Ex-Mitarbeiter einer Gartenbaufirma soll 3.920 Euro zahlen

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Insgesamt 1.300 Euro soll der Beklagte kassiert und für sich behalten haben.

Der 64-Jährige soll seinen Chef und Kunden betrogen haben

Hann. Münden. Wegen Betrug und Unterschlagung ist am Donnerstag ein 64-Jähriger vor dem Mündener Amtsgericht zu einer Geldstrafe von 3.920 Euro verurteilt worden. Dem Mann aus Dransfeld wurde vorgeworfen als Angestellter einer Gartenbaufirma im April und Juni vergangenen Jahres einmal einen Bargeldbetrag in Höhe von 500 Euro für eine Leistung kassiert, aber nicht seinem Arbeitgeber ausgehändigt zu haben. In einem anderen Fall soll er für noch nicht erfolgte Arbeiten Vorkasse in Höhe von 800 Euro verlangt und einbehalten zu haben – ohne Kenntnis seines Chefs. Die Taten sollen in Hann. Münden und Bovenden begangen worden sein. In einem Zivilprozess mit seinem ehemaligen Arbeitgeber Ende 2017 – der 64-Jährige wurde nach den Vorfällen entlassen – habe er die Unterschlagung aus dem April 2017 eingeräumt, aber die 500 Euro bis heute nicht an das geschädigte Unternehmen zurückgezahlt, hielt im Richterin Dr. Christine Kunst vor.

Der Angeklagte erwiderte, dass es als Angestellter sein Auftrag gewesen sei das Bargeld von Kunden zu kassieren. Er habe dem Vergleich vor Gericht nur zugestimmt, „damit endlich Ruhe herrscht“. Er könne die „Lügen aller Beteiligten“ nicht mehr ertragen. Dabei habe er die 500 Euro, die er von einer Kundin in bar erhalten habe, dem Vater seines Chefs gegeben. Warum dieser die Summe nicht an seinen Sohn weitergegeben habe, wisse er nicht. Dieses Geld, das eine 71-jährige Mündenerin gezahlt hatte, war dafür gedacht eine Rechnung zu begleichen, kam aber nie beim Adressaten, dem Unternehmen, an.

Bei dem zweiten Vorwurf handelte es sich um eine Vereinbarung, die der Dransfelder im Juni mit einer Frau aus Bovenden getroffen haben soll. Hier sei es um den Aufbau einer Gartenmauer gegangen. Über ein Internet-Inserat sei er auf den Auftrag gestoßen. Um einen Kostenvoranschlag zu erstellen, habe der 64-Jährige für eine Materialaufstellung gesorgt. Seim Chef, so der Angeklagte, habe von der Kontaktaufnahme gewusst und ihm bei der Materialsuche geholfen. Die 800 Euro Vorkasse soll er später aber ohne das Ausstellen einer Quittung kassiert und die Kundin trotz mehrmaliger Nachfrage immer wieder vertröstet haben.

Chef: „Nehmen nie Bargeld an“

Sein ehemaliger Chef bestritt vor Gericht den 64-Jährigen beauftragt zu haben Bargeld zu kassieren: „Ich mache das nun schon seit über acht Jahren und nehme nie Bargeld an, sondern fordere Überweisungen. Das ist allein schon wegen einer vernünftigen Buchführung nötig.“ Der 31-Jährige dementierte ebenfalls, von der Vereinbarung zwischen seines ehemaligen Mitarbeiters und der Kundin aus Bovenden gewusst zu haben: „Ich habe die Frau heute zum ersten Mal gesehen.“ Zum vom Angeklagten aufgestellten Kostenvoranschlag sagte er: „Der kann eine solche Rechnung gar nicht aufstellen, weil er die Kosten dafür überhaupt nicht kennt. Er hatte keine Befugnisse eine solche Aufstellung zu machen.“ Er habe dem 64-Jährigen nach Bekanntwerden der Vorfälle gekündigt. Die unterschlagenen 500 Euro habe er trotz Vergleich im Zivilprozess bis heute nicht erhalten. Die Geschädigte 51-Jährige aus Bovenden gab vor Gericht an, dass sie sich bei dem Angeklagten gut aufgehoben gefühlt habe: Er hatte gute Ideen und Referenzen.“ Erst als sie ihm die geforderte Vorauszahlung von 800 Euro ausgehändigt habe und keine Quittung erhielt, sei sie misstrauisch geworden und seinen Chef kontaktiert, der von dem Kostenvoranschlag, geschweige denn einem Auftrag, nichts wusste.

Die Staatsanwaltschaft wertete die Angaben des Angeklagten als unglaubwürdig und uneinsichtig. Der 64-Jährige sei zudem einschlägig vorbestraft ist, unter anderem wegen Unterschlagung und Betrug in zwei Fällen. Sie forderte eine Geldstrafe in Höhe von 4.200 Euro. Dem kam Richterin Kunst nicht ganz nach und senkte die Tagessätze etwas herab. Auch sie schenkte den Zeugen mehr Glauben als dem Angeklagten. Vor allem die „Kundinnen“ des Unternehmens hätten kein Motiv gehabt ihn grundlos zu belasten. Auch den Vergleich aus dem vorangegangenen Zivilprozess und die Vorstrafen zog sie in ihrem Urteil hinzu. Neben der Geldstrafe soll der Angeklagte die zu Unrecht einkassierten 1.300 Euro zurückzahlen sowie die Prozesskosten tragen.

„Gegen das Urteil werde ich angehen. Das kann ja wohl nicht wahr sein“, äußerte sich der 64-Jährige ungläubig.

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