild vor dem ehemaligen Göttinger Filmatelier: (v.li.) Dr. Stefan Zimmermann, Alexander Siebrecht, Silke Winter, Natalie O‘Hara, Sven Schreivogel, Florian Hilleberg, Ekki Sieker, Markus Riese, Patrick Caputo und Angelika Daamen.

Kreisstadt soll als TV-Kulisse vermarktet werden

Göttingen. Rückt Göttingen als Filmstadt wieder so in den Mittelpunkt, wie in den 1950er Jahren, als Heinz Erhardt alias Schutzmann Eberhard Dobermann ihre Straßen unsicher machte? Hier gab es einst einen für damalige Verhältnisse modernen Studiokomplex. Es galt als das am höchsten frequentierte Atelier Ende der 1940er Jahre. Von 1948 bis 1961 entstanden insgesamt 100 Spielfilme und damit mehr Kinofilmherstellungen als im Studio Hamburg (wir berichteten).

Ob die guten alten Zeiten wiederkehren, ist ungewiss. Sven Schreivogel hat jedenfalls das Filmbüro Göttingen ins Leben gerufen. Sein Ziel ist es, Göttingens Filmgeschichte aufzuarbeiten und öffentlich zugänglich zu machen, beispielsweise im Rahmen einer Dauerausstellung, sowie das einstige Filmzentrum in der Mitte Deutschlands als Drehort fürs Fernsehen zu vermarkten. Das Interesse am Thema Filmstadt Göttingen hatte sein ehemaliger Lateinlehrer Michael Petzel geweckt, im Herbst 1987 während einer Projektwoche am Max-Planck-Gymnasium. Bereits drei Jahre zuvor war Schreivogel, der seine Kindheit in Sichtweite des ehemaligen Filmateliers im Stadtteil Grone verbracht hatte, mit der Erhardtschen Kultkomödie „Natürlich die Autofahrer“ in Berührung gekommen. Bei der Ausstrahlung am 20. Februar 1984 im ZDF erreichte der Film 20,67 Millionen Zuschauer, darunter auch den damals Elfjährgen: „Am nächsten Tag war der Film das Gesprächsthema Nr. 1 in unserer Klasse: Göttingen war im Fernsehen!“ Für Kinder aus Berlin, Hamburg und München völlig normal, ihre Heimatstadt auf Mattscheibe oder Leinwand zu sehen. Für Göttinger Kids zur damaligen Zeit hingegen alles andere als alltäglich und etwas ganz Besonderes. Dies führte zu Schreivogels späterer Berufswahl und dem innigen Wunsch, der früheren Filmmetropole zu neuem Glanz zu verhelfen.

Geschichte als Filmzentrum aufarbeiten Das Filmbüro Göttingen will die Geschichte als eines von fünf Filmzentren im Nachkriegsdeutschland aufarbeiten und öffentlich zugänglich machen sowie die Stadt professionell als TV-Kulisse vermarkten – mit dem Ziel, TV-Produktionen hierher zu holen und zu einem späteren Zeitpunkt vielleicht sogar eine professionelle Infrastruktur zu schaffen. Prominentes Gesicht der Kampagne „Initiative Drehort Göttingen“ ist Schauspielerin Natalie O‘Hara (ZDF-Serie „Der Bergdoktor“), selbst gebürtige Göttingerin. Ebenfalls zum Kreativ-Team gehören Regisseur Patrick Caputo („Rote Rosen“), TV-Journalist Eki Sieker („Die Anstalt“) und Producerin Silke Winter (Talpa Germany). Ein erstes Treffen zur Stoff- und Projektentwicklung für den Drehort Göttingen hat Anfang November stattgefunden. Eine Fortsetzung ist für Januar 2020 vorgesehen. „Göttingens größter Standortvorteil ist die geografische Lage mitten in Deutschland. Die Stadt liegt genau zwischen den großen Filmstädten Berlin, Hamburg und der Filmregion Rhein-Main und ist ganz bequem mit dem ICE erreichbar. In der aktuellen Situation, wo Kurzstreckenflüge zu vermeiden sind, ein guter Grund für Produktionsfirmen und Schauspieler, denen ein umweltbewusster CO2-Fußabdruck wichtig ist.“

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